Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 1 2 3 4

12.071 Beiträge zu
3.529 Filmen im Forum

Eintagsfliege 2. Auflage: Dystopie & Utopie im Bunker k101
Foto: © Alberto Zellner / Montell Taraschewski

Zwischen System und Chaos

06. Februar 2018

Bunker k101: Das kurze Leben der Eintagsfliege – Kunst 02/18

Diskontinuierlich, nahezu fragmentarisch gestaltete sich die Erkundung des Bunkers in der Körnerstraße am vergangenen Wochenende. Ein Raumplan half zwar bei der Zuordnung der 22 Werke, doch klare Orientierung konnte auch dieser nicht verschaffen. Das Event ließ sich nur auf subjektiven Routen erschließen, passend zu dem bis zuletzt geheim gehaltenen Thema System und Chaos, Dystopie und Utopie. Auf ebendiese offene Spannweite wurde auch in der Auswahl der Ausstellungsstücke Wert gelegt. Videoprojektion reihte sich an Klanginstallation, Gemälde an Fotografie, Skulptur an Performatives. Darüber hinaus gab es ein Kurzfilmprogramm zu sehen und des Abends Livemusik auf die Ohren.


Foto: © Alberto Zellner / Montell Taraschewski

Die Idee der Eintagsfliege, eines studentischen Kunstkollektivs, im Kernteam bestehend aus den KuratorInnen Karen Druebert, Lisa James, Jakob Sponholz, Lina Weber und Sebastian Wenzgol, ist dabei stets, dass „die Arbeiten mit dem Raum getränkt sind“. In dieser unüblichen, man könnte fast sagen umgekehrten Herangehensweise, wird somit zuerst ein Ort ausgewählt, der durch seine Besonderheiten ein Thema vorgibt. Dabei sollte das Thema gleichermaßen eine Blickrichtung geben, wie Spielraum lassen. Petra Bossinger, Vorsitzende des Bunkers, ermutigte dazu den jungen Kunstverein: „Der Bunker wird euch schon sagen, was zu tun ist.“ Durch den Denkmalschutz, die durchwachsene Geschichte und nicht zuletzt die aufgebrochene Architektur des Ausstellungsortes entstand also die Vision einer Ausstellung, die Hoffnungsvolles und Abgründiges auf einer Projektionsfläche vereint. Und dabei sind natürlich gleichsam die veränderten Wahrnehmungs- und Handlungsmuster, die die Virtualität als neue Realität mit sich bringt, nicht wegzudenken.

Karen Druebert wirft dazu die Frage auf, inwieweit die dargestellten Utopien/Dystopien realisierbar seien und ob digitale Wirklichkeiten einen Realitätsanspruch hätten. In diesem Raum zwischen möglich/unmöglich, Alptraum/Alltag bewegte sich hier alles. Und die Besucher bewegten sich mit – ohne roten Faden durch ein System, das durch Reizüberflutung eine collagenhafte Wahrnehmung erzeugte, die selbst zum Glanzstück der Ausstellung wurde.


Sebastian Wenzgol, Jakob Sponholz, Lina Weber, Karen Druebert und Lisa James
Foto: © Alberto Zellner / Montell Taraschewski

Tatsächlich fiel beim Streunern durch die Räume, dem puren Befolgen von Impulsen, auf, dass den meisten der ausgestellten Werke der dystopische Charakter anhing. Ein Facebook-Algorithmus legte die fehlgeleiteten Interessen der Webgemeinschaft offen, die sich mehr für #foodporn zu interessieren scheint, als für Feminismus. In dem Videoloop „Weiße Flecken“ konnte man in postapokalyptische Landschaften versinken, Ei-Tempera Leinwände zeigten Szenen politischen Aktionismus. Überall Splitter, Schnipsel, Fetzen und Schatten. Einer der Kuratoren, Jakob Sponholz, erklärt sich den düsteren Ton der eingereichten Arbeiten mit der aktuellen Weltlage: „Wir werden dauernd mit Hiobsbotschaften bombardiert, deswegen erfordert es wahnsinnig viel freies Denken, um Utopien zu erschaffen.“

Doch egal ob repräsentierte Dystopie oder Utopie – letztendlich ging es darum alternative Gesellschaftsformen zu erschaffen und spielerisch, eben künstlerisch, auszuprobieren. Zumindest jedes halbe Jahr intendiert dies die Eintagsfliege. Die Mission dabei lautet: Unberechenbar bleiben, uminterpretieren und flashen!

Info: tagsfliege.de

Nele Beckmann

Neue Kinofilme

Black Panther

Lesen Sie dazu auch:

Kreatives Experiment
Geselligkeit trifft Kunst: ArtNight im HEARTbeat – Kunst 02/18

Botschaft und Effekt
Jan Böhmermanns „Deuscthland“ im Düsseldorfer NRW-Forum – Kunst 01/18

Zuhause ist es am schönsten
Steff Adams’ Sammelausstellung in ihrer Wohnung – Kunst 11/17

Der mediale Mythos Kennedy
John F. Kennedy in der Universitäts- und Stadtbibliothek – Kunst 11/17

Wenn der Nebel was dichtet
Videoinstallation „Agens“ im Kunstraum Fuhrwerkswaage – Kunst 11/17

Zusammen ist man weniger allein
Ausstellung „72-Stunden“ im bunker k101 in Ehrenfeld – Kunst 11/17

Mitten im Spannungsfeld
Aktuelle Ausstellungen in den Ebertplatzpassagen – Kunst 11/17

Kunst.