Ein Weltstar-Cellist soll ein Kammerorchester in der Heimat retten. In den deutschen Feuilletons ist das bundesweite Zusammenstreichen kultureller Fördermittel gerade ein viel diskutiertes Thema. Dass das deutsche Kino dieses Sujet aufgreift, wagt man nicht einmal zu träumen – schon gar nicht als Komödie. Da muss man schon ins kleine, aber feine Filmland Island blicken, in dem schwarzer Humor, gepaart mit beißender Gesellschaftskritik, Tradition hat. So begegnen wir in „Der letzte Takt“ (Cinenova, Filmpalette, Bonner Kinemathek) von Sigurjón Kjartansson einem Musikkritiker, der Abba und Mozart nicht auseinanderhalten kann, und einem begnadeten Cellisten, der alles begrabscht, was sich bewegt. Doch da kommt eine verschluckte Pflaume seinen Opfern zu Hilfe – und die Vorbereitungen für das zur Rettung eines kleinen Ensembles geplante Konzert nehmen plötzlich eine unerwartete Wendung. Eine Geschichte der makabren, aber äußerst unterhaltsamen Art.
Keiner hat Marseille so oft und so liebevoll gefilmt wie Robert Guédiguian. Er machte seine Heimat- und Geburtsstadt durch seine Geschichten berühmt als proletarische Stadt mit ganz und gar sympathischen Bewohnern, bei denen man sich am liebsten mit an den gedeckten Tisch setzen möchte. In seinen Filmen trifft man auf alte Bekannte, so auch in seinem neuesten Film „Das Fest geht weiter!“ (Cinenova, Odeon), der sich tatsächlich wie eine Fortsetzung anfühlt. Ariane Ascaride, diesmal in der Rolle einer engagierten Krankenschwester, kennt man bereits aus „Marius et Jeannette“ und „Gloria Mundi“, erneut spielt sie mit Jean-Pierre Darroussin, Buchhändler im Müßiggang. Sie verliebt sich in ihn, weicht so ihrer Angst vor dem Ruhestand aus. Ja, das ist sozialromantisch, aber keineswegs kitschig: Ein Blick direkt ins Herz der Menschen.
Außerdem neu in den Kinos: die spannenden Doku „Der Helsinki Effekt“ (Odeon, am 14.7. mit Produzent Stefan Kloos) von Arthur Franck, „An Hour from the Middle of Nowhere“ (Filmhaus) von Ole Elfenkaemper und Kathrin Seward und „Trotz alledem“ von Robert Krieg. Dazu starten die Actionkomödie „Guns Up“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Edward Drake und das Jugendabenteuer „Drachenzähmen leicht gemacht“ (Cinedom, Cineplex, Rex, UCI) von Dean DeBlois.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Stille Hochkaräter
2. Even Flow Festival am Tanzbrunnen – Festival 06/26
Für die ganze Familie
Kostenloses Open-Air-Programm beim „Sommer Köln 2026“ – Prolog 06/26
Der Film der Träume
Die Filmstarts der Woche
Schule mit Herz und Humor
„Shrimpie und ich“ von Moni Port und Claudia Weikert – Vorlesung 06/26
Oppositionelle in der DDR
„Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung“ im Filmhaus – Foyer 06/26
Die eigene Karte als Kompass
„Ich mal mir meine Welt“ von Nicola Davies – Vorlesung 06/26
Emotionaler Kraftakt
„Il Trovatore“ an der Düsseldorfer Rheinoper – Oper in NRW 06/26
Die Skyline im Blick
Benjamin Schmid in Düsseldorf – Klassik am Rhein 06/26
Liebe ohne Chancen
„Tancredi“ als queeres Drama an der Kölner Oper – Oper in NRW 06/26
Skulpturen vom Menschen
Louise Stomps im Kollwitz Museum – kunst & gut 06/26
Zwischen Erinnerung und Widerspruch
Lesestunde zu Christa Wolf im Buchladen Sülzburgstraße – Literatur 06/26
Klangschlacht
„Verdi Requiem“ an der Essener Philharmonie – Klassik an der Ruhr 06/26
Entspannt unterwegs
Teil 1: Lokale Initiativen – Köln: KVB-Kampagne für mehr Freundlichkeit
Kalter Krieg im Ruhrpott
„Weiße Westen, schwarze Nächte“ von Sabine Hofmann – Literatur 06/26
Kant war lowkey deep
Career Offboarding Experience: Abschied von der Komplexität – Glosse
Urbaner Sound
Kuu! in der Wuppertaler Insel – Improvisierte Musik in NRW 06/26
Mitten im Leben
„Lebensräume“ in der Photographischen Sammlung in Köln – Kunst in NRW 06/26
„Heute sind die Menschen eher bei sich“
Teil 1: Interview – Kommunikationspsychologin Christine Flaßbeck über Sprache im Wandel
Zäher Überlebenswille
Silke Z über mögliche Fördermittel für Kölns Tanzszene – Tanz in NRW 06/26
Öffentlichkeit muss man lernen
Medienbildung als demokratische Aufgabe – Europa-Vorbild Frankreich
„Höchste Qualität nach Köln holen“
Intendant Hein Mulders über den Umzug der Oper in das Haus am Offenbachplatz – Interview 06/26
Berd-Eeren für alle
„Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“ am Theater der Keller – Auftritt 06/26
Lockendes Spiel
„Leichter Wahnsinn“ von Emy Koopman – Textwelten 06/26
Einmalig in der deutschen Filmszene
„Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ im Weisshaus – Foyer 06/26
Der Wert des Lebens
Holgers letzte Worte – 06/26