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André Villers: Picasso als Popeye (Ausschnitt), Cannes 1957
Foto: Peter und Irene Ludwig Stiftung, Aachen © André Villers

Ein fotogener Künstler von Welt

Fotografische Porträts von Picasso und seine Malerei im Museum Ludwig – Kunst in Köln 10/11

Ein bisschen muss man aufpassen, dass man die Kunst nicht aus den Augen verliert. Denn Pablo Picasso (1881-1973) verstand, sich in Szene zu setzen – und damit natürlich die Wünsche der Fotografen und der Öffentlichkeit zu erfüllen und die Wahrnehmung seiner Person zu steuern. Er ist ein Gesamtkunstwerk. Befähigt nicht nur in allen damaligen künstlerischen Gattungen bis hin zur Keramik, waren seine Auftritte beim Stierkampf, auf dem Weg dahin, im Kreis seiner Familie Attraktionen, festgehalten von den berühmtesten Fotografen der Zeit. Zu sehen ist also weniger ein Bohemien als vielmehr ein kontrolliert agierender Medienstar mit einem – schon für sich – äußerst fotogenen Gesicht. Natürlich tragen die Aufnahmen von solchen Meistern wie Henri Cartier-Bresson, David Douglas Duncan oder Jacques-Henri Lartigue den Zwiespalt zwischen dem eigenen künstlerisch-handschriftlichen Anspruch und der Kontrolle durch Picasso aus.

Durch die intelligente Präsentation, die Vielzahl und Dichte der kleinformatigen Aufnahmen gelingt es nun der Ausstellung im Museum Ludwig, den Betrachter immer mehr im Dschungel der Persönlichkeit Picassos zu verstricken, und fast scheint es, als führe der Monomane Picasso selbst hier noch Regie. Auf den Fotografien steht er im Mittelpunkt, und zwar oft ausschließlich. Und wenn auf den Fotos das Atelier zu sehen ist oder die Malereien an der Wand hängen, dann bleibt doch das künstlerische Werk im Hintergrund. Erst recht über die Genese seiner Kunst erfahren wie erstaunlicherweise so gut wie nichts bei diesen doch sehenswerten fotografischen Aufnahmen. Dieses Defizit holt das Museum Ludwig nun energisch nach, anhand des eigenen Sammlungsbestandes.

Wichtig für die Struktur der Schau im ersten Obergeschoss ist ja bereits, dass sie mit Porträts der Fotografen ausläuft, in der Mehrzahl handelt es sich um Selbstbildnisse, die etwa in einen Spiegel hinein aufgenommen wurden. Und unvermittelt, aber ausgesprochen schlüssig geht es hier mit Picassos eigener Kunst weiter, aus unterschiedlichen Werkphasen: Linker Hand führt noch ein Raum zum Kubismus von Picasso und seinen Kollegen, rechter Hand geht es dann zu den kapitalen Gemälden, anhand deren wir überhaupt Picasso und vielleicht sogar die moderne Kunst kennengelernt, uns daran gerieben und es schließlich verstanden haben. Zentriert vor diesen Räumen steht die Plastik „Frau mit Kinderwagen“ (1941), die bei genauem Hinsehen ergreifend ist – Picasso arbeitet an der Zuspitzung und Beseelung, und da war ihm ein solches (übrigens modernes und ungewöhnliches) Sujet gerade recht, das in seinem Humor noch autobiographisch zu lesen ist. Zu den wichtigsten Gemälden in Köln gehören der „Harlekin mit gefalteten Händen“ (1922) und die „Frau mit Artischocken“ (1941), die aus unterschiedlichen Perioden stammen. Bei Picasso folgte eines rasant aufs andere, ehe er schließlich über die verschiedenen Stile frei verfügte und sie virtuos und zupackend, nur vermeintlich respektlos, immer berührend einsetzte. All das und noch viel mehr teilt der großartige, von Irene und Peter Ludwig zusammengetragene Bestand mit. Zugleich geht die Ausstellung ins Detail: Direkt im Mittelgang, also an die Fotografien anschließend, ist Picassos Radierfolge „La Celestina“ (1968) aus der „suite 347“, seinem vorletzten druckgrafischen Komplex, ausgestellt. Dabei handelt es sich um 66 Radierungen mit Zuckeraquatinta, die auf der Tragikomödie von Fernando de Royas von 1499 basieren. Bereits 1904 hatte Picasso die Kupplerin La Celestina selbst gemalt. In der Folge der 66 Blätter nun breitet er den Epos so aus, dass er von Abstoßung und Inbesitznahme, Verbrechen und Liebe, Schönheit und Hässlichkeit und auch – als basso continuo seines eigenen Haupt- und dann späten Werkes – Jugend und Alter, Agilität und Vergänglichkeit handelt. Also auch damit ist Picasso im Epizentrum seines Schaffens, und vielleicht ist es diese Dualität, die gerade seine Selbstinszenierungen für die Fotografen ausmacht.

„ichundichundich – Picasso im Fotoporträt“ und Werke von Pablo Picasso aus dem eigenen Bestand I bis 15.1. 2012 I Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Köln I www.museum-ludwig.de

Thomas Hirsch

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