Ganz unvermittelt wirft uns die junge Filmemacherin Mariko Minoguchi, die bereits mit ihrem Langfilmdebüt „Mein Ende. Dein Anfang.“ 2019 für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, in die Handlung ihres zweiten Films „Die andere Seite“ (Odeon). Wir beobachten eine Frau dabei, wie sie ein Kaninchen häutet, dabei ertappt wird und panisch Reißaus nimmt. In einer abgelegenen Berghütte versorgt sie selbst ihre tiefe Fleischwunde an der Wade, schleicht sich kurz danach in ein seit geraumer Zeit leerstehendes Haus und plündert dort die noch essbaren Vorräte. Erst nach zwanzig Minuten fallen im Film die ersten Dialoge, als die Frau mit dem Namen Hanna (Nina Hoss) auf eine alte Bekannte trifft und klar wird, dass die Menschheit einmal mehr von einer tödlichen globalen Pandemie heimgesucht wurde, der zahlreiche Menschen zum Opfer gefallen sind. Alle Infizierten werden in Lager zusammengesperrt, was deren Sterblichkeit aufgrund der zahlreichen Mutationen des Virus drastisch erhöht. Ärztin Hanna möchte diesem Schicksal entgehen und schlägt sich deswegen ganz auf sich allein gestellt im Untergrund durch. Wenn es gegen Ende des Films dann auch darum geht, die Grenze in den Süden nach Italien zu überschreiten (der Hauptteil der Handlung ist im österreichischen Osttirol angesiedelt), macht Mariko Minoguchi auf eindringliche Weise subjektive Migrationserfahrungen erlebbar und reichert ihren Film um weitere spannende Komponenten an. Im Mittelpunkt steht die Ausnahmeschauspielerin Nina Hoss („Tár“, „Schwesterlein“), die in fast jeder Szene des Films zu sehen ist und hier auch eine wahrlich körperliche Tour-de-Force zu bestreiten hat.
In einem trostlosen Wohnblock in Mexico Stadt darbt Olga (Teresita Sánchez) in Lustlosigkeit. Die Lebensfreude scheint ihr abhandengekommen, ihre Missgunst gilt Nachbarn, Kindern, Stubenfliegen. Allem an sich. Als sie ein Zimmer vermietet, zieht Tulio (Hugo Ramírez) ein, dessen Frau schwer erkrankt im Krankenhaus liegt. Heimlich schmuggelt Tulio seinen jungen Sohn Cristian (Bastián Escobar) mit aufs Zimmer. Das kleine Schwarzweiß-Drama „Moscas – Fliegen und andere Gäste“ (Filmpalette) braucht zwischenzeitlich etwas, um in die Gänge zu kommen. Davor und danach aber besticht es mit verschrobenem Humor, zärtlicher Wucht, mit Herz, Atmosphäre, Magie – und mit drei bestechenden Protagonist:innen. Der mexikanische Regisseur Fernando Eimbcke („Lake Tahoe“) feiert Menschlichkeit und Phantasie. Und erweckt den Jedi in uns.
Alle Neustarts der Woche unter: Neu im Kino.
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