Das sind die Tücken eines Museums mit einer bedeutenden Sammlung. Im Kölner Museum Ludwig geht die Gedächtnisausstellung für Irene Ludwig, die im November 2010 gestorben ist, etwas unter. Gemeinsam mit ihrem schon 1996 verstorbenen Mann Peter ist sie Namensgeberin dieses Museums, im Gegenzug für die zahlreichen Schenkungen und Stiftungen von Kunstwerken, die sich eine Kommune niemals leisten könnte. Die kabinettartige Ausstellung nun richtet den Fokus auf das Ehepaar selbst mit der Kunst, die im Wohnhaus in Aachen hing. Zu sehen sind jeweils ein Werk etwa von Picasso – über den Peter Ludwig seine Doktorarbeit geschrieben hat, und der ein wichtiges Kapitel in der Sammlung bildet – und von Roy Lichtenstein, der den wichtigen Anteil US-amerikanischer Pop Art im Museumsbestand repräsentiert, oder von Pollock und Jawlensky, wobei Papierarbeiten überwiegen. Freilich, mit dem Wissen um die Sammlungen des Ehepaar Ludwig und dem, was derzeit etwa zur amerikanischen Pop Art aus dem einstigen Besitz im Untergeschoss hängt, nehmen sich diese privaten Bilder bescheiden aus. Interessant wird die Ausstellung erst durch die Fotografien, die Candida Höfer im Wohnhaus aufgenommen hat. Sie schildern das Ambiente mit den nun ausgestellten Bildern und zeigen, wie das Ehepaar die Moderne mit älterer Kunst verknüpft und auf die Räume reagiert hat. Getreu ihrer fotografischen Haltung bleibt der Blick von Candida Höfer sachlich, die Zimmer sind gleichmäßig ausgeleuchtet und bewahren doch eine grundsätzliche Diskretion. Aber deutlich wird, wie sehr Kunst für das Ehepaar Ludwig Teil des Lebens war, im respektvollen Gegenüber sozusagen selbstverständlich und unverzichtbar.
Das trifft ebenso auf das Ehepaar Marianne und Viktor Langen zu, deren Sammlung in der Langen Foundation, auf der Raketenstation bei Neuss, bewahrt und präsentiert wird. Auch der aktuellen Ausstellung liegt ein Datum mit Bezug zur Sammlerin zugrunde, der 100. Geburtstag von Marianne Langen (1911-2004). Zu diesem Anlass werden die unterschiedlichen Sammelgebiete aus verschiedenen Kulturkreisen erstmals zusammen gezeigt, und zwar so, dass eine durchgehende Handschrift der Sammlung erkennbar wird. Jeweils für sich und doch in Sichtkontakt sind die Kunst des 20. Jahrhunderts, die japanische Kunst aus mehreren Jahrhunderten sowie die buddhistischen Skulpturen und die kleinformatigen Objekte der präkolumbianischen Kultur ausgestellt. Man könnte einzelne Beiträge hervorheben, etwa den eindrucksvollen Japanraum mit dem Rollenpaar mit Ansichten von Kyoto oder das beiläufig präsentierte Ensemble von Malereien von Nicolas de Stael, Lucio Fontana, Cézanne und Nicholson. Gleich mehrere Bilder sind von Jean Dubuffet zu sehen; großartig sind auch die Werke der amerikanischen Kunst zur Mitte des 20. Jahrhunderts, etwa mit dem Relief von Louise Nevelson. In der an sich kühlen Architektur von Tadao Ando bilden die Exponate eine Einheit, bei der sich mitunter das Gefühl einstellt, mitten im Wohnzimmer der Sammler zu stehen. Die erste Erwerbung des Ehepaar Langen war übrigens eine Arbeit von Alexej von Jawlensky, bei dem Ehepaar Ludwig war es Karl Hofers Gemälde „Nach dem Bade“ – das eine ist jetzt in Neuss, das andere in Köln zu sehen.
„Im Andenken an Irene Ludwig“ I bis 24. Juni im Museum Ludwig in Köln I www.museum-ludwig.de
„Hommage an Marianne Langen“ I bis Dezember in der Langen Foundation in Neuss I www.langenfoundation.de
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