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Catherine Meurisse erkundet „Weites Land“
Foto: Carlsen

Weites Leben

05. April 2019

Autobiografie, erfundene Historie und bissige Satire – ComicKultur 04/19

Catherine Meurisse hat als Mitarbeiterin von Charlie Hebdo den islamistischen Terroranschlag überlebt, doch das Trauma saß danach tief. Ihren Weg zurück ins Leben hat sie in ihrem Comic „Die Leichtigkeit“ verarbeitet. Mit „Weites Land“ blickt sie nun in weiteren Kreisen auf ihre Kindheit auf dem Land und wie später die Kultur in ihr Leben trat und neben der Natur eine lebensnotwendige Rolle einnahm. Wunderschöne Bilder, die das Leben feiern, ohne dessen Schattenseiten auszublenden (Carlsen).

Bei Gefallen auch mehr“ von Dominique Goblet und Kai Pfeiffer erzählt in groben Zügen vom Auseinanderfallen einer Familie. Der Polizist hat berufliche Probleme, die Frau sucht per Kontaktanzeige neue Männer, aber vor allem, damit sie der neurotischen Tochter ein Schwimmbad bauen. Die Umsetzung der Geschichte schwankt immer wieder zwischen konkreteren, wenn auch surrealen Storyelementen und komplett abstrakten Bildern, die Gefühlsmomente zwischen Verzweiflung und Manie einfangen oder umkreisen. Schwere Kost, schön anzuschauen (Avant Verlag).

Ein kleiner Schritt für die Menschheit“ ist nach „Tobisch“ Joachim Brandenbergs zweite Graphic Novel und wieder geht es mit künstlerischer Freiheit in die Historie. Venedig im Jahr 1325: Drei Gelehrte machen sich auf, den Ort zu finden, wo der Mond aus der Erde hervorkommt, um dann schnell drauf zu springen. Oder so ähnlich …  Tatsächlich klappt das dann natürlich nicht, zumindest nicht in echt. Brandenbergs stilisierte Zeichnungen passen zu der artifiziellen Geschichte, die immer mehr abdriftet. Eine schöne Parabel über den Glauben, der Berge versetzen kann (JaJa! Verlag).

Der Berliner Verlag Reprodukt veröffentlicht mit „America“ bereits den fünften Band seiner thematisch gebündelten Robert Crumb-Serie. „America“ versammelt Arbeiten aus den Jahren 1969 bis 1993, die Crumbs schonungslosen Blick auf seine alte Heimat – seit Mitte der 90er Jahre lebt er in Frankreich – offenbaren: Fetisch Auto, Militarismus, Hippietum und dessen Entgleisungen durch Manson. U.a. zwanzig Jahre alte und noch ältere Strips über Verschwörungstheorien bzgl. der Weltmacht der Juden oder die „Einwanderungsschwemme“ der Lateinamerikaner sind leider wieder aktuell wie lange nicht. Aber so bösartig wie Crumb ist immer noch keiner (Reprodukt).

Christian Meyer-Pröpstl

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