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Mojca Erdmann
Foto: Felix Broede

Späte Werke früh im Jahr

12. Januar 2022

Köln erlebt den Prager Mozart – Klassik am Rhein 01/22

Die „Goldene Stadt“, wie Prag wegen der gülden glänzenden Dächer in der Innenstadt gerne genannt wird, galt schon früh als wichtiges europäisches Zentrum guter Musik. Vom Bier, vom Essen und von musikalischer Lustbarkeit verstanden die Prager immer sehr viel. Musikalität ist dem tschechischen Volk in die Wiege gelegt worden, Smetana und Dvorák gelten als ihre Heroen. Heute sitzen in zahllosen Orchestern tschechische Musikanten – sie werden weltweit geschätzt.

Irgendwie hatte auch das Volk zu Mozarts Zeit zumindest einen sehr guten Geschmack. Viel zitiert sind die Figaro-Melodien, die jeder Spatz in Prag von den Dächern pfiff. In Köln gastiert jetzt das „Swedish Chamber Orchestra“, um mit nordisch kühlem Kopf die Hitze des Mozart-Fiebers Ende der 1780er nachzuspüren – mit Werken des Salzburger Wunderknaben, die allesamt in Prag uraufgeführt wurden.

Mozart schrieb seine Stücke im Auftrag der Kirche, für die Feste adeliger Bürger und für den Hof. Letztere galten als sehr attraktive Aufgaben, weil hier auch Beziehungen geknüpft werden konnten – Mozart war nach Salzburg stets auf der Suche nach einer höfischen Anstellung. Als 15-jähriger Bub komponierte er eine Oper für Mailand, zehn Jahre später für München „Idomeneo“ und „Cosi fan tutte“ ein Jahr vor seinem Tod für den Wiener Hof. Aber nur die Prager versetzte seine Kunst in solche Euphorie, dass nach dem Auftrag zu „Don Giovanni“ vom Prager Ständetheater auch der König von Böhmen eine Oper bestellte. Leider fiel dieser Boom bereits in den tiefen Herbst von Mozarts Lebensspanne, der doch immer noch ein kauziges Wolferl war.

Ein lustiger wie ernsthafter Zeitgenosse ist der schwedische Klarinettist Martin Fröst, der gleichzeitig als Solist und Chefdirigent des Kammerorchesters fungiert. Er tanzte in der Philharmonie auch schon mal Tango und riss das Publikum mit unkonventionell überraschenden Variationen im Konzertalltag von den Sitzen. Jetzt assistiert ihm die Sopranistin Mojca Erdmann, Hamburger Musikertochter mit slowenischen Wurzeln, die in Köln bereits als Pamina auf der Opernbühne stand. Sie liebt die Neue Musik genauso wie Arien von Mozart, besitzt absolutes Gehör und brilliert in einer Konzertarie, die Mozart in Prag von einer gut befreundeten Sängerin abgepresst wurde – er schrieb sie ihr „in die Gurgel“.

Mojca Erdmann, Swedish Chamber Orchestra, Martin Fröst | 22.1. 20 Uhr | Kölner Philharmonie | 0221 28 02 80

Olaf Weiden

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