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Mehr Wirtschaftlichkeit für den deutschen Film?
Foto: Ann-Katrin Thöle

Der Film verschwindet

28. November 2013

Flächendeckende Digitalisierung ab 2014 – Filmwirtschaft 12/13

Nun ist es amtlich: Die großen Filmverleiher informieren derzeit alle Kinounternehmen, dass mit der nun nahezu vollständig abgeschlossenen Digitalisierung der deutschen Leinwände eine Belieferung mit herkömmlichen Filmkopien nicht mehr rentabel ist. Meistens wird ein bestimmter Filmtitel genannt, der noch analoge Kopien in geringer Stückzahl bereithält, bevor dann vollständig das digitale Zeitalter beginnt. Das wird im Frühjahr 2014 der Fall sein.

Zur Jahresmitte zählte die Filmförderungsanstalt noch rund 4.600 Leinwände in Deutschland. Im Jahr 2007 waren es noch 4.832, mithin haben also rund 230 Leinwände den Betrieb eingestellt. De facto waren es natürlich mehr, aber es wurden auch neue Leinwände eröffnet, so dass sich der Saldo auf 5% beschränkt.
Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Gemeinden, in denen sich Filmtheater befinden, um 10%, von 1.024 auf 904 reduziert. Die weißen Flecken auf der Landkarte sind demnach überproportional gewachsen.

Weil die Filmförderungsanstalt auch jedes Open Air Kino, jedes Truppenkino, jedes Autokino und auch alle Kommunalen Kinos mitzählt, ist die Anzahl der echten stationären und privatwirtschaftlichen Filmtheater natürlich um einige 100 geringer.

Eine offizielle Bestandsliste der digitalisierten Leinwände in Deutschland gibt es nicht. Um einen, wenn auch nur punktuellen Überblick darüber zu erhalten, wer nach der amerikanischen Norm DCI insbesondere US-amerikanische Produktionen auswerten darf, befragt man am besten solche Dienstleister, die im Auftrag der Studios die Schlüssel zur Dechiffrierung der an die Kinos geschickten Filmdateien erstellt. Das als Kamerahersteller bekannt gewordene Unternehmen Arri in München meldete kürzlich, dass mittlerweile knapp 4.000 Leinwände in Deutschland die DCI erfüllen. Noch bis zum Ende dieses Jahres gibt es Förderprogramme und Unterstützung der Filmverleiher bei der Umstellung, so dass zum Jahresende von einer nahezu vollständigen Konversion gesprochen werden kann.
Mit dieser Umstellung treten dann eine ganze Reihe von gewünschten und vielleicht auch unerwünschten Folgewirkungen ein:
1. Die Reduzierung der Anzahl der Leinwände und der Kinostandorte wird auch noch in den kommenden 24 Monaten fortschreiten. Branchenvertreter gehen davon aus, dass weitere 400 Leinwände den Betrieb mittelfristig einstellen.
2. Die ehemals 55.000 Filmkopien, die von den Verleihern jährlich hergestellt wurden, fallen weg und bringen ein Einsparpotenzial von rund 50 Millionen Euro pro Jahr.
3. Die Kosten für Energie, Lampen und Wartung der hochgezüchteten Computer und Beamer haben sich auf Seiten des Kinos verdoppelt.
4. Das Berufsbild des Filmvorführers hat sich derart gewandelt, dass sich sowohl hinsichtlich des Bedarfs als auch hinsichtlich der Qualifikation zahlreiche Vorführer umorientieren müssen.
5. Das Profil der Kinos wird künftig auch weiterhin vom Spielfilm dominiert, aber Oper, Konzert, Sport, Spiele sowie Veranstaltungen aller Art werden aus der Nische heraustreten.
Obgleich der Film als Trägermedium dann der Vergangenheit angehört, wird der Begriff auch in Zukunft immer noch all das mitschwingen lassen, was die Leute im Kino lieben: Sehnsucht, Flucht, Unterhaltung oder, um es Francois Truffaut zu sagen: Film heißt schöne Frauen schöne Dinge machen lassen.

KIM LUDOLF KOCH

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