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Regisseur Paul Poet zu Gast im Filmforum
Foto: Frank Brenner

Wider die Form

„Empire Me“ im Filmforum – Foyer 02/12

Mittwoch, 18 Januar: Mit der NRW-Premiere des Dokumentarfilms „Empire Me“ von Paul Poet wurde im Filmforum gleichzeitig auch die Eröffnung des „Stranger Than Fiction“-Festivals gefeiert. Als Leitmotive der 2012er Edition konnte Festivalleiter Dirk Steinkühler in diesem Jahr „Bürgermeister“ und das „Alleinsein“ ausmachen. Immerhin um Eigenbrötler, die sich ihr eigenes Königreich zurechtbasteln, ging es dann auch in Poets Eröffnungsfilm. Sechs verschiedene gesellschaftliche Gegenentwürfe porträtierte er in seinem Werk, dessen erste Idee bis ins Jahr 2003 zurückreicht. Damals hatte er Christoph Schlingensiefs Container-Aktion filmisch begleitet und danach nach neuen Formen des Widerstands auf globaler Ebene Ausschau gehalten.

Seinen Filmkomponisten Alex Hacke von den Einstürzenden Neubauten hatte Poet auch über Schlingensief kennengelernt, als die Band damals im Container aufgetreten war. Eine Teilnahme am 1. Weltkongress der Mikronationen in der Nähe von Helsinki entfachte dann das Interesse des österreichischen Filmemachers, sich dieser Thematik filmisch anzunähern. Dabei verzichtete er bewusst auf die formellen Mechanismen herkömmlicher Dokumentarfilme und unterlegte „Empire Me“ eher mit philosophisch-künstlerischen Erzähltexten anstelle von erläuternden Kommentaren. Darauf vom Premierenpublikum angesprochen, verteidigte Paul Poet sein Vorgehen: „Mein Wunschbild ist, dass sich mein Publikum im Nachhinein über die genauen Hintergründe informiert. Ich wollte vor allem inspirieren, mir ging es um den menschlichen Kern, der hinter den einzelnen Geschichten steckt.“ Darüber hinaus wollte der Filmemacher die ideologische Vielfalt der exemplarisch vorgestellten Gegenentwürfe gleichberechtigt zeigen – ohne, dass alles mit zu vielen Fakten überfrachtet würde. Dass er ausgerechnet mit Visionen vom Untergang der Gesellschaft in sein Thema einführte, löste bei einigen Zuschauern ebenfalls Unverständnis aus. Poet erwiderte, dass eine Apokalypse ja durchaus auch die Möglichkeit für einen Neuanfang biete. Und ganz so pessimistisch wie einige Zuschauer sah er die vorgestellten Beispiele ebenfalls nicht: „Ich finde alle Beispiele hoffnungsvoll, weil es all diesen Gesellschaftsformen gelingt, Menschen glücklich zu machen.“

Frank Brenner

Tags: Filmforum

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