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Gerald Schäfer vor seinen Werken
Foto: Thomas Dahl

Halt im heilenden Nirgendwo

14. Juli 2022

Gerald Schäfer in der Galerie Daneben – Kunst 07/22

Ein Zug-Signal springt im Nirgendwo auf Rot. Ungeplanter Halt. Alle Maschinen ruhen. Gerald Schäfer lässt mit seinen Öl- und Acryl-Malereien mitten im Meer Ampelanlagen sprießen, die nicht mehr auf Grün wechseln wollen. Zwischen Horizont und Wasser bleibt den Reisenden nur das Warten. Trotz nicht ersichtlichen Gegenverkehrs entfaltet der Stopp nach erster Ungeduld heilende Wirkung. Zeit zum Atmen, zum Wundern über den selbst auferlegten Zwang des Ankommens versetzt die Betrachter:innen in der Galerie Daneben in eine Zwischenwelt der Kontemplation. Im Angesicht der unbetitelten Bilderserie versinkt das Ich in ureigene Ozeane, taucht tiefer und gibt der Idee von Zeit den ihr gebührenden Stellenwert der Illusion.

Rund 40 kleinst- bis großformatige Arbeiten aus den letzten drei Jahren bieten eine opulente Werkschau des gebürtigen Hildesheimers, der mittlerweile in Brühl lebt. Neben dem „Stopp-Zyklus“ finden sich dabei vermeintlich konträre Motive wie etwa herrenlose Fahrräder, beinahe unangenehm still wirkende Vorstadt-Familienhäuser und stechende Musikerportraits von David Bowie, Iggy Pop, Prince, Jimi Hendrix oder Nick Cave. Dass die Exponate dennoch miteinander in Beziehung treten, zeichnet sich bei genauerem Hineindenken in der Entschleunigung des Reisens (Fahrrad), Mutmaßungen über unerzählte Geschichten hinter verhangenen Fenstern (Haus) sowie der Eröffnung neuer Horizonte durch prägende Künstler (Bowie, Pop ...) ab.

Als Zeitzeuge und Sympathisant der Punkszene Ende der 1970er Jahre setzt Gerald Schäfer das „Nein!“ zum Establishment auf subtile Art fort. Anstelle eines „Fuck the System“ formuliert der 59-Jährige hauptberufliche Koch in ruhigen Tönen eine Aufforderung zur Andacht über Sinn und Unsinn allzu menschlicher Gebärden. Dazu kleidet er Landschaften und Objekte in surreale bis expressionistische, dann wiederum naturalistische Gewänder, die scheinbar haltlos im Wind flattern. Schäfer stellt leise Fragen, die man ungerne hört: Was bleibt von uns, wenn die Natur sich ihre Erde in Auflehnung gegen die vom Menschen inszenierte Klima-Katastrophe und der Dezimierung des Lebens von den Meistern des Krieges wieder zurückerobert? Eben: überschwemmte Gefilde, untergegangene Ideologien, bis in alle Ewigkeiten anhaltenden Auszeiten, Geisterstädte und – zuletzt – Erinnerungen.  

Gerald Schäfer | bis 29.7. | Galerie Daneben | www.galeriedaneben.de

Thomas Dahl

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