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Das brennende Wallhall
Bühnenbild von Max Brückner, 1894

Die Gesellschaft braucht Erlösung

27. September 2018

Über Wagners „Götterdämmerung“ – Opernzeit 10/18

Wagner entwirft den Stoff zu seinem Nibelungenepos im Revolutionsjahr 1848, im Maiaufstand 1849 steht er in Dresden selber auf den Barrikaden und muss ins Exil fliehen. Die germanische Mythologie und der Nibelungenstoff dienen ihm als Chiffre, um politischen Zündstoff auf die Bühne zu bringen, nämlich eine Parabel über die soziale und politische Misere in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit der Wiederentdeckung des mittelhochdeutschen Nibelungenliedes Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Sujet in der Folge zum Nationalepos der deutschen Romantik. In einer Zeit, in der es keinen deutschen Nationalstaat gab, suchte man in literarischen Zeugnissen der Vergangenheit nach nationaler Identifikation. Wagner verbindet Teile des mittelhochdeutschen Textes und der germanischen Edda-Dichtung, um eine deutsche Nationaloper zu schaffen, eine „große Heldenoper“, in der das Scheitern Siegfrieds und sein Tod im Mittelpunkt stehen. Siegfried ist der Hoffnungsträger auf gesellschaftliche Erneuerung, doch wird der naive Held Opfer von Intrigen im Kampf um die Macht und geht als Einzelkämpfer unter.

Der komplexe Handlungsverlauf verlangt nach Vorgeschichten, so dass Wagner drei zusätzliche Stücke verfasst, die der Götterdämmerung voran gehen: „(Der junge) Siegfried“, „Rheingold“ und „Walküre“. Parallel zum Text entstehen kompositorische Skizzen, erst 26 Jahre später ist das Gesamtwerk vollendet. Die zahlreichen Unterbrechungen nehmen großen Einfluss auf Wagners Stil: Zentrale Schriften des Komponisten zur Theorie der Oper entstehen, in denen er radikal mit der Tradition seiner Zeit bricht. Das Wagnersche Musikdrama lässt die griechische Tragödie in ihrer theatralischen Wucht aus dem Geist der Musik neu entstehen, das Orchester übernimmt die Funktion des antiken Chores und kommentiert instrumental das Geschehen. Wagner beabsichtigt eine überwältigende Wirkung mit dem „Kunstwerk der Zukunft“, das eine Katharsis, ein Umdenken auslösen soll.

1876 findet die erste zyklische Aufführung in Bayreuth statt. Wagner ist längst vom frühsozialistischen Revolutionär zum Komponistenfürsten Ludwigs II. aufgestiegen. Dennoch hält er an seinem sozialrevolutionären Konzept fest, am Ende der Götterdämmerung erklingt im Orchesternachspiel eindringlich das Erlösungsmotiv wie ein Appell – eine Gesellschaft ist nur überlebensfähig, wenn sie auf Humanität und Mitmenschlichkeit gründet.

Wo zu sehen in NRW?

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf: 27.10.(P), 1.11., 18.11., 25.11. je 17 Uhr; 2.12. 15 Uhr | 0211 892 52 11

Kerstin Maria Pöhler

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