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Soul Explosion: Ian Svenonius von Chain and the Gang
Foto: Angel Ceballos

Garantiert mitreißend

Ein vielseitiges Konzertprogramm von funky Hardcore bis Sufi-Trance - Unterhaltungsmusik 06/11

Erst mal mit einem Kalauer einsteigen: Sie sind slow und heißen Low! Das Mormonen-Trio lehnt zwar den Begriff Slowcore für sich ab, zur groben Skizzierung ihres Indie-Sounds passt es aber dennoch zu gut. Den Konzertsaal bitte bestuhlen (1.6., 20 Uhr, Gebäude 9). Die brauchen sicher keine Bestuhlung und sind schon längst Institution: No Means No bereichern den Hardcore und Punk seit dreißig Jahren mit ihren ungewöhnlichen Songs, die zugleich funkig und selbstzerstörerisch sind. Und dazu dieser erhebende Gesang … (2.6., 20 Uhr, Gebäude 9). Chain and the Gang ist Ian Svenonius‘ zweite Band neben Weird War. Der ehemalige Soulman von The Make Up macht nach wie vor gut abgehangenen Soul, Funk und R'n'B mit Stil und ist ein großartiger Entertainer (6.6.,20 Uhr, Tsunami). Stil hat auch Neil Hannon von The Divine Comedy. Very British, könnte man seinen klassizistischen Retropop nennen, bei dem gerne Streicher im Himmel hängen. Aber der Mann ist Nordire, da sollte man vorsichtig mit britischen Unterstellungen sein (9.6., 20 Uhr, Bürgerhaus Stollwerk). Auch Shantel und sein Bukovina Club Orkestar steigen mal wieder in Köln ab und machen bestimmt bestens gelaunt Balkan-Party (10.6., 20 Uhr, Gloria). Der jazzinfizierte Art-Rock von Capillary Action erinnert gleichermaßen an 70er Jahre-Bands wie Henry Cow und aktuelle wie Dirty Projectors. Mit Bläsern, vertrackten Rhythmen und unzähligen Breaks konstruieren sie ihre Songs so wackelig, dass sie beinahe zusammenbrechen. Was ja auch sicher ein interessanter Effekt wäre (10.6., 20 Uhr, King Georg).

Hands Up – Excitement ist ein achtköpfiges Berliner Kollektiv, und alleine das dürfte den Auftritt im kleinen King Georg schon sehenswert machen: wie soll das gehen – rein räumlich? Falls es doch klappt – man kann ja zusammenrücken – erwarten den Besucher von Gitarren und Streichern getragene, melancholische Songs. Mit dabei übrigens: das Schauspieler-Ehepaar Julia Malik und August Diehl (16.6., 20 Uhr, King Georg). Der frech-fröhliche Rock von Cage the Elephant spielt gerne mit laut-leise Kontrasten. Nicht umsonst werden sie zunehmend mit den Pixies verglichen. Ob es wirklich stimmt, kann man jetzt auch live nachprüfen (21.6., 20 Uhr, Luxor). Das Konzert der Bright Eyes um Conor Oberst war bereits ausverkauft. Nun wurde es vom Gloria in das E-Werk verlegt und dort sollte genug Platz sein, um alle Fans unterzubringen. Die Band präsentiert das neue Album „The People's Key“, das sie auch schon komplett auf You Tube streamt – im Video die Band, die im Wohnzimmer mithört (21.6., 20 Uhr, E-Werk).

Zarte Songs mit Gitarre und Gesang machen On Foot, ein Klavier kommt auch mal vorsichtig hinzu. Im Juni stellt das Kölner Duo sein zweites Album „Come closer“ live vor (25.6., 20 Uhr, Café Katinka / Klettenberg). Den leisen Tönen haben sich auch die vier Musikerinnen von Warpaint verschrieben, wenngleich ihr Bandname eher kämpferisch klingt. Sie lassen mitunter an ätherische Momente der New Wave denken (28.6., 20 Uhr, Kulturkirche). Highlight des Monats ist vielleicht das Konzert der Master Musicians of Jajouka in der Reihe Reconstructing Song. Die Beatnigs haben bereits davon geschwärmt, Brian Jones hat sie aufgenommen und Ornette Coleman, Patti Smith und Flea haben zusammen mit ihnen gespielt: Die Truppe macht traditionelle Sufi-Trance Musik – garantiert mitreißend (30.6., 20.30 Uhr, Stadtgarten).

CHRISTIAN MEYER

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