Das Auge und das Bewusstsein müssen sich erst auf diesen langsamen, in Blau- und Schwarztönen gehaltenen Film einstellen. Er beginnt in völliger Dunkelheit. Allmählich schält sich eine Szenerie „im Herzen der Erde“, so der Originaltitel, heraus; zwei Kohle-Bergarbeiter sitzen unter Tage und erzählen sich ihre Träume. In stiller Poesie und in tiefschürfenden 16-mm-Bildern entfaltet sich die Liebesgeschichte zwischen „Viet und Nam“ (OFF Broadway), Allegorien der geschundenen Seele des asiatischen Landes. Auf einer Reise, die sie quer durch das Land führt, suchen sie den im Krieg verschollenen Vater von Nam. Der von der Zensur verbotene Film zeigt das harte Schicksal der mittellosen Arbeiter zu Beginn des Jahrtausends und erzählt von den Wunden der Vergangenheit. Ein zärtliches Porträt von einem Land ohne Hoffnung.
Caroline Wahls „22 Bahnen“ (Cinedom, Cinenova, Cineplex, Metropolis, Rex, UCI, Weisshaus) wurde 2023 zum Bestseller. Gut zwei Jahre später startet jetzt die Verfilmung unter der Regie von Mia Maariel Meyer. Tilda (grandios: Luna Wedler) befindet sich in einer schwierigen Situation: Weil ihre alleinerziehende Mutter (Laura Tonke) trinkt, muss sie als Ersatzmama für ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier) einspringen. Um den ganzen Frust abzulassen, der sich in ihr aufstaut, schwimmt sie regelmäßig 22 Bahnen im Freibad – meistens in Begleitung von Ida. Als ihr einer ihrer Dozenten die Bewerbung auf eine Promotionsstelle in Berlin nahelegt, blitzt plötzlich eine neue Zukunft vor Tilda auf – die sie jedoch zugleich in ein moralisches Dilemma bringt: Kann sie Ida alleine mit ihrer Mutter zurücklassen? Außerdem gibt es da noch Viktor (Jannis Niewöhner), dem Tilda im Freibad begegnet und mit dessen Bruder sie befreundet war. Meyer weicht mit ihrer Adaption (Drehbuch: Elena Hell) nur in Nuancen von der Romanvorlage ab. Getragen wird der Film hauptsächlich vom grandiosen Spiel von Luna Wedler. Während die Romanvorlage trotz all der schweren Themen von einer gewissen Leichtigkeit und Ironie geprägt war, ist die Adaption insgesamt etwas ernster und schwermütiger.
Außerdem neu in den Kinos: die Hanau-Doku „Das deutsche Volk“ (Filmpalette, Odeon) von Marcin Wierzchowski, das humorvolle SF-Drama „U Are the Universe“ (OFF Broadway) von Pavlo Ostrikov, die Band-Doku „Kreator – Hate & Hope“ (Cinedom, Cinenova, UCI) von Cordula Kablitz-Post, das Horror-Sequel „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Michael Chaves und das Animationsabenteuer „Tafiti – Ab durch die Wüste“ (Cinedom, Cineplex, Odeon, UCI) von Nina Wels.
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