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Klassischer Gruselcomic
Foto: Birgit Weyhe, Unterm Birnbaum, Carlsen Verlag

Verdrängung nach Verbrechen

29. Mai 2019

Faschismus und anderer Horror – ComicKultur 06/19

Die Geschichte der (Zwangs-)Rekrutierung elsässischer Jugendlicher durch die Nazis im Jahr 1944 ist weithin unbekannt. Philippe Collin und Sébastien Goethals erforschen die Abgründe in ihrer Geschichte „Die Reise des Marcel Grob“: Der 83-jährige Protagonist wird vor ein Gericht gezerrt, um sich zu verteidigen. Er soll mit 17 Jahren freiwillig in die SS eingetreten und an Gräueltaten beteiligt gewesen sein. Der Comic erzählt auf zwei Zeitebenen die erschreckende Geschichte von Verbrechen und Verdrängung (Splitter).

Nach dem wahren Grauen genießt man den fantastischen Schauder viel leichter: Die kleine Carlsen-Reihe mit Adaptionen von Schauergeschichten geht in die nächste Runde: Barbara Yelin hat sich „Das Wassergespenst von Harrowby Hall“ vonJohn Kendrick Bangs vorgenommen, und erzählt von dem zu Heiligabend wiederkehrenden Schlossgespenst in schwarz-weißen Bleichstiftzeichnungen, in denen nur das Gespenst blau tröpfelt und fließt. Ein Update der Story hat sie für den Schluss parat.Theodor Fontanes „Unterm Birnbaum“ wird vonBirgit Weyhe in starken Schwarz-weiß-Kontrasten mit folkloristischem Touch bearbeitet.

Mit „Der Weg nach Armilia“ wird ein früher Teil aus dem Kosmos „Die geheimnisvollen Städte“ des Künstlerduos Schuiten & Peeters aus dem Jahr 1988 wiederveröffentlicht. Eine Zeppelinreise zu einer vom Untergang bedrohten Stadt erzählen sie separat in Text und Bild. Die Architekturfantasien sind auch hier schon faszinierend. Als Zugabe gibt es eine Kinderversion von „Mary“ und „La Perla“ von 1995 sowie Schuitens Bildergeschichte „Mondpferde“ von 2004 (Schreiber&Leser).

Pünktlich zum Serienstart der Verfilmung auf Netflix erscheint auch eine Neuauflage von „The Umbrella Academy“ von Gerard Way, auch bekannt als Musiker, und Gabriel Bá. Die ersten beiden Bände „Die Weltuntergangssuite“ und „Dallas“ aus dem Jahr 2008 erzählen spielerisch und humorvoll, aber trotzdem actionreich von geheimnisvollen Adoptivkindern mit Superkräften, die die Welt vor der Zerstörung durch Musik retten, aber vor allem mit ihren eigenen Problemen klar kommen müssen. Ein turbulentes, kunterbuntes Spektakel, das nach langer Pause gerade in die dritte Runde geht (Cross Cult).

Christian Meyer-Pröpstl

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