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Die Organisatoren der Hörspielwiese (Martin Stengel, André Patten, Eva Schwert, Mario Frank, Kevin Kader)
Foto: Hörspielwiese Köln

„Die reizüberfluteten Augen abschalten“

15. Juli 2019

Eva Schwert und Martin Stengel über die Hörspielwiese Köln – Festival 07/19

Bei Hörspielen fallen sofort Klassiker ein, wie die „Die drei ???“, aber auch neue Stücke wie sie der WDR oder der Deutschlandfunk regelmäßig produzieren. So kann man sich zuhause einfach mal Zeit nehmen, sich zurücklehnen und Geschichten lauschen. Aber Moment – müssen Hörspiele immer alleine hinter geschlossenen Türen gehört werden? Jedenfalls nicht, wenn es nach den Organisatoren der Hörspielwiese Köln geht. Das einzige Open-Air-Festival für Hörspiele und Hörkunst in NRW fand 2018 zum ersten Mal statt.

Nun kehrt die Hörspielwiese zurück – wieder mit Live-Auftritten, Sound-Performances und natürlich Lang- und Kurz-Hörspielen. Dazu gibt es ein Kinderprogramm und zum ersten Mal auch einen Wettbewerb, bei dem jeder sein Kurzhörspiel einreichen konnte. Die zehn besten 5-Minüter werden dann beim Festival präsentiert und die Top 3 ausgezeichnet. Das ist möglich durch die Förderung der Film- und Medienstiftung NRW sowie der Kunststiftung NRW.

Das Team setzt sich aus Organisatoren der Lesereihe „Land In Sicht“ und den Begründern der Hörspielredaktion des Hochschulradios Kölncampus zusammen. Martin Stengel und Eva Schwert sind zwei der fünf Organisatoren der Hörspielwiese und schulen Mitglieder des Hochschulradios für die Produktion neuer Hörspielen.

Die Hörspielwiese findet unter freiem Himmel statt
Foto: Hörspielwiese Köln

choices: Eva und Martin, zum zweiten Mal findet die Hörspielwiese statt – wie kamt ihr damals überhaupt auf die Idee ein Open-Air Festival für Hörspiele zu organisieren?
Martin Stengel:
Ich bin seit einigen Jahren schon beim Kölner Hochschulradio Kölncampus tätig und es war eher blanker Zufall, dass ich am Ende vor drei oder vier Jahren zum Hörspielforum gegangen bin. Das Hörspielforum ist eine jährlich stattfindende Arbeitskonferenz, die von der Film- und Medienstiftung NRW veranstaltet und eben vom WDR unterstützt wird. Dort habe ich dann 2017 André Patten kennengelernt und wir sind ein bisschen ins Gespräch gekommen. Das war so ziemlich die Geburtsstunde der Hörspielwiese. Wir haben uns dann noch mit Kevin Kader und Mario Frank zusammen getan, die mit André bereits in der Kölner Kulturszene beispielsweise mit einer Lesereihe für junge Autorinnen und Autoren aktiv sind. Über mich kam dann noch Eva mit an Bord, die ich über Kölncampus kenne. Dort leiten wir inzwischen einen Fortbildungslehrgang für Hörspiele und die Hörspielredaktion.
Eva Schwert:
Als Martin mir davon erzählt hat, hatte ich sofort Lust, miteinzusteigen.

Ihr seid ein Team aus fünf Leuten – wir kriegt ihr die Planung gestemmt und wie war bis jetzt der Prozess?
MS: Erschreckend harmonisch. (lacht) Die Vorbereitung an sich ist schon ein echter Kraftakt. Wir sind alle berufstätig oder studieren, da muss die gesamte Planung am Abend und am Wochenende geschehen. Und je näher das Festival rückt, desto mehr Arbeit fällt an. Wir haben uns aber auch ziemlich schnell die verschiedenen Aufgaben gesucht und übernommen. Beispielsweise macht Kevin die Abrechnung mit den Förderern, wofür ich ihm unendlich dankbar bin. Oder Mario, der sich um die Homepage und alles was mit Grafik zu tun hat kümmert. Von ihm stammt auch das Logo. Wir alle zusammen suchen die Hörspiele aus, die wir dann beim Festival spielen. Das ist definitiv ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem wir uns alle ganz demokratisch absprechen. Wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber finden am Ende immer eine gemeinsame Lösung. Auch wenn das bedeutet, dass mal eine Idee versenkt werden muss. Beispielsweise war mein trauriger Email-Rekord: Knapp 80 Mails, um eine Folge einer „Herr der Ringe“-Reihe spielen zu können. Da hatte ich Kontakt mit Londoner und New Yorker Anwälten und am Ende sogar dem Nachlassverwalter Tolkiens. Ist dann aber leider zu knapp geworden und wir mussten es kippen.
ES:
Wir haben alle unsere spezifischen Aufgaben; Mario zum Beispiel kümmert sich um die Technik, die Musik und um unseren Online-Auftritt, zu dem wir alle aber natürlich unseren Senf dazu geben. Der größte Teil unserer Kommunikation läuft online ab – egal, ob es ums Programm, die Förderung oder die Technik geht. Dadurch bleibt die Planung übersichtlich und für jeden von uns nachvollziehbar. Wenn mal was in Vergessenheit gerät, reicht ein Strg+F. Wir treffen uns aber natürlich auch ab und zu, am liebsten im BüZe-Park – oder auf Martins Balkon.

Wie ist eure persönliche Beziehung zu Hörspielen?
ES: Von tiefem Hass geprägt. Nein, natürlich sind wir alle große Fans. Was ich persönlich am meisten am Hörspielhören mag, ist, dass man die reizüberfluteten Augen abschalten und in ganz andere Welten abtauchen kann. Außerdem finde ich es super, dass heute fast jeder die nötige Technik zuhause hat, um sich selbst an das Medium heranzutrauen und eigene Hörspiele zu produzieren. Das war früher mit dem guten alten Fisher Price und der zugestopften Kassette schon so, ist heute aber natürlich noch viel leichter. Dass da nicht unbedingt preisgekrönte Produktionen draus werden, ist natürlich klar – mir geht's hier eher um den Prozess des eigenen kreativen Schaffens.
MS:
Ich bin ganz klar ein Kassetten-Kind. Das sind meine frühesten Erinnerungen: Dass abends der Kassettenrekorder angemacht wurde und Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg liefen. Auch wenn mich dann in späteren Jahren die Leidenschaft in Richtung Film getrieben hat, ist das Hörspiel für mich immer noch ein unfassbar starkes Kunstwerk. Die Welten sind dort bloß hörbar und unsere Fantasie muss dann die Bilder dazu erschaffen.

Regisseur Martin Becker im Gespräch
Foto: Hörspielwiese Köln

Was habt ihr aus dem letzten Jahr gelernt, was ihr jetzt besser oder anders machen wollt?
MS:
Ich war tatsächlich sehr begeistert vom ersten Jahr. Ab dem Moment, als es losging, war es eine sehr entspannte Sache – wenn wir einmal davon absehen, dass wir die Hörspiele vergessen hatten und ich die noch zehn Minuten vor Festivalbeginn, von unserem Online-Speicher auf einen USB-Stick ziehen musste. Das war noch einmal eine rasante Fahrradfahrt zum nächsten Internetcafé. Ansonsten ist es sehr wichtig, die Arbeitsschritte möglichst frühzeitig fertig zu haben. Alles was erledigt oder geklärt ist, raubt einem nicht mehr den Schlaf.
ES:
Angesichts der brennenden Hitze im letzten Jahr wären mehr Sonnensegel wahrscheinlich eine gute Idee. Wir haben aber natürlich auch einige andere Punkte auf unserer Liste stehen, zum Beispiel wollen wir einen kleinen Ruhe-Bereich einrichten: In dem soll nicht gequatscht werden, damit diejenigen, die sich komplett versinken lassen, dabei nicht gestört werden.

Was sind eure persönlichen Highlights aus dem diesjährigen Programm? Worauf freut ihr euch am meisten?
ES:
Dadurch, dass wir noch auf einige Zusagen warten, können wir dazu noch gar nicht viel sagen. Ich freue mich sehr auf die Krimikomplizen, die wieder mit einem Live-Hörspiel dabei sind. Außerdem haben wir dieses Jahr auch einen Live-Hörspiel-Workshop für Kinder und ich bin sehr gespannt, was sie bei uns auf die Bühne bringen werden.
MS:
Für mich ist das Live-Hörspiel immer ein absolutes Highlight. Ich freue mich auch sehr darüber, dass dieses Jahr die Krimikomplizen noch einmal auftreten. Wir arbeiten aber auch noch daran, ein zweites Live Hörspiel auf die Beine zu stellen. Wobei ich auch ein großer Freund der Hörspielklassiker bin. Dieses Jahr haben wir ein interaktives Hörspiel von Bertold Brecht. Jedenfalls war das mal der Gedanke dahinter, ich sehe das ein wenig anders. Aber mehr dazu dann beim Festival!

Hörspielwiese Köln | 16. - 18.8. | Wiese des Bürgerzentrums Ehrenfeld e.V. | hoerspielwiese.koeln

Katja Egler

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