
Der Spion
Großbritannien 2021, Laufzeit: 112 Min., FSK 12
Regie: Dominic Cooke
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan
>> www.derspion-film.de/
Akurates Spionagedrama
Weltretten um jeden Preis
„Der Spion“ von Dominic Cooke
Greville Wynnes ist der sprichwörtliche Kleinbürger: Geschäftsmann in Sachen Elektrogeräte mit kleinem, noch nicht abbezahltem Häuschen, Frau Sheila kümmert sich um den Haushalt und den gemeinsamen Sohn. Um Stress abzubauen, trinkt Wynnes Abends gerne einen zu viel über den Durst, denn die Geschäfte laufen nicht gut, die Ehe ist eintönig. Doch plötzlich ändert sich sein gesamtes Leben: Emily Donovan vom CIA und Dick Franks vom MI-6 sprechen Anfang der 1960er Jahre den etwas einfältig wirkenden Briten an. Sie wissen, dass er als Geschäftsmann gute Kontakte in den Osten hat. Und sie wissen auch, dass er Geldprobleme hat. Eine gute Kombination, um Wynne als Kurier zu rekrutieren. Er soll in der Sowjetunion Kontakt zu dem sowjetischen Offizier Oleg Penkowski aufnehmen, der sich um die westlichen Wirtschaftsbeziehungen der Sowjetunion kümmert. In Russland glaubt man außerdem, dass Penkowski geheime Wirtschaftsinformationen an Land zieht. Stattdessen arbeitet er aber auch für den Westen als Doppelagent. Und so reist der unbescholtene Wynne nach Moskau, lernt Penkowski kennen und baut eine regelmäßige Geschäftsbeziehung mit ihm auf. Zugleich lernen sich die beiden Männer näher kennen und freunden sich allmählich an. Penkowski vermittelt dem Westen schon früh die Pläne für den Mauerbau in Berlin. Und kurz darauf gibt Penkowski auch wichtige Informationen bezüglich der russischen Raketen auf Kuba über Wynne an den Westen, denn er will um jeden Preis verhindern, dass der nukleare Konflikt eskaliert. Die Informationen zeigten Kennedy, wie gefährdet die USA durch die russischen Nuklearsprengköpfe tatsächlich in der Krisensituation waren und haben ihn zu einem sehr besonnenen Handeln veranlasst. Im Sinne des Weltfrieden nimmt die Krise einen glücklichen Verlauf, für Penkowski und Wynne beginnt das Drama jedoch erst. Die westlichen Geheimdienste erhalten Informationen, dass ihre russische Quelle aufgeflogen sein könnte. Für die professionellen Geheimdienstler ist das nur ein Kollateralschaden – Pech! Doch für Wynne ist Penkowski mehr als nur eine Quelle, und er will seinen Freund retten. Ein letztes mal reist er nah Moskau …
Regisseur Dominic Cooke, der vor allem als Theaterregisseur bekannt ist, hat 2021 Ian McEwans „Am Strand“ verfilmt. Sein neuer, auf wahren Begebenheiten basierender Film, ist ein klassisch inszenierter Spionagethriller, der so ähnlich vielleicht auch in der Zeit, in der er angesiedelt ist, hätte entstanden sein können. Akkurat ausgestattet, aber ohne genreübliche Action, führt er den Zuschauer ohne große Hast in das Szenario ein: zunächst der biedere Alltag des Protagonisten und dann seine spannenden Verquickungen bis hin in die große Weltpolitik. Benedict Cumberbatch („1917“, Doctor Strangeim „Avengers“-Kosmos, Sherlock Holmes in der Fernsehserie „Sherlock“) spielt den urplötzlich und etwas überfordert in eine komplett neue Welt katapultierten Wynne großartig, während die Figur des russischen Spions Penkowski schon im Drehbuch etwas zu knapp angelegt ist. Dessen Angst und Mut balanciert Merab Ninidze allerdings sehr nachvollziehbar aus, was nicht unerheblich zu diesem speziellen Blick in die Zeit des Kalten Kriegs beiträgt, der zwischen exzessiven Trinkgelagen und unterschwellig unangenehmer Stimmung schwankt.
(Christian Meyer-Pröpstl)

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