Ein nicht mehr so junger, leicht neurotischer, schwuler Romanautor (James McArdle) erhält die Chance, für sein neues Buch eine PR-Tournee durch die USA zu machen. Doch er muss sich um seine alte Mutter kümmern, die einen Schlaganfall erlitten hat. Während er verzweifelt nach einer Betreuungslösung sucht, parken seine schwulen Freunde ihre Mütter bei ihm, um selbst nach Gran Canaria zur Gay Pride zu fliegen. Darren Thorntons Komödie „Vier Mütter für Edward“ (Cinenova, Filmpalette, Odeon, Weisshaus) gewinnt richtig an Schwung, wenn er sich mit der Dynamik zwischen den vier Frauen beschäftigt, die Edward mit Cateringwünschen und unaufhörlichem Gezänk auf die Nerven gehen. Zwischen den Lachern platziert Thornton in seiner Version von Gianni Di Gregorios „Das Festmahl im August“ eine gute Portion Gesellschaftskritik. Auf dem London Film Festival 2024 gewann der Film den Publikumspreis.
Die Schulklasse sprintet bereits im Gleichschritt durch die Turnhalle, da macht Simon (Leo-Konrad Kuhn) im Flur kehrt und geht. Sein Weg führt den 17-Jährigen, flankiert von grauem Beton, zur S-Bahn-Haltestelle. Der Zug bringt ihn nach Hause in die bürgerliche Vorstadtsiedlung. Dort folgt er kurzentschlossen seinem gleichaltrigen Nachbarn Enes zum Ausflug am Fluss mit Freunden. Die Jugendlichen dort chillen, spielen Karten und Backgammon, manche knutschen. Dann taucht Marie (Alva Schäfer) auf. Simon folgt einem Impuls und zieht mit ihr los, das Ufer entlang. Das Regiedebut „Der Fleck“ (Filmhaus) von Willy Hans ist so wunderschön wie verstörend. Ein transzendentaler, hypnotischer Trip wechselnder Perspektiven und Ebenen. Aufregend, sinnlich, anregend.
Seit der Trennung von seiner Co-Sängerin und Partnerin Mortimer (Carey Mulligan) vor neun Jahren, läuft es kreativ nicht mehr so gut für den abgebrannten Folkmusiker Herb (Tom Basden). Als er von einem liebenswert verschrobenen Lottogewinner (Tim Key) zum Privatkonzert auf der abgelegenen Wallis Island engagiert wird, meldet sich bei Herb schon bald der Fluchtreflex. Bis in die Musikstücke erscheint das vergnügliche komödiantische Drama „The Ballad of Wallis Island“ (Cinenova, Odeon, OFF Broadway) erst einmal recht schablonenhaft. Andererseits kommt nicht alles, wie man denkt, und ein sympathischer Selbstläufer wie dieser muss auch erst mal am Laufen gehalten werden. Am Ende punkten neben dem idyllisch verorteten Setting die gut aufgelegten Darsteller:innen, Dialog und britischer Witz.
Außerdem neu in den Kinos: die Dokumentationen „Dreaming Dogs“ (Filmpalette) von Elsa Kremser und Levin Peter und „Sep Ruf – Architekt der Moderne“ (Filmhaus) von Johann Betz, das Superhelden-Reboot „Superman“ (Cinedom, Cineplex, Residenz, Rex, UCI) von James Gunn und das Flucht-Drama „Homestead“ (Cinedom, UCI) von Ben Smallbone.
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