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02/20 Sinnesfreuden

FRAGEN DER ZEIT
Redaktionsskizze: wie choices & Co. das jeweils nächste Thema planen für choices/Köln, engels/Wuppertal und trailer/Ruhr
Drei Magazine in NRW – ein THEMA

Foto: paffy / Adobe Stock

Reizvoll oder überreizt? Unzählige Botschaften konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit. Ehrwürdige expressionistische Stilmittel, die Gleichzeitigkeit des Ungleichen erfahrbar zu machen, die grundstürzende Umgestaltung der Lebenswelt durch ungeahnte Vielfalt, können mittlerweile als Reminiszenzen an eine meditative Phase der Moderne erscheinen. Was sind schon Leuchtreklamen, was die beginnende Umgestaltung der Stadt durch Industrie und Konsum gegen die leuchtende, piepsende und vibrierende
Omnipräsenz namentlich des Smartphones – von der übrigen medialen Potenzierung der letzten Dekaden gar nicht erst zu reden. Die unablässige Überwältigung unserer Sinne ist zugleich eine Verarmung: Die Momente, in denen wir innehalten und genießen können, uns selbst spüren, das eigene Blut rauschen hören, sie lassen sich an vielen Tagen in Minuten bemessen – bestenfalls. Rund mit der Welt verdrahtet, scheinen wir den Kontakt zu ihr zu verlieren und den zu uns selbst gleich mit.

 

Medienteil EINS: Licht, Lärm, Labsal


Heute scheinen wir paradoxerweise vermehrt zurückgeworfen auf die Überlebensfrage: ein Überangebot an Lebensmitteln steht uns zur Verfügung, doch die Zweifel an ihrer Qualität wachsen – welche Schadstoffe sind aus den belasteten Äckern hineingelangt, essen wir Plastik nur oder atmen wir es schon, sind Medikamentenrückstände unwiderruflich Teil der Nahrungskette? Außerdem füllen unzählige Geschmacksrichtungen die Regale; manche sagen, von fad, über versalzen bis überzuckert sei alles dabei. Und sonst? Licht- und Lärmverschmutzung tragen dazu bei, unsere Sinne zu verwirren, verwischen die Grenze zwischen Tag und Nacht, sodass sich viele kaum mehr vorstellen können, ohne Schlafstörungen durchs Leben zu kommen. Was bleibt da an Empfindsamkeit in Familie, Beziehung und Freundeskreis? Wie können wir sie kultivieren?

 

Medienteil ZWEI: Mehr als Ich leben


Die Klage über den Verlust des Zwischenmenschlichen erklingt in einer Dauerschleife. Da ausgerechnet kommt die Forschung unseren Fähigkeiten und Bedürfnissen des Fühlens immer näher: dass unser Tastsinn menschlichen Berührungen einen besonderen Wert zuerkenne, über eigens daraus ausgelegte Rezeptoren verfüge; die Wirkung dieser Berührungen: Nähe, Beruhigung, Geborgenheit, Trost. Könnten wir ohne sie leben? Auffällige Fälle des Wahrnehmens begegnen uns in hochsensiblen Menschen, die oft als Sensibelchen verspottet werden, oftmals aber über eine gesteigerte Wahrnehmung verfügen, die zu ertragen, eine Bürde sein kann. Als Extrem unter diesen Fällen fällt die Berührungssynästhesie auf: die Fähigkeit, bei anderen Menschen Berührungen wahrzunehmen und sie auf dem eigenen Körper an gleicher Stelle zu empfinden. Das ist wohlgemerkt keine Krankheit, schließt die Forschung, sondern eine besondere Ausprägung von Eigenschaften, die allen Menschen zueigen sind.

 

Medienteil DREI: Meine Sinne beleben


Der Wald als Sehnsuchtsort über Generationen: mindestens von Thoreau über Heidegger bis zu Peter Wohllebens internationalem Bestseller „Das Geheime Leben der Bäume“. In therapeutischen Waldseminaren („Waldbaden“) geht es eher um Besinnung und Einkehr nach innen so sehr wie um Öffnung und Aufmerksamkeit nach außen; was im stillen Wald sicher leichter zu bewerkstelligen ist als in der Flughafenhalle; und wer sich gegen Zecken oder Mücken wehren muss oder beim Grunzen flüchtender Wildschweine erschaudert, bekommt gratis weitere Sinneserlebnisse. Witze liegen nahe, über Midlife-Kriselnde, Zivilsationsenttäuschte oder Burnoutgeplagte; sie liegen aber ebenso nahe über Binge-Watchende oder Smombies. Wer die Augen entspannen möchte, sollte jedenfalls besser zum Horizont schauen statt aufs Display. Trotzdem, es können und wollen ja nicht alle im Wald zu sich finden, schon gar nicht ständig und alle auf einmal. Wo, wann und wie können wir etwas für unsere Wahrnehmung tun?


Ihre choices-Redaktion