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Umwelt- und Sozialschäden: „Wir gehören dem Land“ von Joe Sacco

Schattenseiten des Ruhms

05. August 2020

Exzessive Künstlerleben, Umweltstars und Raubbau aller Orte – ComicKultur 08/20

Lukas Jüliger ist einer der spannendsten Newcomer in der deutschsprachigen Comicszene. Mit seinem Debüt „Vakuum“ hatte er einen magischen Realismus entfaltet, den er in „Berenice“, seinem Beitrag zu der „Die Unheimlichen“-Reihe fortgesetzt hat. Und auch in seinem neuen Werk „Unfollow“ verbindet er Gegenwartsthemen mit Mythen und Legenden und wandelt zwischen Realismus und Fantastik: Eartboi ist so eine Art Greta: Tief verbunden mit der Natur entfacht er eine weltweite Bewegung, die er als nachhaltiger und spiritueller Waldbewohner per Social Media mit seinen Anhängern begründet. Schließlich lernt er Yu kennen, mit der er sich wunderbar ergänzt. Die virtuelle Community soll nun in eine reale Gemeinschaft an einen echten Ort überführt werden. Jüliger spürt aktuellen sozialen Strömungen innerhalb jüngerer Generationen nach, erzählt aber auch allgemein von Idealismus, Gefolgschaft und den Problemen, die Ruhm auslösen kann (Reprodukt).

Ein kurzes extremes Leben lebte der Künstler Jean-Michel Basquiat. Julian Voloj und Soren Mosdal lassen es in „Basquiat“ als einen surrealen Trip, genauer als seinen letzten tödlichen Trip im Jahr 1988, ebenso schnell Revue passieren: Mit 15 reißt er von zuhause aus und landet pünktlich zur Entstehung von Punk, New Wave und Hip-Hop in der Lower East Side. Dort wird er Anfang der 80er Jahre neben Keith Haring als Graffiti-Artist entdeckt und später von Warhol protegiert – den Ruhm verkraftet er nicht. Der Comic hakt seine Stationen mitunter etwas schnell ab, fängt aber sowohl den Exzess seines Lebens als auch die Expressivität seiner Kunst in ähnlichem Zeichenstil ein und streift die BlackLivesMatter-Thematik (Carlsen).

Auf dem Boden der Tatsachen erkundet der Comicjournalist Joe Sacco in „Wir gehören dem Land“ den Konflikt der Dene, der indigenen Bevölkerung Kanadas, mit der Gewinnung der Bodenschätze – Öl, Gas und Diamanten. Sacco geht mittels zahlreicher Interviews und Ortserkundungen tief in das Thema, erforscht die unterschiedlichen Positionen auch innerhalb der indigenen Gemeinschaft, erkundet ihre Geschichte und ihre Gegenwart zwischen Natur und dem Raubbau an ihr, von der sie doch so sehr geprägt und doch so sehr abhängig sind. Sacco versucht sich in Neutralität, ist aber immer Teil des Geschehens, das er in aufwändigen, feinen Zeichnungen festhält (Edition Moderne).

Christian Meyer-Pröpstl

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