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Nicht cool, aber sehr gut: „New Country, Black Road“
Foto: Holly Whitaker

Die Briten kommen!

26. September 2023

Sehr britischer Schnodder-Sound auf Kölner Bühnen – Unterhaltungsmusik 10/23

Nachdem die Sex Pistols sich No Future-mäßig und folgerichtig zerstört hatten, gründete Sänger John Lydon Public Image Limited und machte für kurze Zeit irrwitzig gute Musik. Das relativierte sich dann in den 80er Jahren, aber das neue Album mit Schlagzeug-Legende Bruce Smith (Pop Group) hat einen sehr guten, verdrehten Wumms. Live ist er eh sehr unterhaltsam (2.10., 20 Uhr, Kantine). Sehr britisch wie Lydon sind die Sleaford Mods mit ihrem seit über zehn Jahren erfolgreich stoischen, scheinbar proletenhaften Sozial-Rap mit Minimal-Elektronik. Live gilt nach wie vor das Reinheitsgebot: Ein Rapper mit Mic, eine Drummaschine und ein kopfnickender Mann mit Bierflasche müssen reichen (18.10., 20 Uhr, Carlswerk). Etwas Schnoddriges hat auch King Krule. Sein neues Album „Space Heavier“ ist allerdings sehr zurückgenommen, mitunter fast balladenhaft und mit Jazz-Elementen versehen, dann wieder Indie-rockig, und all das hauntologisch in großen Echowellen schwimmend (21.10., 20 Uhr, Carlswerk).

New Country, Black Road haben sich 2018 aus den Trümmern von Nervous Conditions herausgeschält, nachdem deren Sänger mit mehreren Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit konfrontiert war. Ohne ihn wählten die – nochmal: Briten – per Zufallsgenerator einen neuen Namen und machten ein vielbeachtetes Album, das immer wieder Vergleiche zu der Postrock-Legende Slint beförderte. Die Abseitigeren (free-)jazzigen und klassizistischen Elemente, die auf dem ersten Album anklangen, aber auch ein prächtiger Pop- und Glam-Appeal machen das neue, zweite Album der überaus sympathischen und überhaupt nicht coolen jungen, sechs- bis siebenköpfigen Band zu einem deutlich eigenständigeren Meisterwerk. Dass sie all ihre Qualitäten live gut rüberbringen können, haben sie im Sommer unter anderem beim Glastonbury-Festival bewiesen (29.10., 20 Uhr, Kantine).

Es ist vielleicht nicht komplett bekannt, dass die aus Giant Sand herausgeschälte Tex-Mex-Folk-Country-etc.-Band Calexico zeitweise zwei deutsche Mitglieder zählte, und ihr erstes Album ist auf einem deutschen Label der Notwist-Brüder erschien. Ist vielleicht auch egal. Zum 20-jährigen Jubiläum ihres erfolgreichen vierten Albums „Feast of Wire“ spielen sie das Album jedenfalls in der deutschen … ähm, Kölner Philharmonie komplett durch (30.10., 20 Uhr, Philharmonie Köln).

Christian Meyer-Pröpstl

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