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Emy Koopman
Foto (Ausschnitt): Johannes von Engelhardt

Lockendes Spiel

28. Mai 2026

„Leichter Wahnsinn“ von Emy Koopman – Textwelten 06/26

Das Hotel ist überbucht. Deshalb müssen sich die niederländische Journalistin Emy, die in Quebec einen Dokumentarfilm dreht, und ihr kanadischer Kollege A. ein Doppelzimmer teilen. Emy wäre nicht abgeneigt, wenn zwischen den beiden etwas passieren würde. Dazu kommt es aber nicht. Als sie jedoch einige Zeit später wieder in Rotterdam ist, entwickelt sich ein Mailverkehr, der Emys Sehnsucht so richtig anzuheizen beginnt.

Eine zweite Chance eröffnet sich, denn Emy muss für eine Recherche wieder nach Montreal reisen, diesmal gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Johannes. Man wird sich treffen und dann wird auch Charlotte, die mit A. zusammenlebt, dabei sein. Die 40-jährige Niederländerin Emy Koopman teilt mit ihrer Protagonistin gleiches Alter und gleichen Lebenshintergrund. „Leichter Wahnsinn“ bezeichnet das weibliche Begehren, das unablässig in Emy glimmt, da sich der Mann, auf den sich ihr Verlangen richtet, immer wieder zu entziehen versteht. So werden die Nachrichten, die er ihr sendet, von Emy stets nach möglichen Botschaften und vermuteten Gefühlen untersucht. Was wird aus den beiden werden, kommen sie zusammen? Emy Koopman hält die Antwort in der Schwebe, denn zum eigentlichen Gegenstand ihrer Geschichte wird das Nachdenken über die Liebe und die Rollen, die Männer und Frauen trotz aller Genderdebatten noch einnehmen.

Der Roman besteht aus dem Dialog, den Emy mit sich selbst führt. Und der liest sich wie ein faszinierender Essay, in dem Koopman einen Gedankenaustausch mit Geistesgrößen wie Toni Morrison, Simone de Beauvoir, Jacques Lacan oder Milan Kundera führt. Wie ist das mit dem Begehren, wann wird es zur Liebe und welche Spuren hinterlässt es in der eigenen Psyche, wenn es unerwidert bliebt? Zugleich begleiten Emy Skrupel bei der Frage, wie die Intimität mit einem anderen Menschen in der Paarbeziehung kommuniziert werden kann. Koopman macht sich keine Illusionen über die Relikte traditioneller Geschlechterrollen, zorniger Feminismus ist ihr nicht fremd. Auch deshalb will man den Roman nicht aus der Hand legen, dazu überrascht er einfach zu oft mit erfrischenden Perspektivwechseln auf das lockende Spiel zwischen Männern und Frauen.

Emy Koopman: Leichter Wahnsinn | Weissbooks | 496 S. | 28 Euro

Thomas Linden

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