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… das südliche Rodenkirchen mit seinem ebenso unansehnlichen Rathaus mit Eberhard Petschel einen Grünen-Bezirksbürgermeister
Foto: Dieter Wolf

„Lange im Amt bleiben“

Johannes Maubach über Basisdemokratie, Bürgervereinigungen und Heimatpflege – Thema 02/12

Bürgervereine sind lang etablierte politische Gremien, die in der politischen Landschaft wichtige basisdemokratische Aufgaben übernehmen. Die Ehrenfelder Bürgervereinigung ist eine solche Institution, die den direkten Draht zu den Veedelsbewohnern hat. Der Vorsitzende Johannes Maulbach über seine Arbeit.

choices: Herr Maubach, die Ehrenfelder Bürgervereinigung nimmt seit fast 60 Jahren basisdemokratische Aufgaben wahr. Als sie begann, war der Begriff Basisdemokratie noch nicht erfunden.
Johannes Maubach:
Das ist richtig. Der Rat war weit, und die Bürgervereinigung war seinerzeit Sprachrohr der Menschen im Viertel. Sie stellte die Verbindung zur Politik her. Die Themen der damaligen Zeit waren aus heutiger Sicht höchst aktuell. Die Sanierung (Alt-)Ehrenfelds war in den 1950ern Thema. Und im Jahr 1966 forderte der Bürgerverein bereits die Einrichtung einer Bezirksvertretung.

Machen dezentrale politische Gremien wie eine Bezirksvertretung die klassische Bürgervereinigung nicht überflüssig?
Nein! Es hat sich nämlich gezeigt, dass es gerade für die vielen traditionsreichen Vereine schwerer ist, ihre Wünsche geltend zu machen. Die Wege sind für sie länger geworden.

Wenn Bürgervereine ähnlich wie ein gewähltes politisches Gremium arbeiten, was ist denn anders?
Johannes Maubach
Foto: Dieter Wolf
Johannes Maubach ist seit 1991 Vorsitzender der Ehrenfelder Bürgervereinigung. Der pensionierte Grundschullehrer und -rektor engagiert sich seit vielen Jahren auch in der Roma-Initiative TELE-Romanes.
Das Andere äußert sich schon im Satzungsziel. Der Verein ist parteipolitisch und konfessionell neutral. Wir widmen uns der Heimatgeschichte, wir unterstützen die lokale Kunst- und Kulturszene, haben uns als aktuelles Ziel Integration und Verständigung der multikulturellen Gruppen im Stadtteil Ehrenfeld zum Ziel gesetzt und vergessen dabei nicht, ursprüngliche Schwerpunkte wie die Erhaltung historischer Bauwerke oder die Förderung des traditionellen Karnevalsbrauchtums und des Heimatgedankens.

Was ist daran positiv, dass es neben dem Bürgervereinsvorsitzenden einen Bezirksbürgermeister gibt?
Ganz einfach. Da er vor Ort lebt und wirkt, ist er (der Bezirksbürgermeister, Anm. d. Red.) greifbar, Dinge können schnell und spontan angesprochen werden. Die Bezirkspolitik ist nicht so weit entfernt wie der Rat.

Was sind im Rückblick die wichtigen Leistungen der Ehrenfelder Bürgervereinigung?
Die Bürgervereinigung hat 1958 zum Beispiel die Herausgabe des Ehrenfelder Wochenspiegels, der Keimzelle des Kölner Wochenspiegels, initiiert. Auf ihren Druck hin wurde seinerzeit die A57 in Tieflage gebaut und überdeckelt. Das waren große Themen, die heute eine Bezirksvertretung anpacken würde.

Ist eine Bürgervereinigung alten Stils dann nicht überflüssig geworden? Passen Bürgervereine noch in unsere politische Landschaft, und was müsste sich ändern?
Wie unsere Satzung uns vorgibt, sind Themen wie Geschichts- und Heimatpflege wichtige Arbeitsschwerpunkte. Das heißt nicht, dass der Verein sich beispielsweise nicht auf seine Weise an der Diskussion ums Helios-Gelände beteiligt. Wir sind aber ein buchstäblich „alter“ Verein. Wir müssen jünger werden und auch Menschen mit Migrationshintergrund integrieren. Deshalb haben wir auch einen neuen Kassierer gewählt, der erst 27 Jahre alt ist. Er muss nun länger im Amt bleiben, als er jetzt alt ist. (lacht)

Interview: Dieter Wolf

Tags: Thema 02/12

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