Eine Altbauwohnung, ein altes Paar, gelegentlich Besuch. Viel mehr braucht Michael Haneke nicht für sein grandioses Drama „Liebe“ (Cinenova, Odeon, OFF Broadway, Residenz und OmU im Metropolis). Nach „Das weiße Band“, einer zwischen atemberaubenden Naturaufnahmen und beengenden Innenräumen angesiedelte Gewaltstudie in Schwarzweiß, folgt nun ein Kammerspiel, das tatsächlich ein Liebesfilm ist, aber ebenso ein Melodram. Es erzählt von Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva), zwei Musikprofessoren im Ruhestand. Beide sind um die 80, beide rüstig. Der Kontakt zur Tochter (Isabelle Huppert) ist oberflächlich, sie wohnt im Ausland und hat Eheprobleme. Georges und Anne sind glücklich. Dann sitzt Anne eines Morgens am Küchentisch, neben ihr Georges, der plaudert, doch ihr Blick entweicht minutenlang ins Leere, verloren, unansprechbar. Es ist der Anfang eines Leidenswegs, der Anne erst in den Rollstuhl, dann in die Bettlägerigkeit und Georges in die Rolle ihres Pflegers verbannen wird. Eine wachsende Herausforderung an eine alte Liebe, aus der Haneke ein cineastisches Erlebnis macht, das nicht zuletzt getragen wird vom umwerfenden Spiel der beiden Hauptdarsteller.
Ein ungleiches Paar gibt es in der apokalyptischen Tragikomödie „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ (Cinenova, Cinedom, UCI) zu bestaunen. Dodge (Steve Carell) ist ein biederer Versicherungskaufmann, seine Nachbarin Penny (Keira Knightley) eine durchgedrehte Göre. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Noch drei Wochen sind es in diesem Drama bis zum Meteoriteneinschlag, der alles auslöschen wird. Das Schicksal verdonnert Dodge und Penny zu einer Reise durch die USA. Während rundherum Anarchie und Sünde ausbrechen, suchen beide ein wenig Erfüllung.
Gleich drei Filme erzählen von Fluchten aus dem Alltag. Komisch wird es in Lena Koppels „Die Kunst, sich die Schuhe zu binden“ (Cinenova), über eine Behindertenheim beim Superstar-Casting, und in James Huths moderner Romanze „Und nebenbei das große Glück“ (Cinedom, Rex am Ring, UCI) mit Sophie Marceau, in der ein Lebemann mit einer strengen Industriellengattin anbandelt. Bogdan George Apetris „Periferic“ (OmU in der Filmpalette) ist dagegen ein intensives Drama über Flucht und Hoffnung im Rumänien der Gegenwart, beeindruckend getragen von Hauptdarstellerin Ana Ularu.
Gänzlich in NRW entstand Adnan G. Köses Justizthriller „Kleine Morde“ (UCI), in dem sich Minderjährige vor Gericht verantworten müssen. Der Film versammelt vor der Kamera Paul Falk, Ann-Kathrin Kramer, Uwe Ochsenknecht, Jimi Blue Ochsenknecht, Jasmin Schwiers sowie den kürzlich verstorbenen Günther Kaufmann.
Außerdem neu in den Kinos: das 3D-Sequel „Resident Evil: Retribution“ (Cinedom, UCI), die Ferienkomödie „Gregs Tagebuch: Ich war's nicht!“ (Cinedom, Metropolis, Rex am Ring, UCI) und die Läuterungskomödie „Unter Frauen“ (Cinedom). Für Kinder startet außerdem „Lotte und das Geheimnis der Mondsterne“ (Cinenova, Metropolis).
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