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Schön brutal: Frank Miller feiert mit „Xerxes“ den Heroismus
Foto: Cross Cult

Große Schlachten und Alltagskampf

24. April 2019

Superhelden – früher und heute – ComicKultur 05/19

Der Kanadier Jeff Lemire wandelt souverän zwischen Autorencomic und Mainstream. „Black Hammer“ erzählt von Superhelden, die nach dem finalen Gefecht gegen das Böse in einer Parallelwelt gelandet sind. Auf einer Farm in einer Kleinstadt im Nirgendwo leben sie Alltag. Für immer, denn weg können sie nicht. Im dritten Band „Age of Doom – Buch 1“ geht es allerdings ganz wörtlich hinab in die Hölle! Eine fantastische Reihe (Splitter).

Mit Superhelden kennt sich auch Frank Miller aus. Mit seinem ambivalenten Batman in „The Dark Knight Returns“ hat er das Genre modernisiert und an seine Abgründe geführt. Superhelden und Abgründe interessieren ihn auch bei seinen historischen Stoffen – „300“ über die Schlacht bei den Thermopylen der Spartaner oder nun „Xerxes“ über die Perserkriege des Großkönigs. Millers Hang zum Heroismus ist durchaus fragwürdig (er orientiert sich lieber an Legenden statt an Geschichtsschreibung), wird aber auch im neuen Band von einer Stilisierung unterstrichen (Xerxes strahlt wie eine diamantbesetzte Skulptur), die trotz (oder wegen) der ungeschönten Brutalität faszinierend ist (Cross Cult).

Die Polin Daria Bogdanska erzählt in ihrer autobiografischen Graphic Novel „Von unten“ von ihren Erlebnissen als Kunststudentin in Schweden. Was eine inspirierende Studienzeit werden sollte, wird zur großen Herausforderung, weil sie keine Arbeitserlaubnis erhält und bald in den Irrungen der Bürokratie landet. Daher muss sie illegal jobben und erlebt nun auch die radikale Ausbeutung von Migranten. In groben Schwarzweiß-Zeichnungen erzählt sie vom selbstverständlichen Austausch junger Menschen in Europa und dessen bürokratischen Grenzen.

Katharina Greve widmet sich in „Die dicke Prinzessin Petronia“ mit trockenem Humor dem schwarzen Schaf der Familie des kleinen Prinzen. Dessen Cousine ist so ziemlich das Gegenteil von Saint-Exupérys smartem Liebling: Trotzig, übellaunig und weder weise noch poetisch. Sie hat einen winzigen Planeten abbekommen, auf dem sie kaum stehen kann und ist mit ihrem Dasein zu Recht unzufrieden. Die einseitigen Strips erscheinen seit 2015 in der Zeitschrift „Das Magazin“ und liegen nun als Sammlung im Buchformat vor (beide avant verlag).

Christian Meyer-Pröpstl

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