Mit „Vaterland“ (Cinedom, Cinenova, Filmpalette, Odeon, Residenz, Rex, UCI, Weisshaus) erzählt der polnische Regisseur Paweł Pawlikowski eine betörend traurige Heimatgeschichte. Erstmals bedient sich der Regisseur dabei historischer Figuren. Thomas Mann (Hanns Zischler) kehrt vier Jahre nach Kriegsende aus dem Exil nach Deutschland zurück, um in Frankfurt am Main den Goethepreis entgegenzunehmen. Begleitet wird er eher pflichtbewusst von seiner Tochter Erika (Sandra Hüller), die sich dabei vor allem nach ihrem geliebten Bruder Klaus (August Diehl) sehnt, der in Frankreich in Verbitterung, Desillusion und Depressionen darbt. Ihr Vater, der sich bereits aus dem Exil unermüdlich mit Widerstandsappellen an das deutsche Volk gewendet hatte, zeigt sich auch jetzt bei seiner Rückkehr standhaft engagiert. Das alles aber interessiert die Menschen, die ihn im Nachkriegsdeutschland empfangen, nicht. Die Reise führt Thomas Mann bis nach Ostdeutschland. Gemeinsam mit seinem Kameramann, seinem Beleuchter, seinen Szenenbildnern arrangiert Pawlikowski dabei meisterlich reduzierte Räume, die Hanns Zischler und Sandra Hüller schlichtweg umwerfend mit Präsenz füllen. Die Arbeit mit Stille und Gesten ist dabei bewährt eine der großen Stärken Pawlikowskis. Wie Łukasz Żal Winkel findet, wie der Regisseur Figuren arrangiert. Wie die Kamera aus der kunstvollen Starre ausbricht, um traumwandlerisch schwebend moosbefallene Skulpturen im Park abzutasten. In Pawlikowskis Kino liegt so viel Kraft. Dass er rund um die verbürgte Reise von Thomas und Erika Mann großzügig fiktionalisiert, tut der Wahrhaftigkeit seines Dramas keinen Abbruch. Im Gegenteil. Pawlikowski dichtet und verdichtet und schafft damit mehr Wahrhaftigkeit als andernorts verbissenes Bemühen um streng historisches Eins zu Eins. Eine Wahrhaftigkeit, die uns emotional erreicht.
Hanns Zischler ist am Dienstag, 1.9. um 20 Uhr zu Gast im Odeon und um 21 Uhr zu Gast im Open Air Kino im Rheinauhafen.
Die Bergarbeitertochter Christy wird Ende der 1980er Jahre eher zufällig Boxerin. Sie verlässt ihre Partnerin, um kurz danach ihren Trainer Jim Martin zu heiraten. Dieser hat eine höchst dominante Art, weswegen Christys Leben trotz beruflicher Erfolge bald zur Hölle wird. David Michôd („The King“) hat in „That’s Why the Lady is a Champ“ (Cinedom, Cineplex, Rex, UCI) die ungewöhnliche Lebensgeschichte Christy Martins nacherzählt, die in den USA Boxen auch unter Frauen populär gemacht hat. Nach einem eher konventionellen Beginn entfaltet das Biopic in der zweiten Hälfte seine wahre Dramatik, die das Publikum dann auch emotional mitnimmt. Von Sydney Sweeney in der Hauptrolle sehr intensiv verkörpert, ist hier am Ende ein empowerndes, queer-feministisches Beziehungsdrama entstanden.
Alle Neustarts der Woche unter: Neu im Kino.
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