Die 1975 in Ost-Berlin geborene Fritzi Haberlandt konnte nach ihrem Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ direkt mit ihrer ersten Kinohauptrolle in „Kalt ist der Abendhauch“ einen großen Erfolg verbuchen. Seitdem hat man sie in so unterschiedlichen Filmen wie „Liegen lernen“, „Hände weg von Mississippi“ oder „Freischwimmer“ gesehen. In „Eine Insel namens Udo“ spielt sie nun an der Seite von Kurt Krömer eine Frau, die diesen als Einzige wahrzunehmen scheint und sich nach und nach in ihn zu verlieben beginnt.
choices: Frau Haberlandt, „Eine Insel namens Udo“ war Ihre erste handfeste Komödie. Haben Sie nun Blut geleckt?
Fritzi Haberlandt: Ich würde sagen, „Liegen lernen“ ging auch ein wenig in diese Richtung, da hatte ich schon eine schöne Rolle, die durchaus komische Momente hatte. Aber komische Rollen machen mir auf jeden Fall viel Spaß, das konnte ich auf der Bühne, glaube ich, auch schon einige Male zeigen. Ich habe ein Faible dafür und würde mich wahnsinnig freuen, wenn das weiterginge. Mir macht es Freude, denn es ist noch mal eine andere Herausforderung. Komödie ist beim Drehen nicht nur lustig. Es ist interessant, herauszufinden, wo der Witz liegt, wie spielt man ihn und was ist eigentlich überhaupt das Komische an einer Szene.
Ist es nicht besonders schwierig, neben einem Vollblutkomödianten wie Kurt Krömer bestehen zu können?
Gott sei Dank hat er eine Rolle gespielt. Wenn wir beispielsweise zusammen ein Bühnenprogramm meistern müssten, dann würde ich doch zögern, weil ich glaube, dass ich da nicht würde mithalten können. Aber in der Rolle des Udo hat er sein bekanntes Bühnenimage gar nicht ausgelebt, sondern ist sehr zurückhaltend. Er war da ganz wie ein ernsthafter Schauspieler, der das Ganze irgendwie sogar tragisch gespielt hat. Er hat dabei gar nichts Polterndes, Lautes, sondern ist stark nach innen gewandt und introvertiert. Das war für mich auch eine Überraschung, ihn so zu sehen, aber insofern war das ganz gut für das Zusammenspiel.
Hätten Sie denn auch gerne einmal die Gabe der Hauptfigur, unscheinbar zu sein und von niemandem wahrgenommen zu werden?
Einmal unscheinbar zu sein könnte ich mir für mich doch ziemlich schön vorstellen. Als Schauspielerin wird man natürlich eher wahrgenommen und buhlt in gewisser Weise auch darum, aber eigentlich fände ich einen solchen Rückzug doch auch mal ganz luxuriös. Mal nicht gesehen zu werden und es auch nicht darauf anzulegen, dass man gesehen wird. Deswegen würde ich sagen, das wäre schon etwas, was ich mir ab und zu wünschen würde.
Geht das auch soweit, dass Sie ein Problem damit haben, sich unerkannt in der Öffentlichkeit bewegen zu können?
Ach nein, das geht eigentlich bei mir. Man ist sich aber natürlich nie sicher. So etwas wie Unterwäsche kaufen ist mir schon irgendwie peinlich, weil ich dann hoffen muss, dass nicht gerade in dem Moment jemand kommt, der mich erkennt. Es gibt ja sicherlich Situationen, in denen man nicht unbedingt jemand neben sich zu haben braucht, der sagt: „Ach, Frau Haberlandt, das ist ja toll, Sie hier zu treffen!“ Aber es ist bei mir noch absolut im Rahmen, ich bewege mich auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, denn ich fahre ja kein Auto.
Fahren Sie aus Überzeugung kein Auto oder woraus resultiert das?
Erstmal leider aus Unvermögen (lacht)! Ich habe zwar einen Führerschein, aber ich habe so große Angst vorm Autofahren. Das ist so ein Frauenproblem. Und dann bin ich natürlich auch noch überzeugte Autogegnerin, weil ich das auch ökologisch verwerflich finde.
Ihre Filmfigur Jasmin ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Wie ist es denn um Ihre Geschäftsinstinkte hinsichtlich Ihrer Karriereüberlegungen bestellt?
Ich bin niemand, der sich von außen etwas ausdenkt, was man machen müsste, um beruflich weiterzukommen. Ich entscheide da eher intuitiv. Das klappt bei mir eigentlich ganz gut. Es gibt zwar manchmal Angebote, die ganz verlockend sind, bei denen ich dann aber weiß, dass sie nicht richtig sind für mich. Ich glaube, da habe ich ein ganz gutes Gespür, was mir Spaß macht, was eine wirkliche Herausforderung für mich ist und deswegen nicht nur äußeren, sondern auch inneren Erfolg mit sich bringt. Dass ich danach das Gefühl habe, wirklich etwas geleistet zu haben. Aber ich habe keinen Karriereplan oder so.
In „Das Blaue vom Himmel“ spielen Sie nun eine sehr, sehr kleine Rolle. Was war für Sie denn ausschlaggebend, diese zu übernehmen?
Ich kenne den Regisseur Hans Steinbichler privat sehr gut, wir sind sehr eng befreundet. Deswegen war das eine sehr spontane Idee unter Freunden. Da wollte ich natürlich dabei sein, das fand ich irgendwie toll, mit Hans auch mal beruflich zusammenzukommen und dann auch noch mit Juliane Köhler spielen zu können.
Für Ihre erste Kinohauptrolle haben Sie direkt den Bayerischen Filmpreis erhalten. Lastete danach ein besonderer Druck auf Ihnen?
Gott sei Dank habe ich Druck eigentlich nie gespürt. Ich habe am Anfang doch immer recht große Rollen gespielt. Was man irgendwann begreifen muss, ist, dass das nicht auf Dauer anhalten muss. Bei mir war es auch eine Zeitlang so, dass ich im Film nicht so viele Angebote hatte, Gott sei Dank habe ich damals noch viel Theater gespielt und andere Dinge gemacht wie beispielsweise Lesungen. Damit muss man eher umzugehen lernen. Wenn man in einer bestimmten Altersklasse ist, können die Angebote eben weniger werden. Aber das führe ich nicht auf schlechte Leistungen zurück, sondern auf die Umstände, und weil ich vielleicht auch ein bisschen speziell bin.
Im Theater haben Sie ja schon allerhand erreicht, haben auf den Bühnen des Wiener Burgtheaters, des Thalia-Theaters oder des Berliner Ensembles gestanden. Haben Sie im Theaterbereich noch bestimmte Ziele, die Sie erreichen möchten?
Nein, äußere Ziele würde ich jetzt keine sehen können. Ich habe momentan gerade Theaterpause, habe schon lange kein neues Stück mehr gemacht, sondern spiele derzeit nur noch Repertoire. Ich würde mir vielleicht einfach wünschen, dass ich wieder mehr Lust auf die Bühne habe, jedenfalls mehr als zurzeit. Meine große Theaterleidenschaft ist so ein bisschen abgeklungen, das tut mir leid, denn das fehlt mir.
Mit einer Inszenierung von Robert Wilson sind Sie ja sogar in New York am Theater aufgetreten. Was war das für eine Erfahrung?
Ich habe bislang schon zweimal in New York gespielt, einmal mit Wilson, da war ich glaube ich sogar noch Studentin, das müsste am Ende meiner Studienzeit gewesen sein. Und das war natürlich ganz toll, einfach großartig, das kann ich gar nicht beschreiben. Das ist wie ein Rausch, wenn man dort vor 2000 Leuten spielt. Und dann war ich vor ein paar Jahren mit „Lulu“ noch mal in New York, in der Inszenierung von Michael Thalheimer vom Thalia-Theater, das war aber noch mal anders, weil ich da die Lulu spielte, und danach habe ich dann erst einmal eine Pause gemacht, weil ich mich fragte, was danach noch Besseres kommen kann. Das war eigentlich das Tollste, was ich je erlebt habe.
Und die Stücke wurden dort dann in deutscher Sprache gespielt?
Das Wilson-Stück nicht, aber „Lulu“ schon, das war dann englisch übertitelt. Das Publikum ist dort trotzdem sehr begierig nach solchen Stücken, denn das amerikanische und das englische Theater sind gar nicht damit vergleichbar. Durch die Subventionierung der deutschen Theater machen wir hierzulande ja eigentlich Avantgarde auf der Bühne. Ab und zu gibt es natürlich auch konventionelles Theater mit drei Menschen am Tisch, einer geht Kaffee holen und setzt sich wieder hin. Aber meist wird Ungewöhnlicheres geboten. Deswegen ist das amerikanische Publikum daran sehr interessiert, weil sie dort wissen, dass sie bei deutschen Inszenierungen etwas echt Neues sehen können.
Können Sie sich vorstellen, internationale Engagements im Theater oder Film weiter voranzutreiben?
Das finde ich schon schwierig, denn ich würde nur ungern meine Sprache verlassen. Dazu kann ich auch nicht gut genug Englisch, und ich fände es ganz schwierig, in einer anderen Sprache zu spielen. Deswegen kann ich mir das eher weniger vorstellen. Mit Robert Wilson würde ich sehr gerne wieder zusammenarbeiten, da gab es auch schon konkrete Ideen, das klappte dann aber meist terminlich nicht. Wilson macht ja ein extremes Bildertheater, bei dem es nicht so auf Dialog oder so ankommt. Ansonsten würde es mir Schwierigkeiten bereiten, in einer fremden Sprache zu spielen.
Mit Ihrem „Liegen lernen“-Regisseur Hendrik Handloegten haben Sie nun den Film „Das Fenster zum Sommer“ abgedreht. Was erwartet uns da?
Da konnte ich mit einer meiner engsten Freundinnen, Nina Hoss, zusammen drehen, die spielt dort die Hauptrolle. Es ist eine Zeitsprunggeschichte, in der die Nina eine Frau spielt, die man zu Beginn schwer verliebt mit einem Mann in Finnland sieht. Dann schläft sie ein, wacht wieder auf, und es ist ein Dreivierteljahr früher, und sie ist wieder in Deutschland mit ihrem anderen Freund zusammen, den sie damals noch hatte. Den neuen Freund gibt es dann noch gar nicht, und sie muss das alles noch einmal durchlaufen. Und ich spiele dabei ihre Freundin. Hendrik Handloegten ist ja mein Lebensgefährte, dann waren da Nina und noch zwei weitere Kommilitonen aus meinem Schauspielstudienjahr, die in dem Film mitgespielt haben, nämlich Lars Eidinger und Mark Waschke. Insofern war das für mich eine Familienproduktion, die ich sehr genossen habe. Ist auf jeden Fall ganz anders als „Eine Insel namens Udo“, aber ich finde beide Filme auf ihre Art ganz toll.
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