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Claire Adam und Fernanda Melchor
Fotos: Tricia Keracher-Summerfield / privat

Geld oder Leben

12. Februar 2020

Zwei Autorinnen überzeugen mit ihren Kriminalromanen – Wortwahl 02/20

Blutige Gewalt, Entführungen und Korruption – das kennt man bisher nur aus dem Drogenkrieg in Mexiko. Doch auch die Inselgruppe Trinidad und Tobago ist dafür bekannt, dass es Verbrechen gibt, bei denen es am Ende um das nackte Überleben geht. Für zwei Autorinnen liefern die Geschichten, die sich an diesen Krisenherden täglich abspielen, den Stoff für lesenswerte Kriminalromane. Der nötige Nervenkitzel ist dabei stets inklusive.

Die Schriftstellerin Claire Adam erzählt in ihrem preisgekrönten Debütroman „Goldkind“ (Hoffmann und Campe) die Geschichte zweier Brüder, die so wie die Autorin selbst auf Trinidad aufwachsen. Während man bei Peter eine Hochbegabung erkennt und ihn so fördert, dass er im Ausland eine besondere Ausbildung erfahren kann, bedarf es bei Paul besonderer Fürsorge. Doch er entzieht sich der familiären Enge und macht sich aus dem Staub. Mitten in der Natur wird er schließlich entführt. Die Suche nach ihm verläuft erfolglos. Eine Lösegeldforderung steht im Raum und sorgt zusehends für Probleme. Je weiter die Zeit voranschreitet, kristallisiert sich heraus, wer von den beiden Brüdern das eigentliche Goldkind ist. Claire Adam wirft mit ihrem Debüt nicht nur einen spannenden Blick auf die vermeintlich idyllische Inselgruppe in der Karibik. Ihre einfühlsam erzählte Geschichte des verlorenen Sohns berührt einen so sehr, dass man nicht umhinkommt, mit Paul sowie seiner Familie mitzuleiden.

Anders verhält es sich im ebenfalls ausgezeichneten Roman „Saison der Wirbelstürme“ (Wagenbach Verlag)der Autorin Fernanda Melchor, der nun auch als Taschenbuch vorliegt. Geradezu kaltherzig und streckenweise abstoßend erzählt die Autorin von der Ermordung einer Hexe aus Habgier in der mexikanischen Provinz. Ihre Leiche wird von Kindern gefunden. Um die alltägliche Gewalt zu schildern, nimmt Fernanda Melchor keine Hand vor den Mund. Ihre offenkundige Vorliebe für vulgäre Sprache, die der Übersetzung einiges abverlangt, trägt dazu bei, dass in dem Roman das Bild einer zutiefst erschütterten Gesellschaft aufscheint. Mit den Mitteln der Literatur gelingt es der Autorin, die harte Realität Mexikos, die man sonst nur aus der journalistischen Berichterstattung kennt, so anschaulich einzufangen, dass man das Buch nach der Lektüre mit einem mulmigen Gefühl zur Seite legt.

Michael Preidel

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