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Nie um große Gesten verlegen: Michael Gira von den Swans
Foto: Susan Moss

Von Zähnen und Schwänen

27. Februar 2024

Schwergewichtige Sounds und debiler Humor – Unterhaltungsmusik 03/24

Das Berliner Trio Zahn schleift, schmirgelt und schiebt in seinen instrumentalen Stücken. Chris Breuer und Nic Stockmann rekrutieren sich aus der Berliner Sludge- und Noise Rock-Band Heads., während Felix Gebhard fast zehn Jahre Sänger und Gitarrist seiner Band Home of the Lame war, seit 2021 ist er Gitarrist und Sänger der reanimierten Muff Potter. Mitunter wird bei Zahn auch gebohrt – vielleicht, weil Gebhard seit 2014 Tour-Keyborder der Einstürzenden Neubauten ist (5.3., 20 Uhr, Bumann & Sohn). Ganze acht Jahre hat es gedauert, bis die Berliner Band Oum Shatt um Chris Imler (Driver & Driver) und Jonas Poppe (Kissogramm), Jörg Wolshina (Der elegante Rest) und John Edward Donatowics alias The Human Elephant nach dem selbstbetitelten Debüt von 2016 ihr zweites Album „Opt Out“ herausgebracht hat. Kein Wunder, spielen doch alle Beteiligten auch in anderen Projekten. Mit Imler am Schlagzeug haben sie einen tollen Drive, der beim neuen Album mehr denn je den leicht orientalischen 60‘s Surf-Sound flankiert. Davor spielen Kara Delik, ebenfalls aus Berlin (6.3., 20 Uhr, Bumann & Sohn).

Die Swans der frühen 80er Jahre klangen, nachdem sie sich von der No Wave freigeschwommen hatten, wie ein 40-Tonner aus der Hölle. Als die Sängerin und Keyborderin Jarboe zu dem um Swans-Gründer Michael Gira kreisenden Projekt stieß, prägten zunehmend ruhigere, atmosphärische Klänge ihre Musik, die bis 1997 wieder zu einer homogenen Wall of Sound anschwoll. Als Gira seine Band 2010 reaktivierte, war Jarboe nicht mehr dabei. Der Sound auf den mitunter überlangen Alben pendelt seitdem zwischen tranceartigen Drones, akustischen Elementen und folkloristischen Momenten. Live trotzdem besser die Ohrstöpsel nicht vergessen (9.3., 20 Uhr, Die Kantine). HGich.T ist ein Künstlerkollektiv aus Hamburg, das Stumpf-Techno aka Gabber bzw. Trance-Techno mit absurdistischen Geschichten im debilen Sprechgesang dekoriert und dazu ziemlich schräge Videos macht. Hätte man 2009 wohl kaum gedacht, dass das Konzept fast 15 Jahre und sieben Alben lang trägt. Mit „Omas deep Thoughts“ gibt‘s aber auch einen aktuellen Hit mit Akustikgitarre und Downbeat. Live gibt es regelmäßig einen Abriss zwischen Schlingensief und Deichkind, nur kranker. Frei nach dem Comiczeichner OL: von Debilen für Debile (23.3., 20 Uhr, Club Volta).

Christian Meyer-Pröpstl

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