Der 1971 im Londoner Stadtteil Harlesden geborene Paul Bettany hatte vor 10 Jahren seinen Durchbruch mit den Kassenschlagern „Ritter aus Leidenschaft“ und „A Beautiful Mind“. Es folgten ganz unterschiedliche Filme wie „Dogville“, „Firewall“, „Tintenherz“, „The Da Vinci Code – Sakrileg“ oder „The Tourist“, in denen der 1,91 m-große Brite gerne auf schurkische Rollen festgelegt war. In „Der große Crash – Margin Call“, der für das vergleichsweise bescheidene Gesamtbudget von 3,5 Millionen Dollar entstand und am Vorabend der Finanzkrise von 2008 angesiedelt ist, spielt Bettany nun einen Börsenmakler.
choices: Mr. Bettany, Ihr Co-Star Zachary Quinto war auch einer der Produzenten des Films. Wurde dadurch die Zusammenarbeit mit den anderen Schauspielern eingeschränkt?
Paul Bettany: Überhaupt nicht! Das Ganze war eine Gemeinschaftsarbeit, wie man sie ansonsten nur äußerst selten erleben kann. Jeder war auf eine ganz besonders einnehmende Weise in das Projekt involviert, weil wir nur sehr wenig Geld dafür bekamen und der Film in unglaublichen 17 Tagen gedreht wurde, was ein sehr intensives Erlebnis war. 85% oder sogar noch mehr des Films wurden an einem einzigen Schauplatz gedreht, in den Büroräumen. Das verleiht dem Film eine ganz eigene Wirkung, weil er dadurch auch sehr klaustrophobisch wird. Und man hat in jeder einzelnen Einstellung die fantastischsten Blicke auf die Skyline von Manhattan im Hintergrund.
Warum haben Sie dem Projekt zugestimmt, auch wenn dafür kaum die üblichen Gagen gezahlt werden konnten?
Ich hatte eigentlich geglaubt, dass Kevin Costner mit dabei sei. Ich war sehr enttäuscht, als ich herausgefunden habe, dass es der andere Kevin war, Spacey. (lacht)
Könnten Sie sich auch vorstellen, einmal selbst Ihre Filme zu produzieren?
Man kann einer der heiß begehrtesten Schauspieler der Welt sein, und trotzdem ist man machtlos, wenn man immer nur darauf wartet, dass ein anderer für einen die Rollen auswählt und sie abnickt. Ich habe es nie auf die Reihe bekommen, meine eigene Filmgesellschaft zu gründen, aber ich finde es höchst bewundernswert, was Zachary geschafft hat. Das ist wirklich beeindruckend.
Was wissen Sie über den Prozess der Filmfinanzierung?
Das ist meiner Meinung nach ein äußerst fehlerhaftes System. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die dabei die Namen der auf der Besetzungsliste stehenden Schauspieler in ein Programm eingeben, damit es ihnen die Geldsumme ausspuckt, die sie in das Projekt investieren können. Namen sind der Geldwert einer Filmproduktion. Wenn man als Schauspieler Risiken eingeht und Filme dreht, die an ihrem Startwochenende keine Millionen einspielen, dann bricht die eigene Aktie ein.
War es schwierig für Sie, die ganze Finanzfachsprache für Ihre Rolle zu lernen?
Nein, eine Menge meiner Dialoge hatten eher einen sehr menschlichen Anstrich. Außerdem war das Drehbuch sehr geradlinig und klar umrissen. Persönlich habe ich mit Finanzdingen allerdings nicht sehr viel am Hut. Bis vor Kurzem habe ich mein Geld und meine Schecks noch in ein Glas gestopft und dann irgendwann herausgefunden, dass ich dem Finanzamt noch Steuern zahlen muss. Erst als ich Vater geworden bin, habe ich damit angefangen, diese Dinge etwas ernster zu nehmen, und einen Buchhalter angestellt, der das für mich in den Griff bekommt. Also war ich in diesem Metier blutiger Anfänger. Es war auch eine faszinierende Angelegenheit, all diese Börsenhändler und Leute zu treffen, die wir in dem Film spielen sollten.
Was haben Sie dabei gelernt, als Sie die Börsenmakler getroffen haben?
Man hat im Vorfeld ja immer schon seine Erwartungen. Jeder von uns macht sich vorher schon so seine Gedanken, wie seiner Meinung nach diese Leute sind. Einige dieser Erwartungen haben sich erfüllt, andere haben sich als vollkommen falsch erwiesen. Das Ergebnis war eine Mischung aus „Ich hab’s ja gewusst“ und ehrlicher Überraschung. Ich hätte nie gedacht, dass ich solch unglaublich kreative Menschen treffen würde, aber genau das sind die meisten von ihnen. Wenn man einmal in Ruhe darüber nachdenkt, liegt das sogar nahe. Denn ihnen gelingt es immerhin, aus Nichts Geld zu schaffen (lacht).
Mit welchem Job haben Sie bisher am schwersten Ihr Geld verdient?
Da gibt es mehrere. Ich hasste es, Kellner zu sein oder Barmann. Das ist wirklich schrecklich, darin war ich auch nicht besonders gut. Ich bin dabei immer sehr schnell wütend geworden. Und ich habe auch mal versucht, als Straßenkünstler mit meiner Gitarre über die Runden zu kommen. Das war auch nicht viel besser. Wenn ich französische Studenten erblickt habe, hab ich immer was von „The Cure“ gespielt, weil die damals in Frankreich total angesagt waren. Ich musste also immer auf die Sprache der Leute achten, um dann meine Songs darauf abzustimmen.
Sie haben kürzlich Rollen in Science-Fiction-Fantasy-Filmen wie „Legion“ und „Priest“ gespielt. Macht es Ihnen Spaß, solche Rollen zu spielen?
Wenn man als kleines Kind schauspielert, dann spielt man doch gerne Börsenmakler, oder? (lacht) Nein, natürlich rennt man mit Waffen in der Gegend herum und ballert um sich, das macht Spaß. Ich wäre anmaßend, wenn ich behaupten würde, dass das nicht auch als Erwachsener noch Spaß macht. Ich finde das einfach klasse. Aber mir gefällt es auch, in ruhigeren Rollen wie in diesem Film zu spielen. Die Erfahrungen während der Dreharbeiten könnten aber dennoch kaum unterschiedlicher sein. Wenn man einen Vampirfilm dreht, muss man darauf achten, was man isst, jede Menge Fitnesstraining absolvieren und lernen, wie man richtig kämpft. Nach einem intellektuellen Nährwert sucht man bei solchen Filmen natürlich nicht. Bei „Margin Call“ hingegen hatte ich nun nicht erwartet, dass ich vorher Wochen im Fitnessstudio zubringen und in der Gegend rumspringen muss. Der Film erinnerte mich vielmehr an meine idealistischen Vorstellungen, die ich als junger Schauspielstudent von meinem zukünftigen Beruf hatte.

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