In Ostdeutschland zur Zeit des Mauerfalls werden zwei Gehöfte zum Schauplatz eines emotionalen Dramas. Die 19-jährige Maria (beeindruckend: Marlene Burow) lebt bei der Familie ihres Freundes Johannes (Cedric Eich). Sie schwänzt die Schule, liest und spaziert, und während Johannes den Traum eines Fotografie-Studiums verfolgt, beginnt Maria eine Affäre mit Henna, dem Nachbar der Familie – ein alleinstehender Bauer, doppelt so alt wie sie selbst. Emily Atefs („3 Tage in Quiberon“) Verfilmung „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (Filmpalette, Bonner Kinemathek) des gleichnamigen Bestsellers von Daniela Krien lässt den Titel zur Realität werden. Die Dialoge sind kurz, die Kommunikation zwischen den Liebenden verläuft zumeist wortlos. Erzählt wird wenig, gezeigt dafür umso mehr. Der Film spielt durch seine intensive Musik mit Verzögerung und Spannung, meisterhaft wechseln die Schnitte (Cut: Anne Fabini) zwischen Panorama und hautnaher Berührung, aber auch zwischen einer Welt, in der sich nichts zu verändern scheint, die sich jedoch durch den Fall der Mauer im Umbruch befindet. Ein bewegendes Liebesdrama in intensiven Sommerfarben.
Österreich 1927, die Alm in Pinzgau. Eine Bauernfamilie sieht sich in ihrer Armut gezwungen, ihren jüngsten Sohn Franz an einen Großbauern abzugeben. Zehn Jahre später ist Franz (Simon Morzé) volljährig und wird in Salzburg für das Bundesheer rekrutiert. Mitten in den Wirren des Krieges rettet er einen Fuchswelpen und nimmt sich seiner an. Beruhend auf einer wahren Geschichte, erzählt Adrian Goiginger nach „Die beste aller Welten“ erneut die Geschichte eines verlorenen Kindes. Seine emotionale Sehnsucht sieht der entrückte Protagonist hier in Gestalt eines Tieres gesalbt. „Der Fuchs“ (Cinenova, Filmpalette, Weisshaus) ist ein mitreißendes Drama in verdichtetem 4:3 über eine Suche nach Nähe und Geborgenheit mitten im Krieg. Eine andächtige Reise durch brodelnden Schmerz und Momente des Glücks. Tief, berührend und ganz nah am Leben.
Vicky ist ein in sich zurückgezogenes Mädchen, in der Schule wird sie ausgegrenzt, zu Hause experimentiert sie mit schrägen Geruchsproben – denn sie kann besser riechen als irgendjemand sonst. Ihre Mutter Joanne (brillant gespielt von Adèle Exarchopoulos), die in der französischen Kleinstadt in den Bergen als Schwimmlehrerin arbeitet, versinkt in der Monotonie des aus unterdrückten Gefühlen und einer unglücklichen Ehe bestehenden Alltags, der lediglich durch ein Abtauchen ins eiskalte Seewasser unterbrochen wird. Die phantastischen Elemente schleichen sich langsam in die realistisch anmutende Szenerie, über der von Anfang an eine unheimliche Stimmung liegt. Aus der kindlichen Perspektive ist dies umso wirkungsvoller. Bruchstückhafte Einblicke in die Vergangenheit der Figuren machen neugierig auf das, was sich hinter der Fassade der „The Five Devils“ (OmU im OFF Broadway und in den Lichtspielen Kalk) verbirgt, so dass die Spannung bis zum Ende gehalten wird.
Außerdem neu in den Kinos: Makoto Shinkais phantastisches Anime „Suzume“ (OmU im Cinedom, Cinenova, Cineplex, Filmhaus, Lichtspiele Kalk, OFF Broadway, Rex, UCI), Patricio Guzmans spannende Chile-Dokumentation „Mi Pais Imaginario – Land meiner Träume“ (OmU im Filmhaus und in der Bonner Kinemathek), Christian Carions Road-Movie „Im Taxi mit Madeleine“ (Cinenova, Odeon), Elizabeth Banks' gefeierter Splatter-Streifen „Cocaine Bear“ (Cinedom, Cineplex, Rex, UCI) und Martin Bourboulons gelungene Neuverfilmung „Die Drei Musketiere: D’Artagnan“ (Cinedom, Cineplex, Residenz, UCI).
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