Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13

12.417 Beiträge zu
3.694 Filmen im Forum

Karl-Heinz Zielinske, Rosenmontag 1991, Köln, 11.2.1991
Foto: © Karl-Heinz Zielinske

Immer mehr zwischen Tatü und Tata

25. Januar 2018

Fotoausstellung „Trotzdem Alaaf!“ im Stadtmuseum – das Besondere 02/18

Was macht eine kleine rote Plastikkugel, ein Paar olle Wanderschuhe und kleine Schellen am schwarzen Samtband so interessant für das Kölner Stadtmuseum? Es sind Artefakte des Karnevals aus der Nachkriegszeit. Damals war der Krieg gerade vorbei, heute will der religiöse Terrorismus zum Umdenken bei großen Menschenansammlungen zwingen, seinen Pseudo-Glaubenskrieg in die Metropolen tragen. Bei den Jecken klappt das nicht so richtig und deshalb erinnert das Museum mit der Fotoausstellung „Trotzdem Alaaf!“ an die Rosenmontage 1991 und 2017.

Wegen des Golfkrieges fiel der Rosenmontagszug in den frühen 1990ern ganz aus. Das war nicht nur in den Hochburgen wie Köln so, die meisten Städte sagten ihre Kostümumzüge ab. Gerade erst „Deutschland einig Vaterland“ und dann das Gemetzel in der Wüste – die Kölner feierten dennoch. Aus „Make Love not War“ wurde eben „Make Faste-love-nd not War“ ein chaotischer Umzug im Schneetreiben, eiskalt, unorganisiert und dennoch aufrichtig politisch. Die fast 100 Aufnahmen von zwölf FotografInnen und wenige Filme zeigen auch Jahrzehnte nach dem Zweiten Golfkrieg wie man gegen Krieg und für Freiheit gleichzeitig demonstrieren kann – das war vielleicht am Rosenmontag ein rheinisches Phänomen, dennoch ein Statement für das ganze Land. Obwohl – politisch war Karneval zu allen Zeiten, mal mehr, mal weniger, 1991 gab es eben einen Zusammenschluss von Friedensbewegung und Karnevalisten. Das weiß auch Eusebius Wirdeier, Fotograf und Kurator der Ausstellung, der auch Bilder aus den Jahren 1946 bis 1949 in die Ausstellung integriert hat und damit Rosenmontags-Umzüge zu einer Zeit dokumentiert, als die Domstadt noch in Trümmern lag. 

Ziemlich aktuell sind die Bilder aus dem vergangenen Jahr, als die Terrorgefahr die Umzüge in Köln doch ziemlich belastete. Sie werden den historischen Aufnahmen gegenübergestellt, wo es zwar ärmlich und kalt war, es aber kaum schwer bewaffnete Polizisten und Straßensperren gab. Fotografen schossen das wilde Treiben wieder unter dem Motto „Trotzdem Alaaf“. Es sollen mehr Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln dort gewesen sein – aber auch mehr Flaschensammler.

„Trotzdem Alaaf!“ | bis 25.3. | Kölner Stadtmuseum | 0221 22 12 23 98

PETER ORTMANN

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Lesen Sie dazu auch:

Hélène Binet – Das Echo von Träumen
Museum für Angewandte Kunst | bis 28.3., Di-So 10-18 Uhr [vorübergehend geschlossen]

Ein genaues, insistierendes Sehen
Reihe Ortstermin: Jutta Dunkel und Martin Rosswog im Kunstmuseum Villa Zanders – kunst & gut 10/20

Die überwucherte Bevölkerung
Hans Haacke im Mönchengladbacher Museum Abteiberg – Kunstwandel 09/20

Licht und Schatten in New York
Berenice Abbott in der Photographischen Sammlung in Köln – Kunst in NRW 08/20

Sehen und Zeigen
„Subjekt und Objekt“ in der Kunsthalle Düsseldorf – Kunst in NRW 05/20

Im Aquarium der Nacht
Josef Śnobls Reise durch das Taxiuniversum – Textwelten 01/20

Andere Architekturen
Die Hochbunker von Boris Becker in der Photographischen Sammlung – kunst & gut 01/20

Kunst.

Hier erscheint die Aufforderung!