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Bushido – ein leuchtendes Vorbild, sogar für Kinder
Foto: Francis Lauenau

Bambi-Bitch

Intro zum Monat Dezember 12/11

Als am 28. September 1978 in Bonn ein Knäblein mit rehbraunen Äuglein zur Welt kam, da ahnte weder die anwesende Mutter noch das umstehende Klinikpersonal, dass jener Junge gut 33 Jahre später den Bambi verliehen bekommt. Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt als Bushido, erhielt den früher einmal begehrten Fernsehpreis im vergangenen Monat für seine Integrationsleistungen. Und viele sagten, dass der Berliner Gangsterrapper die Trophäe nicht verdient habe. Wegen seiner Frauenfeindlichkeit. Wegen seiner Schwulenfeindlichkeit. Wegen seiner Menschenfeindlichkeit. Aber viele sagten auch, dass der Berliner Gangsterrapper die Trophäe sehr wohl verdient habe. Weil der goldene Paarhufer eine gerechte Strafe sei für des Rappers schändliches Tun. Aber kaum jemand regte sich darüber auf, dass Berlin Bonn mal wieder bestohlen hat. Erst den Rang als Bundeshauptstadt, jetzt den Rang als Banditenhauptstadt. Bonn aber ist sich einig. Entweder bekommen wir den Hauptstadttitel und Bushido zurück, oder ihr bekommt unsere Kongresshalle und unser Festspielhaus als Dreingabe.

Unser Thema ist in diesem Monat leicht vorzustellen: Bazong! Würg! Grübel! Kicher! Schnauf! COMICSTADT KÖLN beschäftigt sich mit der Kunstform, der vor 60 Jahren noch jugendgefährdende Eigenschaften attestiert wurden. Donald ist quasi der Bushido der Adenauerzeit. Inzwischen wird Köln mehr und mehr zur Comic-Stadt, nicht zuletzt wegen des Cöln Comic Haus‘ in der Bonner Straße. Genreverwandt präsentiert sich die neue Ausstellung im MUSEUM LUDWIG. Die Arbeiten der Wahlkölnerin COSIMA VON BONIN zitieren zuweilen Märchen und Comics. Pinocchio heißt am Hintereingang des Museums die Besucher willkommen. Fast so derb wie Bushido spricht der schändliche Jago in Shakespeares Klassiker „Othello“, zumindest in der Inszenierung des THEATERs DER KELLER. choices sprach mit dem Regisseur über Mohrenköpfe auf der Bühne und den nicht mehr so tiefen Graben zwischen städtischem und freiem Theater. In Letzterem gibt es interessante neue Inszenierungen zu vermelden. In der ORANGERIE widmet sich das Stück DEGAS – ICH WERDE NICHT DA SEIN, WENN DU MICH BRAUCHST dem berühmten französischen Maler und Bildhauer. Das Werk von Heinrich von Kleist wird in der STUDIOBÜHNE KÖLN in die heutige Zeit verfrachtet. Auch hier lässt der Bambi-Preisträger bezüglich der Wortwahl grüßen. Goethe gibt’s im THEATER TIEFROT. Die mit weißem Kittelchen bekleidete Iphigenie wird umringt von nur mit Tigerfellen bekleideten Wilden. Das klingt nach großem Kino.

Im Kino wiederum wird in diesem Monat Theater gezeigt. Nachdem Roman Polanskis Karriere fast wie die eines Weltbankpräsidenten geendet wäre, ist er nun wieder höchst produktiv. In der schon auf etlichen Bühnen präsentierten Komödie DER GOTT DES GEMETZELS geraten zwei Elternpaare heftigst aneinander. Hier wird noch alttestamentarisch im Sinne von „Zahn um Zahn“ vollstreckt. THE IDES OF MARCH – TAGE DES VERRATS von George Clooney zeigt einen fiktiven Schmuddelvorwahlkampf in den USA, anders, aber nicht weniger empfehlenswert.

LUTZ DEBUS

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