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The Dead Don’t Die

Wir Zombies

10. Juni 2019

Die Filmstarts der Woche

Centerville ist eine friedliche verschlafene Stadt. Die Polizei muss höchstens mal eingreifen, wenn Farmer Miller den Eremiten Bob beschuldigt, ihm ein Huhn geklaut zu haben. Dabei ist Farmer Miller (Steve Buscemi) ein anerkannt rechter Stinkstiefel, der gerne mal eine Kappe trägt mit der Aufschrift „Keep America White Again“. Auch wenn der Name Trump nicht fällt, geistert der aktuelle Präsident als Unheilsbringer durch Jim Jarmuschs neuen Film „The Dead Don’t Die“ (Cinedom, Odeon, UCI, OmU im OFF Broadway, OV im Metropolis), und mit ihm die aktuelle Lage der westlichen Zivilisation. Außenseiter Bob (Tom Waits mit Rastafrisur) ist so etwas wie der Mann mit dem Überblick, er lebt im Wald, beobachtet mit dem Fernglas das Geschehen und interpretiert es für uns. Es gibt ein Diner, eine Tankstelle, einen Laden für alles mit einem Filmkenner hinter der Theke und ein Bestattungsinstitut, das von einer seltsamen Dame aus Schottland (Tilda Swinton mit Samuraischwert und Elfenfrisur) übernommen wurde. Durch den Ort und die Umgebung kutschieren uns in ihrem Polizeiauto die beiden lakonischen Polizisten Chief Robertson (Bill Murray) und Ronnie Peterson (Adam Driver), unterstützt in der Polizeistation von der rationalen Mindy (Chloë Sevigny). Nachdem der Casus mit dem geklauten Huhn zu den Akten gelegt ist, stellen die beiden fest, dass es trotz fortgeschrittener Stunde nicht dunkel wird, dass außerdem im Radio nur ein Sender zu hören ist, der den beliebten Titel „The Dead Don’t Die“ in Dauerschleife spielt. Im Fernsehen wird vom nahen Weltuntergang gesprochen, durch „Polarfracking“ haben sich die Erdachsen verschoben, das Ende naht. Als dann der erste Untote sich aus seinem Grab arbeitet, ist die Überraschung einseitig: das Publikum erwartet es längst, die Bewohner von Centerville wundern sich. Mit trockenem Humor, unterhaltsam und auf milde Art böse holt Jarmusch seine gierigen Zombies auf die Leinwand - seine Untoten sind Zombies der Moderne: Ihnen geht es nur ums Haben und natürlich ums Fressen. Die Gesellschaftskritik verleiht „The Dead Don’t Die“ eine Meta-Ebene, unterstützt von zahlreichen Film- und Eigenzitaten.

Nach 40 Jahren Ehe von ihrem Mann betrogen, lässt die 63-jährige Britt-Marie (Pernilla August) alles bis auf ihren Kontrollzwang hinter sich und zieht nach Borg, um Jugendfußballtrainerin zu werden. Zunächst  spiegelt das Kaff in seiner Tristesse Britt-Maries Seelenzustand wider, doch dann lernt sie die Menschen kennen. Ja, man kann die fußballphilosophische Komödie „Britt-Marie war hier“ (Cinenova, Rex am Ring, Weisshaus) als Frauenvariante von „Ein Mann namens Ove“ sehen, schließlich hat der Schwede Frederick Backman beide Romane geschrieben. Und ja, Britt-Maries klassische Spätselbstfindung schwappt mit einer ganzen Welle von Ü60-Filmen wie „Edie“, „Book Club“ und „Ein letzter Job“ ins Kino. Aber beides ist ja nicht zwingend verkehrt. Der „Blind Spot“-Regisseurin Novotny bleibt bei den lustigen und den traurigen Momenten immer schön leise.

Außerdem neu in den Kinos: László Nemes' faszinierendes Historiendrama „Sunset“ (Filmpalette), Lilian Francks und Robert Cibis' Doku-Fiktion „Fuck Fame – Die Geschichte von Elektropop-Ikone Uffie“ (Filmpalette), Stéphane Haskells Heilsgeschichte „Yoga – Die Kraft des Lebens“ (Odeon), F. Gary Grays SF-Sequel „Men in Black: International“ (Cinedom, Cineplex, Residenz, Rex am Ring, UCI, OmU im Metropolis) und Gail Mancusos Tierabenteuer „Bailey: Ein Hund kehrt zurück“ (Cinedom, Cineplex, Rex am Ring, UCI).

Redaktion choices.de

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