Der neue Film des deutschen Regisseurs İlker Çatak hat dieses Jahr bei der Berlinale den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Wettbewerbs, gewonnen. Ein verdienter Gewinn, denn Çatak zeigt in „Gelbe Briefe“ (Cinenova, Filmpalette, Odeon, OFF Broadway, Weisshaus) eindrücklich, wie eigene Überzeugungen plötzlich zur Bedrohung von Sicherheit und Freiheit werden können. Derya (Özgü Namal) und Aziz (Tansu Biçer) sind ein gefeiertes Künstlerehepaar aus Ankara, gemeinsam machen sie Theater: Derya auf der Bühne, Aziz als Autor. Doch als Derya einen hochrangigen Politiker bei einer Premiere ignoriert, geraten sie plötzlich wegen ihrer regelmäßigen Systemkritik unter Druck. Nachdem beide ihren Job verlieren und gegen Aziz sogar Anklage erhoben wird, ziehen sie notgedrungen mit ihrer 13-jährigen Tochter Ezgi (Leyla Smyrna Cabas) nach Istanbul zu Azizs Mutter. Dort ringen sie um ein selbstbestimmtes Leben in einem autoritären System, um ihre Beziehung zueinander und ihre Werte. Namal und Biçer spielen Deryas und Azizs Verzweiflung und widersprüchliche Emotionen berührend und glaubhaft. Zudem vermittelt das rasante Tempo des Films den Druck, dem die ganze Familie ausgesetzt ist. So entsteht ein atemloses Drama über Demokratie, Macht, Freiheit und Kunst – und darüber, was wir bereit sind, für unsere Werte zu opfern.
Fünf minderjährige Mütter finden Unterkunft und Hilfe in einem Unterstützungsheim für Mütter. Ihre Jugend ist verloren, allesamt müssen sie, bei problematischem familiären Umfeld und fehlender Reife, viel zu früh existenzielle Entscheidungen treffen. Jean-Pierre und Luc Dardenne („Das Kind“) vereinen für ihr ungemein intensives Sozialdrama „Jeunes Mères – Junge Mütter“ (Odeon, Bonner Kinemathek) überzeugende Nachwuchsdarstellerinnen vor der Kamera. Eine authentischer filmischer Schleudergang, in dem die jungen gebrannten Mütter zwischen Verzweiflung und zaghafter Zuversicht im privaten Umfeld Egoismus und Verweigerung erleiden, zugleich aber auch, vor allem untereinander, Trost und Empathie erfahren. Szenen einer aufwühlenden Irrfahrt, auf der das Kind Bürde und Anker zugleich ist und die Institution zur Oase wird.
Außerdem neu in den Kinos: das Missbrauchdrama „The Chronology of Water“ (Filmpalette, Odeon) von Kristen Stewart, die Filmemacherinnen-Doku „No Mercy“ (Filmhaus, am 5.3. mit der Regisseurin Isa Willinger), die nächste Clavier-Komödie „Monsieur Robert kennt kein Pardon“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Pierre-François Martin-Laval, das deftige Remake „The Bride! – Es lebe die Braut“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Maggie Gyllenhaal und der nächste Pixar-Geniestreich „Hoppers“ (Cinedom, Cineplex, Metropolis, Rex, UCI) von Daniel Chong.
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