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Andreas Blühm im choices-Interview
Foto: Wolfgang Hippe

Dem Tier eine Seele geben

Andreas Blühm über Kunst, Mensch und Tier in Europa – Thema 07/11

choices: Herr Blühm, seit wann erschafft der Mensch Bilder von Tieren?
Andreas Blühm:
Die ersten Höhlenmalereien, die wir kennen, zeigen Tiere, keine Menschenporträts. Sie waren das erste, das der Mensch gemalt hat, als er ein Stück verbrannte Kohle in die Hand nehmen konnte.

Andreas Blühm
Andreas Blühm ist seit 2005 Direktor des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud in Köln. Er kuratierte u.a. die Ausstellung „Tierschau. Wie unser Bild vom Tier entstand“. Mehr unter: www.wallraf.museum
Im Laufe der Zeit hat sich natürlich der Blick auf das Tier verändert.

Aber das Tier ist zunächst über sehr lange Zeit das ganz Andere geblieben, in dem der Mensch sich spiegeln konnte. Der Gedanke, Mensch und Tier könnten sich näher stehen, als man ahnte oder fürchtete, kam sehr viel später auf. Man versuchte, diese These auch wissenschaftlich zu untermauern. Man verglich den Knochenbau und stellte schon vor Darwin Evolutionslehren auf. Zugleich begann man in Europa, den Tieren eine Seele, also wirkliche Gefühle zuzusprechen. Das wurde grob gerechnet im 18. Jahrhundert Gemeingut.

Zuvor hatte René Descartes das Tier noch ganz klassisch als Maschine definiert …
Es dürfte auch zu seiner Zeit schon Menschen gegeben haben, die nicht so dachten. Im Zuge der Aufklärung setzte sich schließlich die Meinung durch, alles Wilde, nicht nur Tiere, auch exotische Menschen etwa aus Afrika, besäßen eine Seele. Ich verwende hier mal die historische Bezeichnung.

In Ihrem Museum gab es auch ein Bild mit dem Titel „Transfusion mit Ziegenblut“, eine etwas bedenkliche Annäherung an das Tier.
Der dort bei einer Operation dargestellte französische Arzt ging wohl einen Schritt zu weit. Er meinte, Menschen auch mit Tierblut heilen zu können. Schafblut etwa sollte nervöse Patienten ruhig stellen, denn die Tiere galten als ruhig und man hoffte so, einen Teil ihres Temperamentes übertragen zu können. In der Tat eine etwas unglückliche Mischung, die natürlich nicht funktioniert hat.

Werden Tiere ein Thema in der Kunst bleiben?
Ich nehme an, dass das Thema unsere Gesellschaft weiterhin beschäftigen wird. Deshalb werden sich auch Künstler weiter damit auseinandersetzen. Die Kunst reflektiert dabei auch Details der Tierhaltung, der Ernährung von Tieren und der Ernährung durch Tiere. Ganz objektiv kann man sagen, dass das Tier in der Gegenwartskunst sehr wichtig ist. Nicht nur bei Plastiken und Bildern. Denken Sie an Beuys, der sich mit einem Kojoten einschließen ließ. Es ging ihm um die Frage, wie weit die Kommunikation zwischen Mensch und Tier eigentlich geht. Das ist ein ganz grundsätzliches Thema von Anfang an.

INTERVIEW: WOLFGANG HIPPE

Tags: Thema 07/11

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