
Samsara (2012)
USA 2012, Laufzeit: 99 Min., FSK 0
Regie: Ron Fricke
>> barakasamsara.de
Visuell beeindruckendes Kaleidoskop unserer Welt
Weltreise
„Samsara“ von Ron Fricke
Ron Fricke begab sich bereits 1982 als Kameramann für Godfrey Reggios „Koyaanisqatsi“ auf die Suche nach eindrucksvollen bewegten Bildern von unserer Mutter Erde, die kunstvoll und kommentarlos, unterlegt von der hypnotischen Musik von Philip Glass, miteinander verwoben wurden. Eine zeitgenössische, meditative Montage, die die Spuren des Ursprungs mit den absurden Auswüchsen des Fortschritts kontrastierte. 1992 führte Fricke Regie bei „Baraka“. Ein ähnliches Konzept, allerdings mit radikaleren Nuancen. So ließ Fricke auch historische Aufnahmen aus Konzentrationslagern einfließen. Den Blick auf Ursprung, Natur und die menschlichen Einflüsse in Sachen Industrialisierung und Urbanisierung ergänzte er durch Szenen des Unmenschlichen.
Nun hat Ron Fricke die Erde erneut bereist, „Samsara“ bildet das Ergebnis einer fünfjährigen Tour durch 25 Länder. Dem Konzept von „Baraka“ bleibt er treu: Aufnahmen ergreifender Schönheit werden irgendwann hässlich von den kranken Auswüchsen unserer Zivilisation gebrochen. Fricke konfrontiert uns mit Einblicken in die Massentierhaltung und -schlachtung oder in unmenschliche Arbeitsbedingungen. So erhält dieser sinnliche Trip irgendwann einen Beigeschmack, entfernt sich vom reinen Wundern und Staunen und wird sehr destruktiv für eine „geführte Meditation“, als die Fricke sein Werk verstanden haben will. Hinzu kommt, dass in diesem Werk die Ästhetik im Mittelpunkt steht, die Suche nach dem perfekten Bild. Dies bedingt ein Problem, sobald der Film Missstände anstößt. Das Konzept, das anfangs augenscheinlich auf Erhabenheit ausgerichtet ist und die Wohlstandswelt allenfalls über Massenphänomene in Totalen und Zeitraffer ironisiert, bekommt Risse, moralisiert und dämonisiert. Man ahnt, dass Fricke bloß allumfassend abbilden möchte, doch wenn er schockiert, entsteht ein emotionales Rhythmusproblem, das auch die folkloristisch angehauchte New-Age-Weltmusik nicht kitten kann. In einem kommentarlosen Stückwerk wie diesem können Bilder des Schocks und der Verstörung in ein Opus mit 100 Zeigefingern ohne Aussagekraft münden.
Andererseits ist Ron Fricke vermutlich gar nicht der Gesellschaftskritiker, den man hinter seinem Medley an Impressionenvermuten mag. Vielleicht ist er nur ein Sammler von Eindrücken, der optisch begeistern will. Und er begeistert optisch! Die Einblicke in menschliche Abgründe erscheinen nur sporadisch, ansonsten sind die Bilder, die er mit seiner 70 mm-Kamera einfängt, die Perspektiven, Kompositionen, die Zeitrafferaufnahmen, Massenszenen und Stillleben schlichtweg betörend. Fricke betrachtet seinen Film als Kunstwerk, „und wie jedes andere Kunstwerk auch kann man den Film nicht auf eine schlichte ‚Message‘ vereinfachen“. Unterm Strich bleibt ein visueller Trip durch Zivilisation, Religion, Massen, Fortschritt, Elend, Schöpfung, Zerstörung, Kreativität, Perversion, Geist, menschliches und Naturschauspiel. Nicht weniger, und doch mehr.
Internationales Film Festival Dublin: Preis der Filmkritik
(Hartmut Ernst)

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