Benedikt Stampa, Intendant des Dortmunder Konzerthauses, an dem Say vier Jahre lang eine Residence inne hatte, nannte Say gestern einen „Weltbürger“, der in Istanbul zu Hause sei. Heute äußerte sich Johannes Bultmann gegenüber trailer. Die Essener Philharmonie versichere Say ihre „absolute Solidarität in dieser für den Künstler schwierigen Situation“. Der türkische Ausnahmepianist, der zuletzt im Oktober 2011 in Essen auftrat, setze sich über „Grenzen und Einengung“ hinweg und kämpfe für „neue Freiräume“, so der Essener Intendant.
Fazil Say wird von einem Istanbuler Amtsgericht vorgeworfen, durch religionskritische Twitter-Meldungen „die islamische Religion schwer beleidigt zu haben“ wie es gestern in einer Pressemitteilung hieß. Demnach soll er von drei türkischen Bürgern angeklagt worden sein. Bisher bestreitet der gebürtige Istanbuler jede Schuld. Die Verhandlung wurde auf den 18. Februar 2013 verlegt. Im schlimmsten Falle drohen Fazil Say 18 Monate Haft. Gestern demonstrierten vor dem Istanbuler Gericht knapp 100 Menschen gegen den Prozessauftakt. In der Vergangenheit hatte sich der bekennende Atheist mehrfacht kritisch zur islamisch-konservativen Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geäußert.
Im Dezember ist ein großes Klassik-Fest mit Fazil Say und dem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra in Istanbul geplant (BIFO). Ob das Bifo & Say-Festival nun wie geplant vom 14.16. Dezember stattfinden wird, bleibt abzuwarten.
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