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‚Prada‘ (Ausschnitt), London 2002, aus der Serie ‚Mayday at Mayfair‘
Foto: © Immo Klink, Courtesy Kaune, Sudendorf Galerie, Köln

Spielwiesen der Superreichen

Ausstellung „Closed Shop“ in der Galerie Kaune, Sudendorf – Kunst in Köln 01/12

An einem Tag im Jahr verwandeln sich in London die großen Designer-Shops von Prada und Versace, Donna Karan und Chanel in Bretterbuden. Am 1. Mai stehen die großen Demonstrationen an, und dann werden die Fassaden der Geschäfte mit Sperrholzplatten – ähnlich wie beim Rosenmontagszug in Köln – zum Schutz vor Randalierern vernagelt. Man duckt sich weg vor dem Mob der Straße, und im letzten Jahr konnte man ja auch über Tage hinweg im Fernsehen beobachten, warum das so ist. Immo Klink hat seine Fotografien in London schon im Mai 2002 innerhalb von nur drei Stunden aufgenommen. „Mayday at Mayfair“ nennt der ehemalige Anwalt und spätere Assistent von Wolfgang Tillmans seine Serie, in der die Luxus-Marken der westlichen Welt Land unter verzeichnen.

Die Galerie Kaune, Sudendorf zeigt die Arbeiten des 40-jährigen Klink jetzt unter dem Titel „Closed Shop“ in einer Präsentation mit fotografischen Arbeiten der in New York lebenden Jacqueline Hassink. Die niederländische Konzeptkünstlerin öffnet den Blick auf einen Teil des Innenlebens der modernen Konsumpaläste. Sie zeigt uns die „Fitting Rooms“ von Emanuel Ungaro, Jean-Louis Scherrer oder Chanel, die sozusagen das Allerheiligste der Modehäuser darstellen, weil in ihnen die vermögenden Kunden ihre Wahl treffen und dabei durchaus die Millionengrenze überschreiten. Jacqueline Hassink interessiert sich für die Räume der Macht, in einem früheren Projekt dokumentierte sie die Konferenzsäle der multinationalen Konzerne. Hier also das Refugium der weiblichen Superreichen, das in jedem der Modehäuser – trotz stilistischer Unterschiede etwa zwischen dem akzentuierten Ambiente von Chanel und dem nervösen Interieur von Jean-Louis Scherrer – auf verwirrende Weise mit komplexen Spiegelkonstruktionen ausgestattet ist. Wer hier nicht den Boden unter den Füßen verliert, ist nicht von dieser Welt. Aber wer die Orientierung über seine Sinne verloren hat, der wird auch nicht mehr in der Lage sein, die Scheine nachzuzählen, die hier vonnöten sind.

Es ist zwar ein dezenter, dafür aber subtiler Blick, mit dem Jacqueline Hassink in die inszenierte Welt der luxuriösen Konsumindustrie eindringt. Die ordinäre Version hatte sie schon auf den Automobilmessen fotografiert, wo sich die „Car Girls“ auf den Motorhauben der Luxuskarossen räkeln. In den Designer-Palästen geht es leiser zu, und doch vermag das edle Ambiente nicht über jene Spur obszöner Entäußerung hinwegzutäuschen, die dem Konsumieren auch in diesem Rahmen anhaftet. Obwohl sich der künstlerische Ansatz von Immo Klink in seiner spontanen Direktheit deutlich von der konzeptionellen Raffinesse Jacqueline Hassinks unterscheidet, entblößt auch er den Fetischismus, mit dem die Ausschließungssysteme zwischen der reichen Klientel und dem Rest der Welt funktionieren. Schon bei Hassink spielen die Kleider im Bild kaum eine Rolle, in Klinks Fotografien existierten dann nur noch die Schriftzüge der Markennamen, deutlicher kann man den Fetisch des Begehrens kaum auf den Punkt bringen.

„Closed Shop“ | Galerie Kaune, Sudendorf, Albertusstr. 26, Köln | bis 25.2., geöffnet Di-Sa 13-18 Uhr | Tel. 0221 99 20 33 37 | www.ks-contemporary.com

Thomas Linden

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