Ein waschechtes Biopic ist es nicht geworden. „Marty Supreme“ (Cinedom, Cinenova, Cineplex, Lichtspiele Kalk, Odeon, OFF Broadway, Residenz, Rex, UCI) ist nur lose an das Leben des amerikanischen Tischtennisspielers Marty Reisman (1930-2012) angelehnt, der von 1948 bis 1967 an sieben Weltmeisterschaften teilnahm und fünfmal Bronze gewann. Mit seinem Alter Ego im Film verbindet ihn einzig sein Hang zu undurchsichtigen Geschäften und Schaukämpfen, die der Film genüsslich ausschlachtet. In Kneipen spielt Marty bei illegalen Tischtennisturnieren um Geld, um seine Reise zu den English Open zu finanzieren. In London angekommen, drängt er sich dem alternden Hollywood Star Kay Stone auf und verführt sie – nicht ohne ihr die Halskette zu stehlen. Die erweist sich aber als Modeschmuck. Kays Mann Milton, ein reicher Industrieller, dagegen als Volltreffer. Der ahnt die finanziellen Gewinne mit der aufstrebenden Sportart Tischtennis und sponsert Marty. Was sich auf den ersten Blick wie das Porträt eines New Yorker Kleinganoven anhört, entpuppt sich bald als energetisch inszenierter Mix aus überdrehter Komödie, Film noir, Sex und absurder Gewalt à la Tarantino (Drehbuch: Safdie, Roland Bronstein). Vorangetrieben wird das Ganze von einem wie entfesselt aufspielenden Hauptdarsteller: Timothée Chalamet spielt eines jener Arschlöcher, denen man im Kino eigentlich ungerne zusieht. Aber er füllt diese arrogante Figur mit so viel Charisma, dass man ihm fast alles verzeiht. So fliegt einem dieser Film bis zum etwas moralinsauren Schluss (oder ist das blanke Ironie?) wie die Tennisbälle bei den brillant gefilmten Turnieren (Kamera: Darius Khondji) nur so um Augen und Ohren.
„Geschwisterpaare“ hätte Jim Jarmuschs nachdenklicher Film „Father Mother Sister Brother“ (Filmpalette, OFF Broadway, Weisshaus) auch heißen können. Drei Geschwisterpaare an drei Orten besuchen ihre Eltern: In einem Kaff in den USA lebt der alternde Vater (Tom Waits) von Emily und Jeff (Adam Driver) in einem baufälligen Haus. Tim (Vicky Krieps) und Lilith (Cate Blanchett) besuchen ihre adrette Mutter (Charlotte Rampling) zum Tee in ihrem schicken Haus in Dublin. In Paris überlegen die Zwillinge Skye und Billy in der elterlichen Wohnung, was sie mit dem Nachlass der kürzlich verunglückten Eltern anstellen sollen. Die verbindende Frage ist, wie erwachsene Kinder mit ihren Elternbeziehungen, Schuldgefühlen, kindlichen Traumata und Familiengeschichten umgehen. Jarmusch erzählt unspektakulär, dafür umso eindringlicher von einem Thema, das uns alle irgendwann beschäftigt.
Außerdem neu in den Kinos: das Emanzipations- und Familiendrama „Crocodile Tears“ (Filmhaus, Bonner Kinemathek) von Tumpal Tampubolon, das Mutterdrama „Friedas Fall“ von Maria Brendle, die Oldie-Komödie „Ein fast perfekter Antrag“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Marc Rothemund, die Elvis-Doku „EPiC: Elvis Presley in Concert“ (Cinedom, Cineplex, Residenz, UCI, Weisshaus) von Baz Luhrmann und das nächste Horror-Sequel „Scream 7“ (Cinedom, Cineplex, Rex, UCI) von Kevin Williamson.
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