Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27

11.026 Beiträge zu
2.963 Filmen im Forum


David Abbott
Foto: Matthew Abbott

Debütant mit Perfektion

David Abbott schreibt einen lebenssatten Roman - Literatur 07/11

Wie schreibt man als Anfänger einen guten Roman? Genauso, wie ein etablierter Autor. Man entwickelt das dichte Porträt des Protagonisten, schafft ein Geflecht von Nebenfiguren, die kurz aber prägnant gezeichnet werden und entwickelt eine schlagkräftige Dramaturgie. Das Wichtigste ist jedoch, dass man sich in der Welt auskennt, in der die Geschichte spielt. David Abbott kennt die Welt der Unternehmensberater gut, er weiß, wie in den oberen Etagen großer Firmen, gedacht und gehandelt wird. Er kennt die Gier, den Ehrgeiz und die Defizite im Privatleben, die sich unweigerlich beim Durchstarten der Karriere ergeben.

David Abbott hat als Gründer einer der erfolgreichsten Werbeagentur Englands ein Leben in der Geschäftswelt zugebracht. Dann – mit über 70 Jahren – setzte er sich an den Schreibtisch und schrieb den Roman „Die späte Ernte des Henry Cage“. Ein herrliches Buch, das klug, effektvoll und zupackend geschrieben ist. Wenn man es gelesen hat, möchte man vorne wieder anfangen. Tatsächlich beginnt der Roman mit einem Paukenschlag. Abbott hat sozusagen das Ende an den Anfang gesetzt, indem er in einer einzigen langen Rückblende erzählt, wie es zu den Ereignissen des Beginns kommen konnte. Henry Cage ist in Pension gegangen, mit einer Intrige hat man ihn aus dem Geschäftsleben verabschiedet und ihm diesen Schachzug mit Abschiedsfeiern und einem Sack Geld versüßt.

Nun stellt Henry fest, dass um ihn her ein emotionales Ödland entstanden ist. Seine Frau hat ihn verlassen, sein Sohn hat sich abgewendet, enge Freunde gibt es nicht. Durch einen Zufall hat er die Aufmerksamkeit eines Kriminellen erregt, der ihn mit gezielten Aktionen zu schikanieren beginnt. Der Roman erzählt, wie Henry das Leben wiederentdeckt. Eine Beziehung mit einer jungen Frau ergibt sich, bei der Sex eine Rolle spielt. Manche Niederlage muss Henry einstecken, aber er beginnt die Fäden der verlorenen Beziehungen wieder aufzunehmen. Abbott gibt dem Roman eine sinnliche Note, indem er die Welt von Ehefrau, Sohn, Enkel, Geliebter und das Umfeld des penetranten Gauners wie Filmbilder entstehen lässt.

Die manchmal zu appetitliche Perfektion dieser kleinen Szenen ist vielleicht die einzige Schwäche des Romans. Dafür halten einen die klugen Schauplatzwechsel zwischen London, dem ländlichen Norwich und dem fernen Florida aber stets unmittelbar an der Story. In David Abbott begegnet man einem Debütanten, der das Handwerk des Schreibens jedenfalls besser beherrscht als viele seiner etablierten Autorenkollegen.

Am 12. Juli um 20 Uhr liest David Abbott in Köln in der Buchhandlung Bittner (Albertusstr. 6, Tel. 257 48 70).

David Abbott: Die späte Ernte des Henry Cage. Deutsch v. Peter Torberg. dtv premium 258 S., 15,40 €.

Thomas Linden

Literatur.

Wie der Körper die Wahrheit sagt
Uni Köln ehrt den Franzosen Michel Serres – Literatur 05/12

Life’s a Bitch
Wortwahl 05/12

Konflikt-Comics
ComicKultur 05/12

Das perfekte Duo
Zeruya Shalev stellt auf der lit.Cologne ihren besten Roman vor – Literatur 04/12

Das Böse mit dem Beil abhacken
Davide Longo stellt seinen epochalen Roman auf der lit.Cologne vor - Literatur 04/12

Hitler in der Zeitmaschine
ComicKultur 04/12

Braindead
Wortwahl 04/12

Im Innern des Verbrechens
Kriminalromane ohne Ermittler - Textwelten 04/12

Leichte Beats, schöne Texte
Leif Randt bei WDR 3 open: WortLaut live

„Nur aus Jux und Tolleranz“
Sprachkritiker Bastian Sick bittet zur kabarettistischen Deutschstunde ins Gloria – Literatur 04/12

Liebesflucht und Liebessehnsucht
Arnon Grünberg bei der lit.Cologne

Ereignis im Zeichen der Kokosnuss
Christian Kracht`s Lesung in der Kulturkirche Köln

21 Tage auf hoher See
Michael Ondaatjes Besuch in Köln

Ententhusiasmiert
Wortwahl 03/12

Privatheit für alle
ComicKultur 03/12

Die Ungeduld der Dreißigjährigen
Sarah Kuttner stellt ihren Roman „Wachstumsschmerz“ in Köln vor - Literatur 02/12

Als der Sex noch keine Reue kannte
Raoul Schrott in der Nacht der erotischen Literatur – Literatur 02/12

In bester Erinnerung
Wortwahl 02/12

Umfassendes Sittenportrait
ComicKultur 02/12

Programmleiterin geht
Veränderungen im Literaturhaus Köln – Literatur 02/12

Christmas Hotel
Wortwahl 01/12

Ein Buch der Freude
Drei großartige Berichte über den Tod – Textwelten 01/12

Aufgebrochener Erzählfluss
ComicKultur 01/12

Schwebend Comics lesen
ComicKultur 12/11