Auf dem bedeutendsten deutschen Comicfestival – dem Internationalen Comicsalon Erlangen – wurden im Juni wieder allerlei Neuerscheinungen prämiert. Unter den nominierten Titeln war auch Stephen Collins' „Der gigantische Bart, der böse war“. Es ist eine Allegorie, die man schnell durchschaut: Dave lebt auf der Insel „Hier“. Dort ist alles wohlgeordnet und perfekt. Alleine die Angst vor der Unordnung und dem Chaos, dass man auf dem Festland, dem „Dort“ wähnt, sorgt für eine unterschwellige Grundangst in der Bevölkerung. Der Grund, warum Collins' Geschichte trägt, ist die dramaturgische wie zeichnerische Erzählweise: In zarten Bleistiftzeichnungen entfaltet er auf faszinierende Art eine vermeintlich heile Welt, die langsam aus den Fugen gerät – und das nicht zu ihrem Nachteil. Ein poetisches Kleinod (Atrium). Mit einem Sonderpreis wurde auch eine Übersetzungsarbeit prämiert. Eine viel zu selten gewürdigte Arbeit, weil man nicht nur sprachlich passend, sondern auch räumlich passend übersetzen muss. Der in der Regel längere deutsche Text muss schließlich in die Sprechblase passen. Bei einem Meilenstein wie Chris Wares „Jimmy Corrigan – Der klügste Junge der Welt“, einer wunderschön gezeichneten Tragödie um einen alleinstehenden Mann und seine Beziehung zu seinem lange verschollenen Vater, standen die Übersetzer der kleinteiligen Textpassagen vor besonderen Herausforderungen, die Heinrich Anders und Tina Hohl großartig gemeistert haben (Reprodukt).
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