Thomas (Vladimir Vulević) ist 40, Kranführer und verheiratet mit Carla (Agathe Bonitzer), die in einem Kindergarten arbeitet. Eines Tages ruft Carla Thomas an: Er findet sie verzweifelt und verstört im Park. Ein Unfall ist passiert. Das Ereignis rüttelt Ungesagtes auf und stürzt das Paar in eine Krise. „Sie lässt die Kamera, die meist still steht, Menschen beobachten, die sich im Restaurant oder einer Küche, an einem See oder in einem Park aufhalten, und gelegentlich ist der Schauplatz noch im Bild, wenn die Protagonisten selbst gar nicht mehr da sind“, schrieb Heiko R. Blum im Jahr 2000 in seiner Rezension zu Angela Schanelecs „Mein langsames Leben“. Beobachtungen, die die Filme der Autorenfilmerin bis heute prägen – und so auch jetzt auf ihr neues, großartiges Drama übertragbar bleiben. Ihr neues Drama „Meine Frau weint“ (Filmpalette) entspricht einer Erweckungsreise: inszenatorisch, für die Charaktere auf der Leinwand, für uns im Kinosessel. Und während die Figuren erwachen, kommt draußen die Sonne durch, eine Marschkapelle im Park treibt uns ein Lachen ins Gesicht, und spätestens die Tanzimpro im Freundeskreis zu Leonard Cohens „Lover Lover Lover“ erwärmt unser Herz mit Zuversicht. Es ist meisterlich, wie es Schanelec gelingt formreduzierte Strenge und lyrische Kraft ins tragikomische Wechselbad zu binden.
Alec (Caolán O‘Gorman) muss früh erwachsen werden: Der in sich gekehrte, zurückhaltende Teenager hilft seinem alleinerziehenden Vater (Andrew Howard) bei der Produktion von Pornos, die dieser bei sich zuhause dreht. Die Rollenverteilung: Alec filmt und schneidet, sein Vater performt. Als Alec für ein Schulprojekt mit seiner Klassenkameradin Nina (Safiya Benaddi) zu Pornosucht recherchieren soll, beginnt er, den Blick seines Vaters auf Sex zu hinterfragen – und gemeinsam mit Nina herauszufinden, was echte Intimität und Nähe bedeuten. D‘Ansembourgs Debüt „Truly Naked“ (Lichtspiele Kalk) kritisiert gekonnt die Pornoindustrie und scheut sich nicht, an Schmerzgrenzen zu gehen. Berührend sind zudem O‘Gormans und Benaddis feinfühlige Darstellungen der beiden Hauptcharaktere.
Angesichts der hierzulande wenig kinoaffinen Fußball-WM und der phänomenalen US-Einspielergbnisse zieht der Universal-Filmverleih den Start von Carry Bakers Horror-Romanze „Obsession - Du sollst mich lieben“ (Cinedom, OFF Broadway, UCI) kurzfristig vor - und präsentiert bis zum offiziellen Startdatum am 25.6. "tägliche Previews".
Alle Neustarts der Woche finden Sie unter: Neu im Kino.
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