Regisseurin Julie Gavras vereint in „Late Bloomers“ (Cinenova) Isabella Rossellini und William Hurt als reifes Ehepaar vor der Kamera. Als beide sich ihrem Alter stellen und dabei gleichzeitig von jüngeren Zeitgenossen umgarnt werden, beginnt die Harmonie zu bröckeln. „Late Bloomers“ vermag mit seiner ganz undramatischen, beiläufigen Art, mit trockenem Humor und spröder, aber sympathischer Inszenierung zu begeistern. Die beiden Hauptdarsteller haben daran einen großen Anteil. Rossellini spielt mit überraschender Komik die Beleidigte: Wenn sie bei der Wassergymnastik – umgeben von jungen, gut trainierten Frauenkörpern – aus dem Rhythmus kommt und sich selbst die Schwimmnudel ins Gesicht schlägt, guckt sie arrogant-genervt. Wenn ihr ein junger Mann im Bus seinen Platz anbietet, dreht sie sich empört weg. Adam wiederum wird von den Offerten einer jungen Mitarbeiterin vollkommen verunsichert und gesteht sich nicht ein, von seinem längst erwachsenen Sohn Hilfe annehmen zu müssen.
„Ausschlafen, futtern, gut is’“ – der gemeinhin übliche Anspruch der heutigen Generation 30plus an ihre Heimfahrwochenenden ist Ausgangspunkt von „Was bleibt“ (Odeon, OFF Broadway), Hans-Christian Schmids dritter Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Bernd Lange. Gewohnt treffsicher entwickelt das kongeniale Team das Psychogramm einer Generation, die einerseits ihren Eltern auf Augenhöhe begegnet und in extremer materieller Sicherheit aufwachsen durfte, andererseits aber aufgrund der fehlenden Rebellion und Abnabelung sichtbare Schwierigkeiten hat, ihren Platz in der Welt zu finden. Bei einem Familientreffen offenbart Mutter Gitte (Corinna Harfouch) ihren Angehörigen, dass sie seit zwei Monaten ihre Antidepressiva abgesetzt hat. Während sie sich die Rückkehr als mündiges Familienmitglied erhofft, stößt ihre Ambition auf Skepsis und Unsicherheit.
Vor zehn Jahren begleitete Regisseur Andreas Dresen den CDU-Politiker Henryk Wichmann beim Wahlkampf. Die Fortsetzung „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ (OFF Broadway) bietet nun Einblicke in den tragikomischen Berufsalltag des Politikers, der in der Opposition im Brandenburger Landtag sitzt. Dresen stellt seinen Film am Mittwochabend persönlich im OFF Broadway vor.
Poetry Slam erfreut sich hierzulande wachsender Beliebtheit. Unser choices-Autor Sebastian23 ist einer von vier Slammern, die in der Dokumentation „Dichter und Kämpfer“ (Odeon) von der Faszination erzählen, vom Schreiben und von ihren Plänen.
Außerdem neu in den Kinos: die soliden Komödien „The Watch - Nachbarn der 3. Art“ (Cinedom, Rex am Ring, UCI) und „Heiter bis wolkig“ (Cinedom, Residenz, UCI), der irrwitzige Horrorthriller „The Cabin in the Woods“ (Autokino Porz, Cinedom, UCI) und das Exorzismusdrama „Dabbe - Vom Teufel besessen“ (Cinedom). Kinder können sich auf „Der kleine Rabe Socke“ (Cinenova, Cinedom, Metropolis, Rex am Ring, UCI) freuen.
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