Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

11.028 Beiträge zu
2.964 Filmen im Forum


Frank Köllges/Klaus Huber
Fotos: Hyou Vielz/Ars Vitalis

Verabredete Dadaisten

Frank Köllges und Klaus Huber sind tot – Theaterleben 02/12

Wenn ein sich selber freiwillig zusammenwürfelndes Orchester begnadeter Musiker auf die zuckenden Gesten eines Frontmannes reagiert – die teils klein den einzelnen zum Solo auffordern, teils mit großer Geste das große Rund von Trompete bis Elektro-Rad zum Kollektiven Bums ermutigen – wenn diese Freidenker auf den fuchtelnden Steuermann „hören“ und das große Ganze, obwohl es in jeder Sekunde wieder zusammenzubrechen droht, fast unfreiwillig einen höheren Sinn ergibt, dann muss dieser Frontmann etwas ganz Besonderes sein. Der Schlagzeuger, Komponist und Performance-Künstler Frank Köllges war etwas ganz Besonderes. Er verstarb am 1. Januar 2012 in Neuss.

1969 gründete Köllges die Performance-Gruppe „padlt noidlt“, ehe er von 1970 bis 1975 an den Musikhochschulen in Graz und Köln studierte. 1979 wurde padlt noidlt „das wahnsinnige Orchester“ des Zirkus Roncalli. In den 1980ern gründete er mit weiteren Weggefährten die Gruppe „Klimarkant“ sowie die Industrial-Band „Die Krupps“. Eines ihrer Werke: „Die Stahlwerksinfonie“. Nach weiteren Ausbildungen als Sozialpädagoge und Steuermann an Bord des Segelschulschiffes „Sigandor“ eröffnete er mit seinem Ensemble „Adam Noidlt Intermission“ 1987 die documenta in Kassel. Unvergessen sind die Abende, als der Nachmieter seines Lofts in Köln-Mülheim – und dies war Teil des Wohnungsdeals – immer am letzten Freitag im Monat seine Türen für die Adam-Noidlt-Musiker und Besucher bis in die Morgenstunden öffnen musste. Improvisierte Musik, Live-Zeichnungen und Bohnensuppe in einer Kölner Privatwohnung. Augen auf beim Unterzeichnen von Mietverträgen! Toll! Bis zuletzt spielten „Adam Noidlt Missiles“ die Freitage dann im Kunsthaus Rhenania. Die Raupe Nimmersatt, der geniale Tausendsassa bei unzähligen Festivals, Theater-, Rundfunk- und Fernsehprojekten ist zur Ruhe gekommen ... die Totentrommel, welche er anlässlich der Beerdigung einer Kölner Schauspielkollegin auf dem Südfriedhof anschlug, ist endgültig verstummt.

Der 1. Januar 2012 war kein guter Tag, denn neben Frank Köllges verstarb am Neujahrstag ein weiterer markanter kluger Kopf der hiesigen Szene – Klaus Huber. Mit Peter Wilmanns und Buddy Sacher bildete Huber seit 1979 die gigantische Musik-Kabarettgruppe ARS VITALIS. Selbst bezeichnen sie sich seit 30 Jahren als „Die Enkel des Pierre de Naufrage“, der als belgischer Schleusenwärter allerlei Höllenmaschinen erfunden haben soll: „Naufrage etwa bedeutet im Wortsinn Schiffbruch und im übertragenen Sinn das Schwinden wahnwitziger Hoffnungen, das Aus jeder Utopien.“ Über sich selber schrieben Ars Vitalis: „Und wenn die drei Männer inzwischen auch gelernt haben, in ganzen Sätzen zu sprechen ... zuweilen fällt ein Wort ins Niemandsland zwischen Bühne und Publikum, und eine erstaunliche Suche beginnt, denn mehrere Töne sind dem Wort hinterhergesprungen und fehlen nun auch ...“

Die genialen Dadaisten Frank Köllges und Klaus Huber scheinen entgegen ihrer Gepflogenheiten für den 1. Januar 2012 eine Verabredung getroffen zu haben – sie sind dem Leben von der Schippe gesprungen und treiben ihren göttlichen Unfug fortan woanders. Was für eine Lücke! Was für ein Verlust ...

JÖRG FÜRST

Bühne.

Wütendes Kind
Movingtheatre mit der Uraufführung von „ÜBERdasLEBEN“ in der Comedia

Die Bilanz zum Vierzigsten
Theater am Sachsenring spielt rasant-komisches Stück über das Leben ab 40 - Komikzentrum 05/12

Multipolaristen am Werk
Das Sommerblut-Festival der Multipolarkultur bis 28. Mai - Theater am Rhein 05/12

Bewegendes vom Rand der Gesellschaft
„Sommerblut“ präsentiert im Mai ein „Festival der Multipolarkultur“ - Komikzentrum 05/12

Versuch am lebenden Objekt
„Krankheit der Jugend“ im Tiefrot - Theater am Rhein 05/12

Langsame Küsse für wohltätige Kleinkünstler
Beim Prix Pantheon 2012 wird die Moral auf den Prüfstand gestellt - Komikzentrum 04/12

Grass lässt grüßen
Zum „Kulturinfarkt“ – Theaterleben 05/12

Hühnerfleisch süß-sauer
Rüdiger Pape inszeniert „Der goldene Drache“ im Bauturm - Auftritt 05/12

Being fucked up
„Wastwater“ als Zeitgeist-Triptychon am Schauspielhaus - Theater am Rhein 05/12

Die uralte Echse macht den Kopf frei
Der Puppenspieler Michael Hatzius lässt ein Reptil die Wahrheit sagen – Komikzentrum Köln-Bonn 03/12

Theatrale Zellteilung
„Schneeschuhhasen“ in der Orangerie - Theater am Rhein 05/12

Komplexe Klänge mit vollem Körpereinsatz
Ass-Dur, Basta und die von Afrika träumende Trude lassen es krachen – Komikzentrum Köln-Bonn 02/12

Drei Männer und (k)ein Baby
„Der demografische Faktor“ am Schauspiel Köln - Auftritt 04/12

Endabrechnungen leicht gemacht
Auf der „Schlachtplatte“ werden politische Dumpfbacken serviert – Komikzentrum Köln-Bonn 01/12

Stimmen, wie man sie nie gehört hat.
Festival „open_voice/2“ in der Orangerie - Theater am Rhein 04/12

Zahnloser Tiger
Ein Kulturfördergesetz für NRW - Theaterleben 04/12

Das Leben als Delirium
Brechts „Puntila“-Komödie am Kölner Schauspiel - Auftritt 02/12

Pimp your X-mas!
Mark Britton und Kollegen motzen die Adventszeit kräftig auf – Komikzentrum Köln-Bonn 12/11

Ohne Atem
Kulturentwicklung in Köln – Theaterleben 03/12

Pop hinterm Vorhang
Stockmann-Drama im theater der keller - Theater am Rhein 04/12

Lachfalten als gute Freunde
„Geriatrische Kleinkunst“ liegt voll im Trend – Komikzentrum Köln-Bonn 11/11

Einsame Lebensstrampler
K. Magnusson im Freien Werkstatt Theater - Theater am Rhein 04/12

Alles, nur keine Langeweile
Über 240 Künstler beim 21. Köln Comedy Festival – Komikzentrum Köln-Bonn 10/11

Erhellende Geistesblitze
Naturschauspiele mit vielen wilden Weibern und einem Cello - Komikzentrum Köln-Bonn 09/11

Der Schoko und die Miss
Stefan Nagel inszeniert „Othello“ im Theater der Keller – Auftritt 02/12

Blut am Schuh
Gedanken über die Polizei - Theater am Rhein 04/12

Schöne Bescherung
Köln ehrt seine Freien Theater – Theaterleben 01/12