
Mile 22
USA 2018, Laufzeit: 95 Min., FSK 16
Regie: Peter Berg
Darsteller: Mark Wahlberg, Lauren Cohan, Iko Uwais
>> www.mile22.de
Brachialer Actioner
Lizenz zu allem
„Mile 22“ von Peter Berg
OK: Nach IMF, CTU und wie sie alle heißen, jetzt also die nächste geheime US-Spezial-Einheit. Das Team wird angeführt von James Silva (Mark Wahlberg). Konzept: Während ihrer Einsätze verlieren alle Agenten ihre Staatsbürgerschaft. Damit sind sie auf sich allein gestellt, können aber dafür überall tun und lassen, was sie wollen: Lizenz zu allem. Außerdem werden ramponierte Agenten während des Jobs nicht gerettet, sondern zurück gelassen. Effizienz um jeden Preis! Da macht man dann natürlich auf der Gegnerseite keine Gefangenen und richtet wehrlose Badies auch mal kurzerhand hin. Die Guten sind Mörder? Genau. Unterstützt und dirigiert wird Silva Truppe von „Overwatch“, einem Überwachungsapparat unter Führung von Bishop (John Malkovich), das den Agenten am Boden Live-Unterstützung gibt über Daten von Drohne und Satellit.
Während „Overwatch“ ein reales Vorbild hat (die sogenannte „Quick Reaction Force“), ist Silvas Team in seiner radikalen Ausrichtung der Phantasie von Regisseur Peter Berg und seiner Autorin Lea Carpenter entsprungen. Die Mission führt die Agenten in das ebenso erdachte südostasiatische Land Indocarr, wo radioaktive Pulverscheiben im Umlauf sind. Es gilt zu verhindern, dass diese in die USA gelangen. Ein Überläufer (Iko Uwais, „The Raid“) bietet Informationen an und verlangt im Gegenzug Asyl. Silva soll ihn von der US-Botschaft zum Flughafen eskortieren: eine Strecke von 22 Meilen. Damit es nicht zu profan bleibt, baut Berg noch einen zweite Handlungsstrang mit bösen Russen ein.
Auf den 22 Meilen geht es dann ziemlich zur Sache. Wenn Iko Uwais mit Handkanten schlägt, dann tut das beim Zuschauen weh, und das Waffenarsenal von Silva & Co. wummert brachial, blutig, zynisch. Das alles packt Peter Berg irgendwo zwischen „16 Blocks“ und „The Raid“. Cool, denkt der Action-Fan. Und da sind wir beim Problem: Cool ist hier so ziemlich gar nichts.
Oder ist das jetzt der New Way: Dem Action-Helden so überhaupt keine Sympathien zuzustecken? Die Protagonisten sind kaltblütige Mörder, ihr Chef ist ein humorloser Stänker. Wahrscheinlich versucht Berg, dadurch mal das ewige Gut-Böse-Schema zu durchbrechen, indem er im Rundumschlag einfach allen die Moral abspricht. Nur, wenn einem am Ende sämtliche Beteiligten egal sind, ist das kläglich gescheitert. Irgendwann überlegt man, ob Silvas Launen witzig sein sollen. Sie sind es aber nicht. Überhaupt nimmt sich der Actioner viel zu ernst und wirkt in seiner Tonalität beinahe so, als erzähle er eine wahre Geschichte, wie die letzten drei Filme von Berg mit Wahlberg („Lone Survivor“, „Deepwater Horizon“, „Boston“).
Erschwerend hinzu kommt, dass Mark Wahlberg hier deutlich an seine Grenzen stößt, den hochbegabten Akademiker-Söldner nimmt man ihm nämlich so gar nicht ab. Als alberne Macke trägt Silva dann noch ein Gummiband ums Handgelenk, mit dem sich der Elitesoldat (!) in Stresssituationen auf die Haut zwirbelt. Totaler Quatsch. Ein unsympathischer Held in einem seelenlosen Film, der zwar actionreich Tempo hält, aber weder Rhythmus noch Spannung findet. Schade. Das kann Peter Berg besser. Und zu allem Überfluss verlangt „Mile 22“ nach einer Fortsetzung.
(Hartmut Ernst)

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