Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31 1

12.417 Beiträge zu
3.694 Filmen im Forum

09/20 Mein Freund der Baum

FRAGEN DER ZEIT
Redaktionsskizze: wie choices & Co. das jeweils nächste Thema planen für choices/Köln, engels/Wuppertal und trailer/Ruhrgebiet
Drei Magazine in NRW – ein THEMA

Foto: Alexandra Giese / Adobe Stock

Chance oder Mahnung? Optimistische Stimmen drückten zu Beginn der Corona-Pandemie die Hoffnung aus, nun sei Gelegenheit, unsere Wirtschaftsweise umzugestalten: Konjunkturprogramme sollen fördern konsequent ökologisch nachhaltiges Produzieren und Konsumieren. Die Gegenstimmen warnen seitdem, gerade in der Krise dürfe auf keinen Fall am Bisherigen gerüttelt werden, um wieder Tritt zu fassen. Beide Seiten werden ihre Hoffnungen nicht voll erfüllt sehen, zu einem konsequenten Neustart jedenfalls wird es gewiss nicht kommen – was nicht ausschließt, dass die Krise rückblickend als Beschleunigerin des ökologisch-ökonomischen Wandels gedeutet wird. Die Freude darüber aber dürfte verhalten bleiben, denn ist es nicht längst viel zu spät? Da ist der Klimawandel. Das Wissen um die Wirkung von Treibhausgasen ist annähernd 200 Jahre alt. Da ist das Artensterben – infolge des Klimawandels, aber ebenso unabhängig davon durch die Zerstörung von Lebensräumen, auch durch illegalen Tierhandel und Wilderei. Der Schock über die neuen Dimensionen des Artensterbens hält in der Fachwelt an und hat ein breiteres Publikum erreicht. Das Anthropozän zeigt sich längst von seiner übelsten Seite. Als Konsequenz könnte der Mensch sich in naher Zukunft auf einem menschlicheren Planeten wiederfinden als ihm lieb sein kann. Denn selbst wenn sich der Klimawandel bis zur Mitte des Jahrhunderts als beherrschbar erweisen sollte, könnte es nach derzeitigem Stand für einen Großteil der Flora und Fauna zu spät sein. Viel Grund zur Sorge, ja zum Pessimismus. Aber Bangemachen gilt nicht. Wie steht es um das Leben auf der Erde? Was wird dafür getan? Was ist zu tun?

 

Medienteil EINS: Mensch und Baum


Es zeugt nicht von der edelsten Ethik, auf den Eigennutz guter Handlungen zu schauen. Trotzdem, auch der Erhalt der sogenannten Ökosystemdienstleistungen und das Vermeiden von Katastrophen motiviert die Menschheit zum Klimaschutz. Diese Leistungen aber bleiben verlässlich nur dann, wenn die vielzitierten Kipppunkte vermieden werden. Strittig ist, ob sie noch gemieden werden können oder gar schon überschritten sind. Mit dem Tauen des Permafrosts beispielsweise ist das Entweichen ungeahnter Mengen Methans wahrscheinlich und damit drastische klimatische Kettenreaktionen. Extremwetter, höhere Jahresmitteltemperaturen, Hitzewellen, belastetes Trinkwasser, Überschwemmungen, gestiegene Meeresspiegel, Ernteausfälle zählen dann zu den nahenden und sich verschärfenden Herausforderungen für Gesundheit, Leben und Überleben der Menschen. Gegen manches mag Technik helfen, aber nicht alle Folgen lassen sich beispielsweise durch höhere Dämme abmildern. Auch unabhängig vom Klimawandel ist es schon aus purem Selbstinteresse beispielsweise geboten, sämtliche Lebensräume zu erhalten, darunter besonders sensible und bedrohte wie Mangroven oder Korallenriffe. Die Faustregel: Kein Lebensraum, keine Art darf aufgegeben werden. Denn was aus ihrem Verschwinden folgen würde, ist ungewiss. Nicht zuletzt gehen mit den Arten auch mögliche Ressourcen für Medikamente verloren.

 

Medienteil ZWEI: Baum unter Bäumen

 

Bäume Pflanzen gegen den Klimawandel, eine plausible und weltweit praktizierte Maßnahme. Forscher:innen der Eidgenössichen Technischen Hochschule Zürich plädieren für ein Drittel mehr Waldflächen weltweit, ohne Städte oder Agrarflächen zu beeinträchtigen. Dagegen richten sich Bedenken, namentlich in Form einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg. Die Kohlenstoff-Speicherpotentiale durch Baumpflanzung seien viel zu hoch angesetzt und bei falscher Standort- oder Artenwahl seien durch die Anpflanzung Ökosysteme gefährdet; die Intensität von Waldbränden werde erhöht und die globale Erwärmung könne sogar verschärft werden. Pflanzen selbst stehen ähnlich wie Tiere unter Klimastress, und wie anpassungsfähig sie sind, muss sich herausstellen. Ebenso leiden sie unter anderen menschlichen Eingriffen, von der Landwirtschaft bis zum Städtebau, auch durch Krankheiten und invasive Arten. Dem State of the World' Plants Report zufolge ist mittlerweile ein Fünftel aller bekannten Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Andere Erhebungen schätzen den gefährdeten Anteil höher ein. Steigt nun die Bedeutung privater Gärten für den Arterhalt, und wie wird sich die Flora im Garten verändern?

 

Medienteil DREI: Tier und Baum


Der Klimawandel stresst die Tierwelt. Vielen gelingt die Anpassung, jedenfalls bislang. Arten verschieben Paarungs- und Brutzeiten, Winterruhe und -schlaf, sie wandern in andere Regionen. Andere könnten aus den planetaren Veränderungen sogar als Gewinner hervorgehen, indem sie größere Territorien erobern – an Land, im Wasser oder in der Luft. Verlierer aber scheinen auch festzustehen, darunter das Symboltier des Klimaschutzes, der Eisbär, dessen Anpassungsfähigkeit mit dem Tempo des Verlusts von frostigem Lebensraum nur schwer Schritt halten dürfte. Ein bedrückendes Szenario entwirft eine Studie der Universitäten East Anglia (UK) und James Cook (AUS) im Auftrag des WWF. Bei einer Erwärmung um 4,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Phase könnten in besonders artenreichen Regionen wie dem Amazonasgebiet oder den Galapagosinseln die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sein. Indes setzen der Tierwelt ohnehin Verlust, Vermüllung und Vergiftung von Lebensräumen zu, fast durchweg im Dienste industrieller und landwirtschaftlicher Interessen. Manche Arten wurden durch illegalen Handel und Wilderei (fast) ausgerottet.


Ihre choices-Redaktion

Neue Kinofilme

Greenland