Braun gefärbte Räume, schlichte Rahmungen, dazwischen „Spiral Betty“ (2010), ein Objekt aus Neonröhre und Glas, dreidimensionales Abbild des Spiralen-Betty-Buchentwurfs von 1988, der mit Schreibmaschine, Plastik und Faden gestaltet wurde. Das wiederum nimmt Bezug auf "Spiral Jetty", eine schneckenartige Landart aus Sand und Steinen von Robert Smithson am Großen Salzsee in Utah. Es ist nicht die einzige Adaption anderer Kunstwerke in der Ausstellung. Rosemarie Trockel, international renommierte Künstlerin, Professorin und doch ein typisches Produkt der 1980er, als der weltweite Kunstmarkt explodierte und jedermann und jederfrau, der/die über ein bisschen Kapital verfügte lieber eine Galerie aufmachte, als Stadtplaner, Lehrer oder Junkie zu sein oder zu werden. Hier fand die Leverkusenerin schnell ihren Platz, wurde die deutsche Vertreterin von Frauenthemen zwischen Feminismus und Herdplatten. Dass es sich gelohnt hat, kann man im Bonner Kunstmuseum auch an den Schildchen sehen, da gibt es kaum etwas, was nicht verkauft worden wäre, und sei es nur die schnelle Skizze mit Bügeleisen oder der „Mondrian“ auf Milimeterpapier. Respekt dafür.
Aber die Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe Trockels sind auch ein wichtiger Bestandteil ihrer ständigen Auseinandersetzung mit Kunst und Gesellschaft, sie stehen, wie die anderen Medien auch mit denen sie arbeitet, ein wenig im Schatten der berühmten Woll- und Herdplattenbilder. Viele, die ihre aktuellen Videoarbeiten sehen, wissen nicht, dass alles bereits vor 30 Jahren mit Super8 angefangen hat. Trockel zeigt in Bonn auch eine große Anzahl ihrer Cover, die zwar Titel transportieren aber keine Texte. Als Mischform kann man die Zeichnung „Benachbarte Felder“ (1990) ansehen. Zu sehen ist ein auf zwei Rechenkästchenpapieren montiertes Strahlemannbild von John F. Kennedy, darüber ein fiktiver Lyrikband mit Arbeiten aus den letzten neun Monaten der US-amerikanischen Schriftstellerin Sylvia Plath vor ihrem Selbstmord. Die wurde posthum bekannt und zu einer Symbolfigur der Frauenbewegung, er − na ja, die Geschichte kennen wir. Beide Sympathie-Systeme verbindet Trockel mit einem gezeichneten Quadrat, das auch die zwei unterschiedlich großen Papiergrößen in der Waage hält.
Die Ausstellung im Kunstmuseum ist sicher nicht das was Rosemarie Trockel sich als Retrospektive in Bonn erträumt hatte. Andere waren da in der Ausstellungshalle der Republik omnipräsenter, sie lieferte bereits 1993 dazu ein Stern-Titelbild, auf der eine Frau sich „mit neuen Maschen“ Geld erstrickt. Ein ironischer Hinweis auf die Strukturen im Kunstmarkt oder doch nur feministische Kritik an der männlichen Dominanz im System Kunst? Viel wichtiger als das Abhaken ihrer bekannten Werke ist ein paar Schritte weiter diese jahrzehntelange zeichnerische Reise ins Dahinter und Davor und ins Jetzt. Bei neuesten Zeichnungen mit Hunden (Acryl und Grafit auf Papier) bekommen Pinscher eine neue Form (2010), soll heißen einen Kopf, die allerneusten Kästen „Study for the girlie show (2011) schafften es nicht einmal mehr in den Katalog.
„Rosemarie Trockel – Zeichnungen, Collagen, Buchentwürfe“ I Bis 4.9. Kunstmuseum Bonn I 0228 77 62 60
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