Der 1963 in Wien geborene Schauspieler Karl Markovics wurde einem breiten Publikum durch seine Rolle des Bezirksinspektors Ernst Stockinger in der Fernsehserie „Kommissar Rex“ bekannt. Die Figur war so beliebt, dass ihr später die eigene Serie „Stockinger“ gewidmet wurde. Seit seiner Hauptrolle in dem mit dem Auslands-Oscar prämierten Film „Die Fälscher“ wird Markovics auch international wahrgenommen. In „Mahler auf der Couch“ ist er nun als Psychotherapeut Sigmund Freud, der in seinem Urlaub den Komponisten Gustav Mahler analysiert, auf der Leinwand zu erleben.
choices: Herr Markovics, wie ist es eigentlich, für zwei Regisseure gleichzeitig vor der Kamera zu stehen? Wie haben sich die Adlons denn die Arbeit geteilt?
Karl Markovics: Ich konnte mir am Anfang gar nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Aber ich lasse die Dinge immer auf mich zukommen, auch wenn ich nicht weiß, was das am Ende werden soll. Es war spannend, dass es dermaßen reibungslos gegangen ist, und dass man erst am Schluss sagen konnte, wer was übernommen hatte. Es war während der Arbeit alles aus einem Guss, aber wenn man das nun im Nachhinein irgendwie zusammenfassen möchte, würde ich sagen, dass Felix Adlon die Ratio und der Kopf war, der die technischen Dinge, das Timing und den Anschluss verantwortete. Wenn es eher um das Substanzielle, die Stimmung, die Klangfarbe und die Dinge zwischen den Zeilen ging, die mit der Atmosphäre oder der sogenannten Temperatur einer Szene zu tun hatten, tauchte immer Percy auf. Das hat absolut reibungslos funktioniert. Die beiden sind schließlich Vater und Sohn, wahrscheinlich hatten sie ihre Auseinandersetzungen oder ihre Kommunikation schon in der Vorbereitung sehr gut erledigt.
Wie wichtig ist für Sie hundert Jahre nach ihrer Entstehung die Psychoanalyse von Freud noch? Wo würden Sie diese heute ansiedeln?
Die hat sich natürlich in viele Richtungen weiterentwickelt, ist aber auch in meinem Verständnis ein untrennbarer Teil geworden für Menschen, die sich für Persönlichkeitsentwicklung interessieren. Wenn man Schauspieler ist, ist dies natürlich einer der wichtigsten Aspekte überhaupt. Für mich als Schauspieler ist die Psychoanalyse ein Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Dinge, die vorher keinen Namen hatten, wurden damals benannt. Das ist vergleichbar auch in den Naturwissenschaften oder in der Architektur oder Literatur: Wichtige Schritte waren getan, wenn Dinge plötzlich einen Ausdruck, einen Namen oder eine Sprache bekommen hatten, für die es vorher keine gab. Die Dinge existierten bereits, es gab aber noch keine Namen für sie, und deswegen bildete sich ein Hemmschuh, eine Krise oder ein Problem in der Entwicklung. In der Entwicklung der Psyche, der Persönlichkeit waren Freuds Theorien solch ein Meilenstein. Der Verdienst liegt nicht nur in der Form der Psychoanalyse an und für sich, sondern darin, dass man diese Dinge begreifbar gemacht bekam, indem Freud ihnen einen Namen gab.
Würden Sie soweit gehen zu sagen, dass die Schauspielerei für Sie eine Möglichkeit ist, mit dem Unterbewussten fertig zu werden?
In gewisser Weise auch das, weil es natürlich auf eine Art eine bewusste, eine gezielte Begegnung mit sich selbst ist. Auf jeder Ebene, auf der bewussten und natürlich umso mehr noch auf der unbewussten Ebene, weil uns das die Emotionalität überhaupt erst erschließt und verstehen oder nachvollziehen lässt. Die eigene Emotionalität und dann in Folge auch die des Anderen, des Gegenüber oder der Figur, mit der man sich auseinandersetzt. Ich könnte mir Rollenarbeit ohne ein gewisses Freudsches Erbe nicht vorstellen.
Sie hatten enormen Erfolg mit „Die Fälscher“. Sind seitdem spürbare Veränderungen in Ihrer Karriere aufgetreten, die Sie auf den Siegeszug dieses Films zurückführen könnten?
Erfolg ist natürlich auch immer ein schönes, positives Gefühlserleben, das man als Mensch anstrebt, egal wo, denn Glücksmomente strebt man an, und solche Erfolge haben viel mit Glücksmomenten zu tun. Umso mehr, wenn sie mit der eigenen Arbeit verbunden sind, gerade in einem Beruf wie dem meinen, in dem man so abhängig davon ist, ein Echo hervorzurufen. Was das betrifft, ist es natürlich ganz persönlich eine vollkommen schöne und angenehme Erinnerung und Angelegenheit. Was natürlich in weiterer Folge schon noch eine Rolle gespielt hat, ist die Wahrnehmung, die sich bis zu einem gewissen Teil dadurch verändert hat. Viele Leute kannten mich zuvor nur aus dem Fernsehen und wurden nun auf mich aufmerksam und merkten, dass auch bei den Fernsehserien ein Schauspieler dahinter gestanden hatte und nicht jemand, der eben tatsächlich so ist. Gerade solch ein Erfolg trägt dazu bei, dass man dann auch als Charakterdarsteller wahrgenommen wird, der Rollen sucht, die eine Herausforderung bringen, und die nicht zwingend mit Rollen zu tun haben, die er schon einmal gespielt hat.
Sie sind Mitbegründer der Akademie des österreichischen Films. Was steckt als Idee dahinter?
Als Repräsentant des Landes auf der internationalen Filmszene aufzutreten? Nein, das hatte damit überhaupt nichts zu tun, sondern es hat sich einfach durch die zunehmenden internationalen Erfolge des österreichischen Films in den letzten Jahren ergeben, dass sich viele Vertreter unter den österreichischen Filmemachern gesagt haben, wir brauchen ein Forum der Filmschaffenden, deren Ziel es am Ende ist, einen eigenen österreichischen Filmpreis auf die Beine zu stellen, um das Medium Film, stärker als es bislang in diesem Land üblich war, auch als Teil der österreichischen Kultur zu verankern. Diesen Rückenwind, den wir über internationale Erfolge hatten, wollen wir damit im eigenen Land verwenden. Es ist also eigentlich genau das Gegenteil zu dem, was Sie fragen, denn wir hoffen und wünschen uns, dass der österreichische Film verstärkt auch im eigenen Land als Teil unserer Identität wahrgenommen wird.

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