2007 legte sich die Filmpalette einen zweiten Kinosaal zu, das Odeon folgte nun dem Beispiel: Aus dem Einzelspielhaus wurde am 6. November ein Kino mit zwei Leinwänden. Der Charme des ursprünglichen Saals blieb erhalten, jetzt finden dort 223 Zuschauer Platz, im neuen Saal 90. Jürgen Lütz ist Filmverleiher und leitet neben der Filmbühne Bonn seit 2007 das Odeon, dessen Besucherzahlen nach anfänglichen Einbrüchen aufgrund des U-Bahn-Baus in der Severinstraße mittlerweile wieder stabil sind.
Was ist der Vorteil von einem zweiten Saal?
Der zweite Saal ist erstmal ein Arbeitssieg. Man kauft sich ein Werkzeug. Wir sind ein Erstaufführungshaus in Köln, wir wollten unsere Filme gescheit anbieten. Sprich: mehr Vorstellungen und längere Auswertungszeiten. Wir sind ein Stadtteilkino, die Leute hier in der Südstadt schätzen uns sehr, und die wollen jeden großen Filmkunstfilm bei uns sehen. Und bisher konnte ich ihnen nur jeden zweiten zeigen.
Eure Programmausrichtung bleibt erhalten?
Unser Schwerpunkt liegt weiterhin auf europäische Filmkunst-Erstaufführungen mit einem Faible für Dokumentarfilme. Darin geht es um reale Personen, und das hat dann einfach sehr viel mit dem eigenen Lebens-Horizont zu tun. Und das ist einfach ein Kernanliegen des Filmkunstkinos.
Gibt es weitere Programmpunkte?
Ich werde versuchen, einen Gesprächskreis zu etablieren, mit dem ich beim Publikum ein Bewusstsein, eine Kompetenz für Film schaffen möchte. Das heißt nicht, dass hier Leute irgendwelche Einordnungen machen und einen philosophischen Vortrag halten, sondern dass die Zuschauer einfach versuchen, sich über die Gefühlssituation der Protagonisten, der Situation oder der Rolle klar zu werden.
Du leitest auch ein Bonner Kino – gibt es da gegenüber Köln Vorteile?
Da gibt es einen ganz entscheidenden Vorteil: Die Tageszeitung. Der Film hat mehr Platz im Generalanzeiger. Das Schöne ist, dass der Film in Bonn im Feuilleton integriert ist, wo er meines Erachtens auch hingehört. Das Magazin ist so ein Ding für Wellness und Freizeitgestaltung - die kulturelle Bedeutung des Films kommt im Generalanzeiger deutlicher zur Geltung, weil der Film dort klar zwischen Musik und Theater steht. Eben in einem klassisch geführten Feuilleton. Und der Platz ist auch variabel. Das heißt, wenn wir wenige Angebote haben in Bonn, dann gibt es eben nur eine Seite plus Filmspiegel. Wenn aber viel im Angebot ist, kriegen wir auch schon mal drei große Seiten. Das finde ich viel angemessener als diese Standardform vom Stadtanzeiger. Es ist einfach viel Wert: Dass man eine Tageszeitung hat, der es wichtig ist, die kulturelle Relevanz von Film in Bezug zu den anderen Kulturanbietern klarzumachen.
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