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Lieber bunt oder schwarz?
Foto: Francis Lauenau

Nomen est omen

Intro zum Magazin 06/11

Vor kurzem kalauerte eine Boulevardzeitung mit der Schlagzeile: „Schwarzer-Tag für Kachelmann“. Die Verballhornung des Nachnamens der frauenbewegtesten aller Frauen ist allerdings nicht neu. Bereits Mitte der 1970er Jahre übersetzte Otto Waalkes den Satz „This is Alice Schwarzer“ mit „Das sind alles Schwarze“. Abgesehen davon, dass es höchst unfein ist, sich über den Namen der bekannten Wahlkölnerin lustig zu machen, bleibt natürlich eine Frage: Wäre die Frauenemanzipation in den vergangenen 40 Jahren anders, vielleicht weniger polarisierend, gar bunter verlaufen, wenn Alice Schwarzer nicht Alice Schwarzer hieße? Namen können das Leben auch farbiger machen. Claudia Roth, Rosa von Praunheim, Graham Green, Jimmy Blue Ochsenknecht, Pink – wie grau wäre die Welt ohne sie? Ach was, trotz der Vehemenz, mit der Alice gegen Kachelmänner und Kopftuchfrauen kämpft, können wir froh sein, dass wir sie haben, so schwarz-weiß, wie sie eben ist. Diskurs gehört zur Demokratie. Und hätte dieses Land 1949 nicht per Zwangsernährung Demokratie erhalten, hieße die bekannteste Frau im Staat auf lange Zeit Eva Braun.

Wie wird es mit dem Gedächtnis der Stadt weitergehen? Leidet Köln nun chronisch unter Amnesie?

Apropos Geschichte – zwei Jahre nach dem Einsturz des Stadtarchivs fragen wir uns, wie es mit dem Gedächtnis der Stadt weitergeht. Leidet Köln nun chronisch unter Amnesie? Wird das neue Archiv ein Disneyland für Schul- und Familienausflüge? Müssen wissenschaftlich arbeitende Historiker draußen bleiben? DAS ARCHIV DER ZUKUNFT ist das choices-Thema im Juni. Auch die Popkomm in Köln ist schon länger Geschichte. Der Tochter der Mutter aller Musikmessen, der c/o pop, geht es inzwischen viel besser als der treulosen Mama, die in Berlin-Tempelhof gelandet ist. WIR SIND HELDEN werden nach Köln kommen, ansonsten gibt es Techno und allerlei andere Elektromusik sowohl in Kirchen, auf Plätzen, in Clubs und natürlich in der PHILHARMONIE. Aber die Bühnen der Stadt sind nicht nur für Musik, sondern auch für das Schauspiel da, im Juni insbesondere für Theater aus Burkina Faso. Theater aus Burkina Faso? Wo liegt Burkina Faso? Und gibt es dort Theater? choices sprach mit ETIENNE MINOUNGOU, dem Leiter des burkinischen Festivals „Récréâtrales“, Partners des Kölner Festivals „africologne“, das im THEATER IM BAUTURM stattfindet. Tatsächlich, in Westafrika gibt es Theater, wird der Eurozentrist belehrt, und zwar Theater zur Aufklärung, um Aids und Genitalverstümmelung einzudämmen, aber auch Theater als künstlerisches und gesellschaftliches Ausdrucksmittel.

Im Kino wird es in diesem Monat mitunter lustig. EINE INSEL NAMENS UDO erzählt von einem fast unsichtbaren Kurt Krömer, der nur von einer jungen Frau gesehen werden kann. Diese wird gespielt von FRITZI HABERLANDT. Mit ihr sprachen choices über Krömer, Komödie und Theater. Sehr viel ernster wird die Geschichte DIE FRAU DIE SINGT erzählt. Warum will eine alte Frau nackt, ohne Sarg und auf dem Bauch liegend, begraben werden? Warum schickt sie ihre Kinder in ihre alte Heimat Libanon? Wen finden diese dort? Antworten auf diese Fragen wird es nur im Kino geben. Das gilt auch für einen sommerlichen Juni.

LUTZ DEBUS

choices spezial.

Tina in Düren
Intro zum Monat Mai 05/12

Der liebe Herr Lukas P.
Intro zum Monat April 04/12

Nun messen sie sich auf politischem Parkett
Eine Reportage aus Honduras: über zwei Präsidenten und ein brisantes Duell an den Wahlurnen – Ungeschminkt 03/12

„Europa hat die Menschenrechte vergessen“
Im Interview: Manuel Zelaya, der vom Militär gestürzte frühere Präsident von Honduras – spezial 03/12

Neben der A57
Intro zum Monat März 03/12

„Jewollt und nit jekonnt“
Intro zum Monat Februar 02/12

Ein Käse mit vielen Löchern
Kölns Kulturentwicklungsplan im Gespräch – spezial 01/12

Falling down am Kölner Ring
Intro zum Monat Januar 01/12

Auslegen, anbauen, aufdecken
Entdeckungen auf der Essener SPIEL ‘11 – choices spezial 12/11

Bambi-Bitch
Intro zum Monat Dezember 12/11

Findling 35

Liebe Frau Piel!
Intro zum Monat November 11/11

Die schwarze Gefahr
Intro zum Monat Oktober 10/11

Von Ameisenkünstlern und anderen Überfliegern
Erfolgsmeldungen aus der Kölner Hochschullandschaft - Jubiläum 10/11

Zum Durchdrehen
Intro zum Monat September 09/11

Müffelnde Mädchen
Intro zum Monat August 08/11

Heavy Metal
Intro zum Monat Juli 07/11

Hoch die Tassen und Gläser!
Findling 07/11

Bunga Bunga Balla Balla
Magenbitter 05/11

Das Doppelkoppmonster
Intro zum Magazin 05/11

taz-Medienkongress in Berlin
In Berlin wurde die Zukunft der Medien verhandelt. Die taz hatte geladen, um zu klären, wie Mister Twitter Old Mubarak stürzte - choices spezial 04/11

Atomausstieg - nachhaltig umschalten!
Ökologische Gegenwarts- und Zukunftsfragen - die Kulturmagazine choices, engels und trailer-ruhr seit vielen Jahren mit 'grünen Seiten', nicht erst seit Fukushima - choices spezial 04/11

Verrückt nach mehr
Findling 04/11

Kunst durch Vorbeischauen
Dämonen sind schlau. Viele Reize, wenig Tatsachen - Magenbitter 04/11